Haßfurt

Mehr Gefährdungen des Kindeswohls

Gewalt gegen Kinder       -  Das Wohl eines Kindes in einer Familie kann auf verschiedenste Weise gefährdet sein. Beim Jugendamt Haßberge ist die Zahl der Meldungen wegen dererlei Gefährdungen gestiegen.
Foto: SymbolPatrick Pleul/DPA | Das Wohl eines Kindes in einer Familie kann auf verschiedenste Weise gefährdet sein. Beim Jugendamt Haßberge ist die Zahl der Meldungen wegen dererlei Gefährdungen gestiegen.

Im Jugendhilfeausschuss des Landkreises stellte Christoph Schramm, Leiter des Jugendamtes, den Geschäftsbericht für das Jahr 2017 vorgestellt. Ein positives Ergebnis ist, dass von den Kindern, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern aufwachsten können, ein relativ geringer Teil in Heimen lebt.

Rund 58 Prozent sind bei Pflegefamilien untergekommen. Rechnet man die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge heraus, kommt der Landkreis sogar auf stolze 79 Prozent – auch eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. Jugendamtsleiter Christoph Schramm betonte, dies sein ein Vorteil im ländlichen Raum, wo Menschen noch mehr füreinander sorgten – in größeren Städten sähen die Zahlen weit schlechter aus. „Trotzdem sind wir immer auf der Suche nach Pflegefamilien“, betonte er und forderte auch die Ausschussmitglieder auf, sich in ihrem Umfeld nach geeigneten Personen umzusehen und diese anzusprechen.

Gestiegen ist dagegen in den letzten Jahren die Zahl an Meldungen wegen Kindeswohlgefährdungen – von 64 im Jahr 2009 auf 97 im Jahr 2017. Ebenfalls gestiegen ist dabei auch die Zahl der unbegründeten Meldungen. Christoph Schramm sah darin allerdings auch eine positive Entwicklung: Im Vergleich zu früher werde heute genauer hingeschaut. In fünf Fällen war 2017 eine Inobhutnahme nötig.

Ausschuss schlägt Schöffen vor

In der Sitzung erstellten die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses auch ihre Vorschlagsliste für die Wahl der Jugendschöffen. Insgesamt 41 Menschen aus dem Landkreis hatten sich um das Ehrenamt als Leienrichter für die Zeit von 2019 bis 2023 beworben. Aus der Bewerberliste wählten die Ausschussmitglieder nun 27 Personen, die auf eine Vorschlagsliste kommen. Diese Liste wird nach ihrer Erstellung zur öffentlichen Einsicht beim Jugendamt ausgelegt. Der Wahlausschuss beim Amtsgericht hat dann die Aufgabe, aus dieser Liste die Jugendschöffen zu wählen.

Amtsgerichtsdirektor Holger Ebert erinnerte in diesem Zusammenhang an die Bedeutung des Schöffenamtes. „Es ist ein äußerst verantwortungsvolles Ehrenamt“, sagte er; immerhin haben die Schöffen Entscheidungen zu treffen, die einen großen Einfluss auf die Lebensschicksale anderer Menschen haben. Weiter verwies Ebert darauf, dass die Stimme der Leienrichter bei der Urteilsfindung genauso viel Gewicht hat wie die der Berufsrichter. Dass Urteile immer „im Namen des Volkes“ gesprochen werden, solle nicht nur eine Phrase sein. Tatsächlich sollen normale Bürger mit zur Urteilsfindung beitragen.

Schöffen am Jugendgericht sollten außerdem Erfahrung in der Jugenderziehung haben, erklärte Ebert. Denn im Gegensatz zum Erwachsenenstrafrecht gehe es weniger im Strafe, viel mehr stehe der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Ebert betonte allerdings, dass es sich dabei dabei nicht um jemanden handeln müsse, der beruflich in der Jugendarbeit tätig ist. „Es reicht auch, wenn man zwei Kinder großgezogen hat.“

Erfreulich klingen die Zahlen des vorläufigen Rechnungsergebnisses des Jugendhilfeausschusses für das vergangene Jahr: Der Zuschussbedarf liegt gut eine Million Euro unter dem Haushaltsansatz. Grund dafür ist vor allem, dass in diesem Jahr mehrere Streitfälle um die Kostenerstattung für Heimkinder abgeschlossen wurden – Fälle, in denen nicht geklärt war, welches Jugendamt im betreffenden Fall zuständig ist. Dadurch kam es zu unerwarteten Einnahmen. Damit sinkt der Zuschussbedarf auf rund 5,57 Millionen Euro; ein Wert, den das Jugendamt in den letzten Jahren nicht erreichen konnte.

Weiter erhielten die Ausschussmitglieder Informationen über zwei Projekte. Dabei ging es einerseits um das Projekt „Neues Sozialwesen“, das Landrat Wilhelm Schneider als „Riesenprojekt“ bezeichnete. Dabei geht es vor allem um eine Zusammenarbeit zwischen Sozial- und Jugendamt sowie die Schaffung einer gemeinsamen Clearingstelle. Einerseits soll das den Kunden die Rennerei von einer Stelle zur anderen ersparen, andererseits den Mitarbeitern die Arbeit erleichtern. Auf mehrere Nachfrage der Ausschussmitglieder erklärten Landrat Wilhelm Schneider und Projektleiter Markus Deißler, der Datenschutzbeauftragte arbeite ebenfalls mit an dem Projekt, um sicherzustellen, dass weder Hacker noch Behördenmitarbeiter, die keine Berechtigung dazu haben, an die sensiblen Daten der Menschen gelangen können.

Außerdem stellte Mathias Tuffentsammer das von ihm geleitete Modellprojekt „Pädagogische Qualitätsbegleitung“ vor. Hierbei geht es um den Aufbau eines Unterstützungssystems für Kindertageseinrichtungen, die hier beraten und begleitet werden.

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