Bamberg

Netzwerk für Menschen in Not in Bamberg

Vor dem Caritas-Beratungshaus: von links Klaus Will, Martina Nowak und Stephanie Roth.
Vor dem Caritas-Beratungshaus: von links Klaus Will, Martina Nowak und Stephanie Roth. Foto: Marion Krüger-Hundrup

Die derzeitige Baustelle vor dem Caritas-Beratungshaus in der Geyerswörthstraße in Bamberg steht als Symbol für viele Lebenssituationen: Vertrautes bricht weg, Unerwartetes macht Angst, die Krise zieht den Boden unter den Füßen weg. Und wer es aus eigener Kraft nicht mehr schafft, an Land zu kommen, findet im Caritas-Beratungshaus Perspektiven für einen Neuanfang. Denn darin arbeiten Menschen, die mit Sachkenntnis, Empathie und Verschwiegenheit Wege aus der Not aufzeigen.

Es sind Martina Nowak, Leiterin der Katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen, Stephanie Roth, Leiterin der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern, sowie Klaus Will, Leiter der Allgemeinen Sozialen Beratung.

Die Pandemie mit all ihren Beschränkungen und Auswirkungen auf Familien oder wirtschaftliche Gegebenheiten "haben die Verhältnisse verschlechtert und werden sie weiter verschlechtern, das werden wir zu spüren bekommen", wissen die drei Fachkräfte. Wer zu ihnen kommt, ist in seiner Existenz bedroht. Oder Konflikte, die schon vor Corona schwelten, brechen jetzt erst richtig hervor. "Es ist unser Kerngeschäft, Lösungen zu finden, Hilfen zur Selbsthilfe zu geben", sagt Sozialpädagoge Klaus Will und fügt hinzu: "Wir sind keine Beratungsmaschinen, sondern versuchen, unserem Gegenüber Orientierung zu vermitteln." Und dabei die Balance zwischen gebotener Distanz und Mitgefühl zu halten.

Ratsuchende mit einem Rucksack an Problemen

Die Beratungssuchenden packen einen prall gefüllten Rucksack an Problemen aus, die sie allein nicht mehr bewältigen. Da ist die alleinstehende Frau, die mit ihrer ungeplanten Schwangerschaft nicht klar kommt. Da sind die Eltern, die das aggressive Trotzverhalten ihres Kindes überfordert. Da ist das Ehepaar, das die Scheidung will, worüber das gemeinsame Kind verzweifelt ist. Da ist der Inhaber eines kleinen Geschäftes, das schon vor Corona in Schieflage geraten war, so dass sich jetzt die Schulden nur so häufen. Da ist die völlig erschöpfte Mutter, die zur Erholung eine Kur braucht und nicht weiß, wie das Bewilligungsverfahren läuft.

"Es wird niemand weggeschickt, wir hören zu, wir begleiten kostenlos, unabhängig von Herkunft, Religion, Familienstand", macht Sozialpädagogin Martina Nowak klar. Die Klienten sind ein Spiegelbild der Bamberger Gesellschaft – ohne und mit Migrationshintergrund, Ungelernte wie Akademiker. Manchen kann schon in einem Beratungstermin geholfen werden, andere müssen über einen längeren Zeitraum unterstützt werden. Dabei geht es auch darum, zu motivieren, die Krise offensiv anzugehen: "Wir reparieren keine Kinder. Veränderungen bereits bei den Eltern, in der Familie sind nötig", erklärt etwa Diplom-Psychologin Stephanie Roth für ihren Fachbereich.

Vernetzung der Beratungsstellen

Die Intention, Veränderungen als Chance für eine Verbesserung der Lage aufzuzeigen, eint die Tätigkeit der drei Berater. Darüber hinaus knüpfen sie die notwendigen Kontakte zu Behörden, füllen Anträge für Sozialleistungen aus und informieren über weitere Hilfsangebote in Notsituationen. Oft braucht ein Klient dafür nur ins nächste Stockwerk des Caritas-Beratungshauses zu gehen: "Das Schöne bei uns ist die Vernetzung der verschiedenen Beratungsstellen, wir sind ein interdisziplinäres Team", freut sich Stephanie Roth über die fachübergreifende Zusammenarbeit. Im Haus in Trägerschaft des Caritasverbandes für die Stadt Bamberg und den Landkreis Forchheim sind auch Beratungsstellen für Schuldner oder Flüchtlinge angesiedelt.

"Wir stehen in der Tradition der christlichen Urgemeinden, für die der Bruderdienst ein wichtiges Element des Glaubenslebens war", beleuchtet Klaus Will den diakonischen Auftrag der Caritas, für die Armen und Schwachen da zu sein. Das bedeute auch, "die Finger in die Wunden zu legen", fügt er hinzu. Beispielsweise darauf aufmerksam zu machen, dass es in Bamberg an bezahlbarem Wohnraum für Familien und an Kinderbetreuungsplätzen fehlt. Dass das Home-Schooling in Corona-Zeiten Kinder aus sozial schwächeren Familien "abhängt, stigmatisiert und diskriminiert, weil sie gar nicht die technische Ausstattung haben".

Ständig konfrontiert mit menschlichen Schicksalen ist es für die Berater der schönste Lohn, wenn sich Klienten wieder fangen. Wenn sie die Rückmeldung bekommen: "Danke für die Hilfe!" Diese wird in akuten Notsituationen in von zwei Tagen oder früher ermöglicht. Die normale Wartezeit auf einen Beratungstermin liegt bei etwa zwei Wochen.

Kontakt

Das Caritas-Beratungshaus befindet sich in der Geyerswörthstraße 2, 96047 Bamberg. Die Beratungsstellen sind unter folgenden Telefonnummern erreichbar:    • Allgemeine soziale Beratung: (0951) 2995720    •  Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern: (0951) 2995730     • Kath. Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen: (0951) 2995750
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