Maroldsweisach

In Maroldsweisach gestrandet: Zirkus hofft auf bessere Zeiten

"Immer nur üben und das eigene Können nicht präsentieren zu dürfen, fällt uns allen - aber besonders meiner Enkelin schwer", erzählt Manolito Lauenburger. Da sie nicht in die Schule gehen konnte, hatte sie sehr viel Zeit. Um die Langeweile zu vertreiben übte sie. Jetzt freut sich die Siebenjährige darauf endlich vor Publikum zeigen zu können was sie kann.
Foto: Stefanie Brantner | "Immer nur üben und das eigene Können nicht präsentieren zu dürfen, fällt uns allen - aber besonders meiner Enkelin schwer", erzählt Manolito Lauenburger.

In Bayern dürfen seit dem 15. Juni Theater, Kinos, Konzertsäle und andere Orte von Kulturveranstaltungen wieder öffnen. Auch die dafür notwendigen Proben und anderen Vorbereitungsarbeiten sind unter bestimmten Voraussetzungen wieder zulässig. Für Veranstaltungen gilt eine Obergrenze von 100 Besuchern in geschlossenen Räumen und 200 Besuchern im Freien. Somit kann auch ein Zirkus wieder Vorstellungen für das Publikum anbieten.

Mitte März ist in der Marktgemeinde Maroldsweisach der Zirkus "Baroness" angekommen. Dass man dort erstmals im Juli Vorstellungen geben kann – davon war damals keiner in der Familie Lauenburger ausgegangen. Eigentlich wäre man bis Juli schon in zig deutschen Städten und Gemeinden stationiert gewesen – hätte Vorstellungen gegeben und damit Einnahmen generiert. Einnahmen, die dringend gebraucht werden von der Zirkusfamilie.

Wie ausgestorben wirkt das Gelände beim Sportplatz in Maroldsweisach. Zwar stehen hier ein großes Zirkuszelt und Wohnwägen, trotzdem ist eine gewisse Trostlosigkeit spürbar. So richtig hat sich noch keine Aufbruchsstimmung breitgemacht. Der Hoffnungsschimmer am Horizont ist noch schmal.
Foto: Stefanie Brantner | Wie ausgestorben wirkt das Gelände beim Sportplatz in Maroldsweisach. Zwar stehen hier ein großes Zirkuszelt und Wohnwägen, trotzdem ist eine gewisse Trostlosigkeit spürbar.

"Menschen, Tiere, alle wollen essen", sagt Manolito Lauenburger auf die Frage, wie es ihm und seiner Familie in den vergangenen Wochen ergangen ist. So was Furchtbares habe er noch nie erlebt. Bereits in der fünften Generation bestehe der Zirkus und man habe auch schon schlechte Zeiten gehabt - aber die vergangenen Wochen seien ein Alptraum gewesen. Er sei es nicht gewohnt, so auf Hilfe angewiesen zu sein, wie das in den vergangenen Wochen der Fall war.

Nach Mitteilung vom Zirkusverband, dort werden die Interessen von 350 deutschen Zirkusunternehmen vertreten, dass es keine Vorstellungen geben kann und sogar eine Weiterfahrt nicht mehr möglich ist, saß die Familie, die ihr Winterquartier in Osnabrück hat, in Maroldsweisach fest.

"Ein kleiner Zirkusbetrieb hat keine großen Ersparnisse."
Manolito Lauenburger, Zirkusunternehmer

In der Not habe man Hilfe zum Lebensunterhalt beantragt und um Spenden gebeten. Hierbei hätte man von Seiten der Bevölkerung und der Marktgemeinde viel Unterstützung erfahren, erzählt Lauenburger. Ohne die Geschenke, die sie von Maroldsweisachern erhalten haben, wisse er nicht was sie hätten tun sollen. "Ein kleiner Zirkusbetrieb hat keine großen Ersparnisse. Obwohl – auch bei normalen Arbeitnehmern wird es nicht wirklich besser aussehen, wenn sie ihre Miete usw. bezahlen müssen aber kein Geld mehr reinkommt", ist sich Lauenburger sicher.

"Es fehlte einfach an Allem", berichtet er. "Die Tiere, vier Pferde, ein Pony, vier Esel, zwei Lamas, drei Alpakas und drei Hunde benötigen pro Woche zwei Ballen Heu, einen Sack Quetschhafer und etwa einen Sack Hundefutter. Ich hatte nicht einmal das Geld den Kindern zu Ostern einen Schokohasen zu kaufen, denn die Unterstützung vom Amt ließ auf sich warten. Nichts tun zu können, um die Situation zu verbessern war eine Katastrophe für mich", berichtet er und blickt betreten zu Boden. Doch dann hellen sich seine Gesichtszüge wieder auf. Denn nun ist ja endlich Besserung in Sicht.

Am kommenden Wochenende wird er wieder in der Manege stehen, mit den Tieren und der Familie die Zuschauer begeistern. Zwar können es laut der neuesten Bestimmungen nur 100 Personen sein und das Zirkuszelt würde eigentlich 450 Zuschauern Platz bieten, aber das ist allemal besser als keine Vorstellungen.

Wichtig ist es den Lauenburgers, sich noch einmal bei den Spendern zu bedanken, die ihnen in dieser schwierigen Zeit geholfen haben. So soll die Vorstellung am Freitag keinen Eintritt kosten. "Ein kleines Dankeschön von uns an die hilfsbereiten Menschen", so Lauenburger.

Die Vorstellungen am Samstag und Sonntag sollen dann allerdings wieder Eintrittsgelder in die Kasse spülen, denn das Geld werde dringend gebraucht. An den Lastern seien diverse Reparaturen zu erledigen und der TÜV müsse gemacht werden, so Lauenburger. Außerdem müsse man das nötige Spritgeld erwirtschaften, denn nun soll es ja endlich weitergehen. Der nächste Spielort liegt im Erzgebirge.

Jeweils bis zu 100 Gäste sind am kommenden Wochenende pro Vorstellung, zugelassen. Wer also sicher sein möchte, dass er einen Platz bekommt, kann sich unter Tel.: (0157) 36948821 anmelden. Die Vorstellungen finden am Freitag, 17. Juli, um 17 Uhr, am Samstag, 18. Juli, um 17 Uhr und am Sonntag, 19. Juli, um 14 Uhr statt.  

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