Hofheim

Mehr Bewegung, weniger Berührungsängste

Unter anderem beim Sprint konnten sich die Sportler beweisen.
Foto: Anna-Lena Behnke | Unter anderem beim Sprint konnten sich die Sportler beweisen.

Ob jung oder alt, ob mit oder ohne Behinderung – Sport verbindet. Der gemeinsame Sprint über die Laufbahn lässt Hemmschwellen kleiner werden und sorgt für Barrierefreiheit in den Köpfen. Das zeigte am Samstag das Inklusive Sport- und Spielefest in Hofheim. Auf dem Sportgelände konnten dort bereits zum vierten Mal Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam für das Deutsche Sportabzeichen antreten. Dabei stand vor allem das Interesse daran, gemeinsam Sport zu treiben im Mittelpunkt. „Wer mitmacht, ist schon ein Gewinner“, brachte es der Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst auf den Punkt.

Die Veranstaltung, die der TV Hofheim in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Haßberge, der Rummelsberger Diakonie und dem Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) auf die Beine gestellt hatte, richtete sich dabei nicht nur an Vereinssportler. Jeder, ob in der Gruppe oder alleine, hatte auch spontan die Möglichkeit, sich den Herausforderungen des Sportabzeichens zu stellen.

Viele Disziplinen zur Auswahl

Das Deutsche Sportabzeichen ist ein Leistungsabzeichen des Deutschen Olympischen Sportbundes. Es ist die höchste Auszeichnung außerhalb des Wettkampfsports und wird als Zeichen für überdurchschnittliche und vielseitige körperliche Leistungsfähigkeit verliehen. Auch Kinder ab sechs Jahren können die Prüfungen ablegen. Dabei müssen die Teilnehmer ihre Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination unter Beweis stellen. Aus jedem dieser Bereiche wählen die Sportler dazu Übungen aus. Von Laufen, über Schwimmen, bis hin zu Weitsprung und Seilspringen stehen verschiedenste Disziplinen zur Auswahl. Je nach Altersgruppe und Geschlecht werden hier unterschiedliche Leistungen gefordert, besondere Vorgaben gelten ebenfalls für Sportler mit Behinderung. In jedem Fall müssen die Teilnehmer ihre Schwimmfertigkeit nachweisen. Wer daran scheitert, hatte am Samstag auch die Möglichkeit anstatt des Deutschen Sportabzeichens ein Mehrkampfabzeichen abzulegen.

Los ging es um 10 Uhr nach einem Warm-up mit der Hofheimer Samba-Gruppe Bateria Caliente. Dann durften die Teilnehmer in den verschiedenen Disziplinen zeigen, was sie können.

Auch einige prominente Gäste standen in den Startlöchern. Neben Landrat Wilhelm Schneider, der bereits zum dritten Mal als Schirmherr die Veranstaltung unterstützte, legten auch Bürgermeister Wolfgang Borst und der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel erfolgreich die Prüfungen zum Deutschen Sportabzeichen in Gold ab. Auch die BLSV-Funktionäre Gerald Makowski und Uwe Derra ließen es sich nicht nehmen, ihre sportlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

„Ich hab's geschafft!“

Auf dem Sportplatz konnten sie sich zusammen mit den übrigen Athleten im Weitwurf, Medizinball werfen oder Schleuderball probieren. „So weit wie möglich“ lautete auch das Motto am Sandkasten. Hier sammelten die Teilnehmer durch Weitsprung und Standweitsprung Punkte in den Kategorien Koordination und Kraft. Direkt daneben bemühten sich die Sportler beim Seilspringen sowie Kugel- und Steinstoßen. Weitere Stationen waren das Hofheimer Hallenbad und die Laufbahn, auf der nicht nur Sprints, sondern auch 3000-Meter-Läufe stattfanden. Ab 14 Uhr konnten die Sportler ihre Ausdauer auch beim Walking unter Beweis stellen. Für die Teilnehmer mit Behinderung standen außerdem die Kegelbahn und eine Station zum Zielwerfen zur Verfügung.

