Oberschwappach

„lenz.komm“: Wenn Künstler den Frühling einfangen

Die Künstlergruppe „Eschenauer Runde“ stellt derzeit unter dem Titel „lenz.komm“ im Schloss Oberschwappach Arbeiten aus. Unser Bild zeigt (von links) die Galeristin Eleonore Schmidts-Stumpf, Herbert Holzheimer, Gabi Weinkauf, Jürgen Hochmuth, Barbara Schaper-Oeser, Gerd Kanz, Gerhard Nerowski, Werner Tögel, den Galeristen Egon Stumpf, Lisa Wölfel, Elisabeth Ambros vom Kulturverein Museum Schloss Oberschwappach, Ernst J. Herlet, Bürgermeister Stefan Paulus und Helmut Droll.
Foto: Ulrike Langer | Die Künstlergruppe „Eschenauer Runde“ stellt derzeit unter dem Titel „lenz.komm“ im Schloss Oberschwappach Arbeiten aus.

„Alle Kunst kommt aus der Natur“, sagte Albrecht Dürer. Und auch für den Galeristen Egon Stumpf von der „Galerie im Saal“ in Eschenau sind Natur und Kunst zwei Schöpfungsgeschichten in enger Beziehung zueinander. Wie eng diese Verbindung sein kann und wie gerade der Frühling oder der poetische Lenz von Künstlern „eingefangen“ werden kann, zeigt die neuste Ausstellung der Künstlergruppe „Eschenauer Runde“ unter dem Titel „lenz.komm“ im Schloss Oberschwappach.

„Diese Ausstellung ist das Beste, was ich seit vielen Jahren von dieser und von anderen Gruppen gesehen habe“, lobte Egon Stumpf bei der Vernissage die Künstler. „Jedes der zehn Mitglieder verfolgt seine eigenen künstlerischen Träume und setzt doch ein großes Gewicht gegen jegliche anmaßenden Versuche zu einer Hierarchisierung in der bildenden Kunst“, sagte Stumpf.

Individuelle Fantasie

Zu den Künstlern, die – inspiriert vom Lenz – Werke der individuellen Fantasie und Kreativität geschaffen haben, zählt Gerd Kanz aus Untermerzbach. „Ich zeige das Frühlingserwachen als zarte Pflanzen, die – egal ob auf einem Gemälde oder als Skulptur – aufbrechen“, ließ er wissen. „Für mich war es eine riesige Freude, für die Ausstellung Werke zu schaffen, die fröhlich sind und Farbe zeigen.“

Gerhard Nerowski aus Königsberg hat mit seiner Kettensäge Federbälle für Kentauren und Vogelfedern von Monsteradlern sowie Flugsamen, die Gott sei Dank schon vor dem Betrachter auf dem Boden liegen, gezaubert. „Mich faszinieren alltägliche, naheliegende Dinge, die einem oft nicht auffallen“, beschrieb er seine Intention.

Die Absolventin der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und Meisterschülerin von Thomas Hartmann, Lisa Wölfel aus Haßfurt, liebt Kontraste, organische Formen und Farben: „Ich möchte in jedem Bild einen bestimmten Klang in einer freien Bildsprache zum Ausdruck bringen und dabei Figürliches und Abstraktes kombinieren.“

Der Schweinfurter Ernst Herlet beweist, dass schon eine Tulpe einen Frühling macht. Er bringt mit seinen Blumenbildern viele Facetten seines Kunstschaffens zum Schwingen. „Der Augencatcher einer einzelnen Tulpe aus weißem Stein, die sich vor dunklem Hintergrund elegant nach oben schlängelt, und seine kräftigen Blumen mit ungewöhnlichen Farbkompositionen umreißen kunsttheoretisch verschiedene Welten, die Ernst Herlet elegant mit seinem Malerpinsel dirigiert“, beschrieb Egon Stumpf den Künstler, der sowohl detailliert arbeitet als auch den freien Pinselstrich liebt.

Der Bildhauer und Zeichner Jürgen Hochmuth aus Randersacker verbreitet mit seinen Objekten, den „Rasenfliesen“, die von passenden Rasengemälden ergänzt werden, Heiterkeit und Ironie. Er zeigt aber auch ernste Züge. Schon der „Kunst-Rasen“, auf dem Objekte aus rostendem Eisen stehen, ist zweideutig.

Der Bildhauer Herbert Holzheimer aus Langenleiten in der Rhön fesselt auch diesmal mit seinen Impressionen aus Holz. „Der Lenz hat mich eigentlich wenig gereizt, weil mich das Vergehende mehr fasziniert und ich schwerpunktmäßig mit verfallendem Holz arbeite“, so seine Worte. Doch der vergoldete „Keimling“ und das „Ei“, das mit Polierweiß behandelt wurde, passen wunderbar zum Thema Frühling.

Helmut Droll aus Euerdorf verwöhnt das Auge mit neuen Arbeiten in immer wieder verblüffender technischer Perfektion zum Thema „Netze und Freiheiten“. Faszinierend ist die detaillierte Tuschezeichnung der Fruchtfliege „Drosophila“, überraschend ist das Werk „Vernetzt IV“ mit über das Ölgemälde gespannten „Spinnenfäden“, unheimlich ist die „Netzspannung“, ein Objekt aus unter Spannung stehenden Perlonfäden, in dem eine Schnecke gefangen ist, und mahnend ist das Tusche-Aquarell „Hängen geblieben“, das an die Flüchtlingsthematik erinnert.

Die Romantik liebt Werner Tögel aus Nürnberg, der gerne mit Collagen arbeitet. „Ich zeige gerne die Alltagsromantik, die man nicht immer wahrnimmt, und öffne den Blick dafür“, gab er an. Ob er nun ein Haus, das es nicht mehr gibt, in einen Wald oder Bäume vor geometrische Muster platziert, ob er nun einen Traktor zeigt, der eine Kuh mit Dünger besprüht, oder ob er nun Schweine beim Frühjahrshochwasser wie Sandsäcke gegen die Flut aufgestapelt – stets ist auch eine gehörige Portion Humor mit im Spiel.

Mischtechnik

Barbara Schaper-Oeser aus Würzburg stellt drei Bilder in Mischtechnik aus, die vom Keimen und Durchbrechen erzählen, aber auch sechs Bleiobjekte. Die Bilder haben eine haptisch erfahrbare Oberfläche und zeigen, dass der Künstlerin Quadrate und Kreise als Symbole des Irdischen und des Himmlischen sowie Kontraste zwischen den Farben besonders wichtig sind.

Gabi Weinkauf aus Güntersleben hat eine Multimediawand mit Objekten und verschiedensten gestalterischen Mitteln geschaffen – vom Prägedruck bis hin zur genähten Zeichnung. „Es sind Grüße aus dem Ateliergarten“, sagte sie.

Die Ausstellung „lenz.komm“ ist bis 28. Mai sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung unter Tel. (0 95 27) 81 05 01 zu sehen.

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