Ebelsbach

Kreis Haßberge: Leiter von Herzsportgruppen bilden sich weiter

Beim Herzsport mit dem Gymnastikball werden hier alle Muskeln angesprochen.
Foto: Günther Geiling | Beim Herzsport mit dem Gymnastikball werden hier alle Muskeln angesprochen.

„Ein bisschen anders, aber ganz Herzsport!“ Unter diesem Motto trafen sich 20 Herzsporttrainer aus ganz Bayern, um unter der Leitung von Sonja Förtsch aus Ebelsbach, Dozentin der Herz-LAG und Rehasport-Trainerin, ihre Kenntnisse zur Bekämpfung der Herz-Kreislauferkrankungen im präventiven und rehabilitativen Bereich zu erweitern. Mit diesem Lehrgang über 15 Unterrichtseinheiten über zwei Tage hinweg, verlängerten sie gleichzeitig ihr Lizenz als „Herzsportgruppenleiter“ für weitere zwei Jahre.

Die Deutsche Herzstiftung hält alljährlich im November bundesweite Herzwochen mit Informationen rund um das Herz ab. Diese Herzwochen sollen die Bevölkerung für bedrohliche Anzeichen und Symptome sensibilisieren, aber auch Risikopatienten zeigen, wie man aktive Vorsorge betreiben kann. Rund zwei bis drei Millionen Menschen leiden in Deutschland an Herzschwächen, einer ernsten, aber oft verkannten Krankheit. „Wer die Vorzeichen einer Herzinsuffizienz rechtzeitig erkennt, kann länger leben“ ist dazu ein Schlagwort.

Mehr Bedarf an Herzsportgruppen als Platz

Auch im Landkreis Haßberge gibt es schon seit Jahren in Ebelsbach (drei Gruppen), Zeil, Haßfurt, Hofheim oder Ebern Herzgruppen, die sich über die Vhs oder auch den Verein wöchentlich einmal treffen unter Betreuung eines Herzgruppenarztes und eines qualifizierten Sporttherapeuten und neben dem Sport sich auch zu krankheitsrelevanten Themen austauschen.

In Ebelsbach gibt es schon drei Herzsportgruppen, die sich unter der Leitung von Sonja Förtsch jeden Mittwoch im Bürgersaal am Sportgelände treffen. „Die Tendenz ist steigend und eigentlich gibt es sogar mehr Bedarf, als wir aufnehmen können. Darunter sind sowohl Männer als auch Frauen. Die jüngste ist 42 Jahre und die älteste Teilnehmerin 82 Jahre alt“, berichtet die Kursleiterin Förtsch und widerspricht Meinungen, dass man sich hier nur im Stuhlkreis treffe. Wer sich für eine Herzsportgruppe interessiert, kann sich über die Volkshochschule Haßberge informieren.

„Herzsport hat manchmal so einen negativen Touch und das ist völlig falsch. Wir machen denselben Sport wie andere auch, nur ist die Intensität etwas anders. Ein bisschen anders bedeutet, dass auch Herzsportler sich auspowern mit Bällen oder Noodlesticks zum Trommeln.“

Leiter einer Herzsportgruppe muss gut ausgebildet sein

Nach Meinung von Sonja Förtsch hat sich der Herzsport in den vergangenen zehn Jahren verändert. „War es damals so, dass ein Herzpatient nach einem Infarkt noch zehn Tage im Bett bleiben sollte, muss jetzt der Patient so schnell wie möglich auf die Beine kommen. Der Arzt bittet ihn, eine Herzsportgruppe aufzusuchen, um möglichst schnell ein Herz-Kreislauf-Training zu beginnen. Dann landen die meisten in einer Herzsportgruppe.“ In eine solche Gruppe kämen die Teilnehmer aber auch aus verschiedenen anderen Gründen. Ursache seien auch koronare Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Herzmuskelentzündungen, Zustand nach Schrittmacherimplantation und vieles andere mehr.

Mit den Bällen kann man die verschiedensten Übungen machen, wie hier Kursleiterin Sonja Förtsch (rechts) und Herzsportärztin Christa Roth (links) zeigen.
Foto: Günther Geiling | Mit den Bällen kann man die verschiedensten Übungen machen, wie hier Kursleiterin Sonja Förtsch (rechts) und Herzsportärztin Christa Roth (links) zeigen.

Für den Sport in einer solchen Gruppe müssten die Leiter bestens ausgebildet sein und dafür sorge die Landes-Arbeitsgemeinschaft für kardiologische Prävention und Rehabilitation in Bayern. Dennoch brauche es für die Arbeit in den Gruppen immer wieder neue Ideen und die werden in den Lehrgängen alle zwei Jahre vermittelt.

Fester Bestandteil jeder Fortbildung für die Herzgruppenleiter ist auch ein Notfalltraining. Wolfgang Brühl, Einsatzleiter Rettungsdienst beim BRK Haßberge, informierte über plötzliches Herzversagen und Reanimation. Dabei spielten natürlich auch Hygienevorschriften und Corona-Auflagen eine besondere Rolle bei der Fortbildung in Sachen Reanimation. Mund-zu-Mund-Beatmung konnte hier nicht angewendet werden, sondern ein Beatmungsbeutel spielte die große Rolle.

Christa Roth ist seit über 20 Jahre begleitende Herzsportärztin

Christa Roth, Ärztin und seit über 20 Jahren begleitende Herzsportärztin, hielt einen Vortrag über „Kraftsport im Herzsport“ und unterlegte dies anschließend mit einem Praxisteil. Und dann stand „propriozeptives Training“ auf dem Programm mit Wahrnehmung von Gelenkstellung Muskelspannung, Bewegungsrichtung und Lage des Körpers im Raum.

Immer wieder wurde es entsprechend dem Motto „ein bisschen anders, aber ganz Herzsport“ für die Teilnehmer wirklich anders. „Schon mal mit deiner Herzsportgruppe in geselliger Runde Musik aus deiner Bluetooth-Box von deinem Handy gestreamt und entspannt über den Hallenboden geglitten? Oder mit einer Noodle den Rhythmus aufs Parkett gelegt und die Faszien deiner Herzis geschmiert? Einen Tanz getanzt, den keiner kennt und doch alle können?“

Diese Fragen stellte Kursleiterin Sonja Förtsch ihren Kursteilnehmern und meinte dazu „alles anders, aber ganz Herzsport!“ Gelenkschonende Gymnastik zum Schieben und Fechten mit der Poolnudel brachten den Lehrgangsteilnehmern Spaß, gute Laune und viele neue Ideen für den eigenen Herzsport in ihrer Gruppe.

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