War eine Disziplin erfüllt, tönte schon einmal ein stolzes „Ich hab?s geschafft!“ über das Sportgelände. Tina Reinwand von der Rummelsberger Diakonie berichtete, wie sehr das Sportfest gerade die Teilnehmer aus der Behindertenhilfe begeistere. „Das sind ganz besondere Erfolgserlebnisse, die sie hier mitnehmen können“, meinte die Betreuerin, die mit insgesamt zwölf Erwachsenen mit Behinderung angereist ist. „Das ist mal etwas ganz anderes als der übliche Wohnheimalltag und alle hier sind mit Spaß dabei.“ Reinwand betonte, welchen Mehrwert auch das wöchentliche Vorbereitungstraining, das seit März in Hofheim stattfand, für die Bewohner der Wohngruppen hatte und wünscht sich, dass ein solches Bewegungskonzept auch nach dem Sportfest weitergeführt wird.

Jedes Jahr mehr Teilnehmer

13 Teilnehmer mit Handicap gingen zudem von der Lebenshilfe Haßberge für das Sport- oder Mehrkampfabzeichen an den Start und auch vom Besucherzustrom insgesamt zeigte sich Günter Dietz vom TV Hofheim begeistert. Genaue Zahlen konnte der Initiator noch nicht nennen, dennoch ist er sicher, dass auch in diesem Jahr wieder mehr Teilnehmer zu verzeichnen sind als in den Jahren zuvor. Denn schon in den letzten Jahren stiegen die Teilnehmerzahlen. Traten 2015 noch 55 Sportler für das Sportabzeichen an, waren es 2017 schon 110. Dietz freut das besonders, da es auf Seiten der Menschen ohne Behinderung vor dem ersten Inklusionssportfest einige Bedenken gab. „Nach der ersten Veranstaltung gab es dann keine negativen Stimmen mehr, weil alle gesehen haben, dass es funktioniert“, berichtete der Hofheimer, der auch Beauftragter für Inklusion im Bayerischen Turnverband (BTV) ist. In der Öffentlichkeit finde das Konzept ebenfalls immer mehr Zuspruch. Dieses Mal halfen die Firmlinge aus Bad Königshofen bei der Ausrichtung.

Die Idee zu einem integrativen Sportfest fand durch Dietz ihren Weg nach Hofheim. In Zusammenarbeit mit dem TV Hofheim, der Lebenshilfe Haßberge und dem BLSV entstanden die Pläne zum ersten Inklusionssportfest. Das Konzept soll nicht nur Menschen mit Behinderung einen Zugang zum Sportangebot ermöglichen, sondern auch Berührungsängste abbauen.

„Inklusion muss gelebt werden“

Den integrativen Gedanken lobte auch der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel. „Inklusion kann die Politik nicht vorschreiben, Inklusion muss gelebt werden“, erklärte der CSU-Politiker. In der Region ist das Inklusive Sport- und Spielefest das einzige Event dieser Art. Vogel nannte die Veranstaltung ein Vorbild für Sportvereine in ganz Bayern.

Im Zeichen der Inklusion stand auch in diesem Jahr das Rahmenprogramm. So gab es den Workshop der Rollstuhlbasketballer „Fit4Rolli“. In dem Bischwinder Verein spielen routinierte Rollstuhlfahrer zusammen mit Menschen ohne Handicap im Team. In der Zweifachturnhalle stellte der Verein Sportrollstühle zur Verfügung und gab den Neulingen eine kurze Fahrstunde. Wer die Fortbewegung verinnerlicht hatte, konnte sich beim Slalom und an den Basketballkörben neuen Aufgaben stellen. Im Anschluss fand ein Einlagespiel zum Mitmachen statt, bei dem auch einige die Bürgermeister aus Hofheim, Bundorf und Aidhausen, Wolfgang Borst, Hubert Endres und Dieter Möhring sowie Riedbachs zweite Bürgermeisterin Elke Heusinger und der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel mitspielten.

Anschließend traten beim „Spiel ohne Grenzen“ sechs Gruppen, die sich aus jeweils zwei Teilnehmern mit und zwei ohne Behinderung zusammensetzten, bei verschiedenen Aufgaben gegeneinander an.

Ab 18 Uhr konnten sich die Sportler beim Auftritt der Acoustic-Rock-Band „Anplagged“ erholen und den Tag gemeinsam mit den übrigen Besuchern ausklingen lassen.

Bei „Fit4Rolli“ spielen Sportler mit und ohne Behinderung gemeinsam Rollstuhlbasketball.
Foto: Anna-Lena Behnke | Bei „Fit4Rolli“ spielen Sportler mit und ohne Behinderung gemeinsam Rollstuhlbasketball.
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