Haßfurt

MVZ in Hofheim: Vorerst keine Sprechstunden

An den Sparmaßnahmen an den Haßberg-Kliniken, die der Verwaltungsrat Mitte Mai beschlossen hat, wird nicht mehr gerüttelt. Diesen Eindruck haben die Mitglieder des Kreistags am Montag erweckt. Formal betrachtet fehlt ihnen auch der notwendige Hebel dazu. Entscheidungen für das Kommunalunternehmen trifft nun mal der Verwaltungsrat, nicht der Kreistag. So hatte der Vortrag von Stephan Kolck während der Kreistagssitzung einerseits eher informellen Charakter. Doch es gab auch einige Neuigkeiten zu erfahren, die das Hofheimer Krankenhaus betreffen.

Bekanntlich werden dort zum 1. Juli die vorhandenen 25 Belegbetten abgebaut und die stationäre Versorgung damit beendet. Was bleibt, ist die internistische Praxis Leucht sowie die kardiologische Filiale des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ). Neu hinzu kommen wird eine Filiale des MVZ Chirurgie und des MVZ Gynäkologie. Bis wann die MVZ ihre Sprechstunden anbieten können, ist noch offen, antwortete Klinik-Vorstand Wilfried Neubauer auf eine Frage von Thomas Wagenhäuser (Junge Liste). Zum 1. Juli werde dies auf jeden Fall noch nicht möglich sein, wahrscheinlich aber im Lauf des zweiten Halbjahres.

Man suche derzeit noch nach zwei zusätzlichen Ärzten. Im Hofheimer Krankenhaus stünden demnächst einige Umbauten an, unter anderem der Ausbau des Röntgengeräts.

Belegzahlen im Aufwind

Die Zahl der Hofheimer Krankenbetten werden nicht 1:1 nach Haßfurt übertragen, erklärte Kolck auf Frage von Stephan Schneider (SPD): Er rechne damit, dass es aufgrund von Vorgaben 20 (statt 25) Betten sein werden. Diese würden dort nach aktuellem Stand der Dinge auch dringend benötigt, denn in diesem Jahr seien die Belegzahlen im Haßfurter Krankenhaus gestiegen, während die Zahlen in Hofheim – seit die dortige Schließung der Belegstation bekannt wurde – gesunken ist, auf durchschnittlich nur noch zehn belegte Betten. Auch für das Eberner Krankenhaus wiesen die Belegzahlen aktuell nach oben, berichtete Kolck.

Wolfgang Brühl (SPD) regte dazu an, die Personalsituation im Bereich der Akutgeriatrie in Haßfurt möglichst schnell auf sichere Beine zu stellen. Laut Kolck arbeite die Krankenhaus-Leitung daran; im Juli werde ein Arzt zur Probe arbeiten, der künftig in der Akutgeriatrie eingesetzt werden könnte. Kolck möchte auch eine Anregung von Jürgen Hennemann (SPD) aufgreifen und beim Gesundheitsministerium die Möglichkeit prüfen lassen, an den Haßberg-Kliniken ein Modellprojekt für die medizinische Betreuung älterer Menschen anzusiedeln, mit dem Ziel, dies als dauerhafte Einrichtung zu führen.

Weiter versprach Kolck dem Kreistagsmitglied Paul Hümmer (SPD) die Einrichtung eines MVZ zu prüfen, das Kinder-, Frauenheilkunde und Gynäkologie bündelt. Laut Hümmer würde ein solches MVZ in Dillingen an der Donau erfolgreich geführt – ohnehin vorhandene Kontakte dorthin möchte Kolck jetzt nutzen und sich erkundigen. Er äußerte aber zugleich mögliche haftungsrechtliche Bedenken an, denn ein Geburtshaus in einem MVZ biete Patienten weniger Haftungsschutz als eine Geburtsstation in einem Krankenhaus.

Qualität überwachen

Ein dauerhaftes Qualitäts-Controlling habe man durchaus im Blick und werde das Qualitätsmanagement entsprechend stärken, meinte Kolck auf eine Frage von Holger Baunacher (Junge Liste). Doch mehr Personal erhöhe die Kosten.

Und gerade diese sollten durch die Sparpläne des Vorstands, die auf Analysen von Unternehmensberatern beruhen, deutlich gesenkt werden: Mit Sparmaßnahmen liegt das errechneten Defizit im Jahr 2021 bei 1,89 Millionen Euro. Wenn alles so bleibt wie bisher, dann drohe ein Defizit von 5,22 Millionen Euro.

Um das jährliche Minus zu reduzieren sieht das Konzept des Vorstands laut Kolck neben dem Abzug der Belegbetten aus Hofheim und der Schließung der Geburtsstation in Haßfurt Ende 2018 auch Einschränkungen für das Haus Ebern vor, wo es künftig noch die Chirurgie sowie die Innere Abteilung geben wird.

Doch laut Kolck geht es beim Kostensparen nicht nur ums Streichen: Die Personalstärke soll zwar sinken, allerdings ohne Kündigungen, sondern durch allein dadurch, dass Mitarbeiter in den Ruhestand gehen und Stellen nicht wieder besetzt werden. Zudem sollen die Produktivität gesteigert und Sachkosten gesenkt werden, etwa durch günstigeren Einkauf in einem Verbund.

Ein gesondertes Augenmerk wird auf ein gesondertes Konzept für das Haus Ebern gelegt. Dort wird es nur noch planbare Operationen geben, also keine Notfallchirurgie mehr, die auch nachts und am Wochenende einsatzbereit sein muss. Die Innere Medizin wird als allgemeine internistische Abteilung geführt, ohne Spezialisierung, jedoch mit Belegbetten. Das Pflegekonzept soll sich an einer aktivierender Pflege ausrichten und speziell die Anforderungen von Demenzerkrankten berücksichtigen.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Haßberge und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Haßfurt
Hofheim
Ebern
Michael Mößlein
Frauenheilkunde
Holger Baunacher
Internisten
Jürgen Hennemann
Paul Hümmer
SPD
Sparmaßnahmen
Stephan Schneider
Thomas Wagenhäuser
Wolfgang Brühl
Ärztemangel
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!