Bamberg

Moderne Kunst in barocker Kirche

Zwischen der „Macht der Türme“ von St. Stephan und Dom postieren die Künstlerinnen Barbara Winkler, Andrea Landwehr-Ratka, Heidrun Krec und Pfarrer Walter Neunhoeffer.
Zwischen der „Macht der Türme“ von St. Stephan und Dom postieren die Künstlerinnen Barbara Winkler, Andrea Landwehr-Ratka, Heidrun Krec und Pfarrer Walter Neunhoeffer. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Zum 1000. Jubiläum der Stephanskirche zeigt der Verein Form+Farbe dort seine künstlerische Auseinandersetzung mit der Bamberger Stadtgeschichte. Natürlich sind unter den rund 40 Werken in der Stephanskirche auch solche zu sehen, die sich mit Religion und Glauben beschäftigen. Doch die ausgestellten Objekte verbildlichen in erster Linie auf unterschiedliche Weise Stationen aus der nunmehr 1000-jährigen Geschichte St. Stephans.

„Jede Zeit bringt ihre Kunst in die Kirche, jede Zeit hat ihren Ausdruck“, fasst Walter Neunhoeffer, geschäftsführender Pfarrer der Stephansgemeinde, diese ungewöhnliche Präsentation des oberfränkischen Vereins Form+Farbe e.V. zusammen. „Moderne Kunst in barocker Kirche: Das ist gute alte Stephanstradition“, fügt der Pfarrer hinzu.

Unter dem Titel „Inspiration Zeitgeschichte 1020 – 2020“ ist ab morgen 12 Uhr die Ausstellung zu sehen. Geplant war sie seit Herbst 2019 als ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres – mit Vernissage. Coronabedingt müssen die großen Feierlichkeiten auf 2021 verschoben werden. Auch die offizielle Eröffnung der Schau mit vielen Besuchern kann nicht stattfinden. Es lohnt sich dennoch, die künstlerische Auseinandersetzung mit der Bamberger Stadtgeschichte anzuschauen und zu reflektieren: Zeitgenössische Werke in verschiedenen Formen, Farben, Techniken, die sich im gesamten Kirchenraum verteilen. Trotzdem „bleibt die Kirche ein liturgischer Ort“, erklärt Pfarrer Neunhoeffer. Und die drei federführenden Künstlerinnen Barbara Winkler, Andrea Landwehr-Ratka und Heidrun Krec verweisen ausdrücklich darauf, dass die Altarinsel unangetastet geblieben ist.

14 Künstler beteiligt

Es sei eine Herausforderung für die beteiligten 14 Künstler und Künstlerinnen gewesen, die 1000-jährige Zeitleiste zu füllen, bekennen die drei Damen. Das Themenspektrum reicht vom Kaiserpaar Heinrich II. und Kunigunde über Martin Luthers Besuch in Bamberg, Hexenverfolgung bis hin zum Zweiten Weltkrieg. Manches Werk erzählt die Geschichte mit einem Augenzwinkern, wie zum Beispiel der Kaiser Heinrich aus Papier, Holz, Draht und Faden (Künstlerin Nicole Hülswitt), der passend zu Bamberg Bratwürst und Bierkrug in den Händen hält.

Kaiserin Kunigunde als Hommage an Tilman Riemenschneider.
Kaiserin Kunigunde als Hommage an Tilman Riemenschneider. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Andere Exponate erschließen ihre Aussage nicht auf den ersten schnellen Blick, sondern erfordern Aufmerksamkeit. Wie etwa das dreiteilige Werk „Vorhersehung“ des Künstlers Klaus Biliczky, das sich mit dem Körper eines nackten Neugeborenen und der Nabelschnur sowie die Kreuzestafel voller Symbolik darstellt. Es schlägt eine Brücke zum Taufstein mit dem Jesuskind. Dieser wurde von Jürgen Goertz geschaffen und 1986 in St. Stephan platziert.

Ein Besuch der Ausstellung empfiehlt sich zu jeder Tageszeit. Denn das Licht, das in die Stephanskirche fällt, taucht auch die Bilder, Skulpturen, Installationen in dann völlig unterschiedliche Auren. „Ein riesiges Geschenk für die Stephanskirche!“ nennt denn auch Pfarrer Neunhoeffer die Werkschau in doppeldeutigem Sinne.

Bis mindestens 24. Juli ist die Ausstellung zu sehen. Ein Begleitheft liegt aus, das gegen eine Spende für die Stephanskirche erworben werden kann. Die Bamberger Volkshochschule wird voraussichtlich zwei Führungen für eine beschränkte Teilnehmerzahl anbieten. Die Termine stehen noch nicht fest.

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