Haßfurt

Leserforum: Auch klare personelle Konsequenzen nötig

Zu dem Artikel „Geheime Diskussionen um Kliniken“ (vom 28. April) erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

Das riesige „privatisierte“ Universitätsklinikum Gießen-Marburg ist seit Jahren in der Krise: Krach zwischen Professoren und Klinikverwaltung. Auch das Klinikum Ingolstadt kann es nicht: Der korrupte Geschäftsführer wurde entlassen. Das Krankenhaus Ansbach hat ebenfalls Probleme: Hier wurde der Verwalter verhaftet. Schließlich bietet die Führungsspitze in den Haßberg-Kliniken ebenfalls ein trauriges Bild, weil es seit Jahren hilf- und planlos am Rande der Insolvenz entlang torkelt . . .

Woran liegt das? Ist die Krankenhaussituation heutzutage wirklich so schwierig zu beherrschen? Oder sind die Verantwortlichen schlicht unfähig? Sind sie vielleicht mehr am (eigenen) Profit als an Patienten oder Personal interessiert? Fehlen klare Konzeptionen? Oder auch die richtigen Mitarbeiter? Oder kommt alles zusammen?

Kürzlich hat der „Förderkreis zur Unterstützung des Hofheimer Krankenhauses“ in einem offenen Brief genau hierzu Fragen gestellt. Übrigens sehr zurückhaltend und vorsichtig formuliert! Man hätte auch drastischere Worte finden und durchaus tiefer im Morast unseres Krankenhaus-Sumpfes graben können, was wohl dringend nötig ist, denn ein „Weitermauscheln als wäre nichts geschehen“ ist schrecklich, nicht gründlich nach den Ursachen zu forschen feige, keine Konsequenzen aus dem Versagen zu ziehen verantwortungslos. Wie also stellt sich die Situation dar?

Zunächst ist da die Drei-Männer-Spitze, welche den Verwaltungsrat beherrscht und allein das Sagen hat. Können die Schuldigen für das gegenwärtige Desaster wirklich auch für die kommenden Aufgaben geeignet sein? Wohl nicht: Der Landrat ist kein Krankenhaus-Experte, er verlässt sich auf dubiose und geheime Fremdgutachten. Der Jurist ist zwar fachkompetent, hat bisher seine Kontrollfunktionen aber schwer vernachlässigt. Der Verwaltungsfachmann versteht zwar etwas von Müllentsorgung, mit profunden Kenntnissen über Gesundheitspolitik oder Krankenhauswesen hat er bisher jedoch nicht geglänzt.

Dieses Führungsgremium hat es in der Vergangenheit nicht geschafft, ein dringend notwendiges tragfähiges Krankenhauskonzept für den Landkreis zu entwickeln. Offensichtlich waren Ausbau und Sicherung der eigenen Positionen wichtiger als die Arbeit am Gesundheits- und Krankenhaussystem des Landkreises. Daher wohl die merkwürdige Intransparenz in vielen Bereichen, die auch gut zur bedrohlich wirkenden „Schweigeverpflichtung“ bei allen aktuellen „Vorbesprechungen in kleinen Gremien“ zu möglichen zukünftigen Entscheidungen in den letzten Tagen passt.

Für jeden wirklich Kompetenten ist es absolut sicher, dass ein erfolgreicher Neustart nur mit einer grundsätzlichen Neuorientierung gelingen kann. Eine Neuorientierung, die auch die oberen Verwaltungsetagen mit einbezieht. Absprachen in nichtöffentlichen Versammlungen, geheime Schreibtisch-Gutachten, nicht durchdachte Kürzungs- und Schließungsmodelle und die Furcht vor klaren (auch personellen) Änderungen sind der falsche Weg.

Es ergeht daher ein dringender Appell an alle, welche die aktuell wichtigen Entscheidungen für unseren Landkreis zu treffen haben. Die Verantwortung hierfür ist groß! Sie erstreckt sich auf Kranke und Pflegende, nicht aber auf Boni für Verwalter oder eine Gewinnmaximierung. Die Bürger unseres Landkreises beobachten die Entwicklung sehr genau. Die Grenzen unserer Toleranz und Leidensfähigkeit sind erreicht!

Eike Uhlich 97461 Hofheim

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