Sand am Main

Leserforum: Wald braucht Schutz vor Ausbeutern

Zum Artikel "Stirbt der Steigerwald ohne Menschenhand?“ vom 19. Oktober erreichte die Redaktion folgender Leserbrief:

Ein Förster und ein ehemaliger Bürgermeister treibt die Sorge um, der gesamte Steigerwald stürbe ohne die ordnende Hand des Menschen. Man muss da schon genauer auf die Karte vom Steigerwald schauen, um überhaupt das kleine Gebiet erkennen zu können, das nach wissenschaftlichen Analysen scheinbar noch so wertvoll dasteht, so einzigartig als Insel in unserer aufgeräumten, auf Leistung getrimmten Landschaft, dass Wissenschaftler und Naturliebhaber freiwillig und selbstlos ihre Zeit opfern, diesen Schatz den Menschen aufzuzeigen, bevor er zu Ende genutzt und auch verloren gegangen sein wird.

Um es nochmals ganz deutlich zu sagen: Es geht nicht um den großen Naturpark Steigerwald, sondern nur um einen sehr kleinen Bereich darin, im nordwestlichen Zipfel dieses Naturparks. Mehr als 91 Prozent werden von dem Nationalpark nicht berührt! Darin kann Menschenhand und Förster jetzt und in Zukunft zeigen, wie gut sie die Prozesse der Natur wirklich kennen und berücksichtigen.

Ersehen kann man diese fachmännische Kompetenz an den tonnenschweren Maschinen, die wie Raubtiere Schneisen in die Wälder fressen, weiche Waldböden plattwalzen und den Wasserspeicher Waldboden auf Jahre hinaus zerstören. Erahnen lassen sich die Marschrichtungen in ihren Entscheidungen aus der Vergangenheit, wenn man den gegenwärtigen Schaden genauer analysiert: Der Wald im Klimastress leidet vor allem dort, wo Förster den natürlichen „Wald“ durch Nadelbaumplantagen in den letzten Jahrzehnten schon längst vernichtet haben.

Gerne werden hier Nebelkerzen gezündet, dass der gesamte Steigerwald Nationalpark werden würde, dass die Menschen nicht mehr den Wald nutzen dürften, dass der Wald ja ohne Menschen nicht mehr lebensfähig wäre, dass die Versorgung mit Holz zusammenbräche, dass unsere Klimaziele nicht mehr erreichbar wären, dass der heimatliebende Pilzsammler aus seinem Wald vertrieben würde, dass Millionen Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. Lasst euch nicht veräppeln, Freunde, und eure Kinder um den Schatz eines Weltnaturerbes bringen! In dieser langen Auseinandersetzung geht es Politikern und Einflussgrößen vor allem um ihre Macht und Rechthaberei, fußend auf Ignoranz und schlichte Wahltaktik. Den Menschen wird zielführend Angst eingeflößt vor dem Neuen, dass sie nicht beginnen mögen, ihren eigenen Augen und Ohren zu trauen.

Wer heute in die bestehenden Nationalparkregionen, zum Beispiel den als Urlaubsregion hoch geschätzten Bayerischen Wald, fährt und mit den Menschen dort redet, wird schnell erkennen, dass sie dort schon nach kurzer Zeit mit dem Nationalpark äußerst gut und besser leben konnten und können. Sogar die Politiker lassen sich nun dort feiern und sind übervoll mit Lobeshymnen auf den segensreichen Nationalpark (seit 50 Jahren). Aus ökologischer und ökonomischer Sicht sei er für die Region und ganz Bayern wertvoll. "Ein Schatz", sagte Söder. Kaum sind sie zurück im Steigerwald, ist alles wieder vorbei und vergessen.

Ehrlich gesagt, wenn „Wald“ wirklich den Menschen bräuchte, um zu überleben, dann gäbe es keinen Kongo, keinen Amazonas und keine Taiga. „Wald“ braucht vor allem Ruhe und Platz und Schutz vor allen Besserwissern, Angstmachern und Ausbeutern. „Wald“ braucht Helden und Heldinnen wie Dich, die auch mal laut werden, ihm ihre Stimme leihen, für ihn wirklich einmal einstehen – bevor es zu spät für unsere Kinder ist!

Wahnsinn in seiner reinster Form zeigt sich, wenn wir unsere letzten alten Buchenwälder im nördlichen Steigerwald in Zeiten der höchsten Klimanot und weltweiten Ratlosigkeit von monströsen Holzerntemaschinen leerräumen lassen.

Dr. Robert Atzmüller
97522 Sand am Main

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