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Leser-Forum: Eine Klinik sollte keine Gewinne abwerfen müssen

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Foto: (dpa)

Zur Schließung des Hofheimer Krankenhauses erreichte unsere Redaktion folgender Leserbrief:

Die Fakten, die in der Infoveranstaltung zur Schließung des Krankenhauses vom Landrat Herrn Schneider und vom Vorstandsvorsitzenden der Haßberg-Kliniken, Herrn Kolck, vorgetragen wurden, sprechen dem Grunde nach für sich: 45 Prozent der Krankenhäuser in Bayern schreiben „rote Zahlen“, und zwischen 2003 und 2013 mussten elf Krankenhäuser in Bayern (deutschlandweit: 73 Häuser) geschlossen werden. Wenn nichts passiert, werde der Landkreis Haßberge im Jahr 2021 laut Prognose des Gutachters mit den Haßberg-Kliniken ein Minus von jährlich 5,22 Millionen Euro „erwirtschaften“ (hierzu ist aber anzumerken, dass das Hofheimer Krankenhaus nach dessen Umstrukturierung im Jahre 2004 zehn Jahre lang – bis einschließlich 2014 – Gewinne gemacht hat).

Die Ursache: Der Trend geht immer mehr zur ambulanten Behandlung.

Die vom Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken beschlossene Lösung: Schließung der stationären Versorgung im Hofheimer Krankenhaus.

Wie sich der aktuelle Trend künftig tatsächlich entwickeln wird, bleibt allerdings abzuwarten, da die Entscheidung „ambulante“ oder „stationäre Behandlung“ immer einzelfallbezogen abhängig sein wird.

Zu dem vom Verwaltungsrat beschlossenen Ende der stationären Versorgung im Hofheimer Krankenhaus meine Anmerkungen:

1. Das Hofheimer Krankenhaus ist in vielen Jahrzehnten zum festen Bestandteil der Infrastruktur im nördlichen Landkreis geworden. Das für die Schließung letztlich ausschlaggebende Problem des Hofheimer Hauses ist aber, dass es zu wenig potenzielle Patienten in der Region gibt, um die notwendigen Erlöse zu erzielen.

Wie in der Infoveranstaltung von Herrn Kolck selbst vorgetragen wurde, ist das „Markenzeichen des Hauses Hofheim“ – der „Geist Hofheims“ – ein Synonym für das Engagement der Mitarbeiter der Hofheimer Klinik für „ihr Krankenhaus“. Dieser ausdrücklich hervorgehobene „Hofheimer Geist“ wirkt schon seit vielen Jahren und wird von ehemaligen Patienten immer wieder sehr gerne und wohlgesonnen als ein besonderes Merkmal unseres Krankenhauses genannt. Dieser „Geist“ soll jetzt „schließungsbedingt“ durch die Verteilung der Mitarbeiter ohne großen Aufwand nach „Ebern und Haßfurt verlagert werden“.

Ich frage mich deshalb:

• Warum lässt sich dieser „Hofheimer Geist“ nicht landkreisweit und in den benachbarten Landkreisen besser und gezielter „vermarkten“?

• Warum wirbt man nicht mit diesem „Alleinstellungsmerkmal“, um Kranken- und zeitlich befristete Krankenpflegefälle, die aus medizinischer Sicht nicht beziehungsweise nicht mehr in Haßfurt oder Schweinfurt behandelt werden müssen, nach Hofheim zu bringen, um sie dort in familiärer Atmosphäre mit dem „Hofheimer Geist“ betreuen und versorgen zu können?

2. Ein wesentlicher Grund für diesen Beschluss ist die in den vergangenen zwei Jahren (2015 und 2016) festgestellte „Unwirtschaftlichkeit“ des Hofheimer Krankenhauses. Die nach der Umstrukturierung in Hofheim verbliebenen 25 Betten seien deshalb nicht mehr zu halten. Unsere Lebenserwartung steigt jedoch von Generation zu Generation. Es ist deshalb zu erwarten, dass künftig altersbedingt vermehrt stationäre Aufenthalte in Kliniken notwendig werden. Diese zu erwartenden Klinikaufenthalte könnten auch (weiterhin) im Hofheimer Krankenhaus erfolgen. Ich habe meine Zweifel, dass für solche Fälle künftig und dauerhaft genügend Stationsbetten in der „Hauptklinik“ Haßfurt oder im Krankenhaus Ebern zur Verfügung stehen werden.

3. Laut Pressebericht würde sich auch eine gastroenterologische Hauptabteilung in Hofheim nicht rechnen. Gleichzeitig ist aber auch zu lesen, dass es nach Meinung des Gutachters „vielmehr der richtige Weg sei, die innere Abteilung des Hauses Haßfurt zu stärken. Dazu sei geplant, in Haßfurt einen neuen Facharzt für Gastroenterologie einzustellen“. Auch der Vorstand Herr Neubauer sieht, dass es bei der Inneren in Haßfurt noch großen Handlungsbedarf gibt . . .

Fazit: In Hofheim geht eine Gastro-Hauptabteilung nicht, aber dafür in Haßfurt (als Konkurrenz zu Drs. Leucht??). Das verstehe, wer will.

4. Ein Krankenhaus kann und darf meines Erachtens nicht mit einer betriebswirtschaftlich geführten Firma, die Gewinne abwerfen muss, gleichgestellt werden, auch wenn das inzwischen schon fast der Regelfall sein dürfte. Natürlich muss die Gesamtentwicklung der Finanzen der Haßberg-Kliniken betrachtet werden. Die Schließung der stationären Abteilung in Hofheim wird aber die grundsätzlichen finanziellen Probleme der Haßberg-Kliniken vermutlich nicht lösen können. Da die Finanzmisere vor allem kleinere Krankenhäuser in ganz Deutschland betrifft, sollten neue Möglichkeiten zur Vermeidung von Defiziten angedacht werden.

Ich frage mich deshalb: Wäre es nicht möglich, den Solidaritätszuschlag zur finanziellen Unterstützung kleinerer Kliniken „umzulegen“? Wäre es nicht auch möglich und denkbar, zwischen großen spezialisierten Kliniken mit „gesunden Gewinnen“ und Kliniken, welche die notwendige Grundversorgung leisten und dadurch Defizite schreiben, eine Art „Klinik-Finanzausgleich“ gesetzlich festzulegen?

5. Ich bin überzeugt: „Wir können das schaffen“, denn wo ein politischer Wille ist, ist erfahrungsgemäß meistens auch ein politischer Weg ...

Ralph Köberlein

97461 Hofheim

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