Haßfurt

Ostern in Corona-Zeiten: So feiern Kirchengemeinden im Landkreis Haßberge

Präsenzgottesdienst? Online-Angebot? Oder eine Mischung aus beidem? In diesem Jahr haben Pfarrgemeinden die Wahl, wie sie mit der besonderen Situation umgehen wollen.
Ein Steinaltar stellt in der Ritterkapelle in Haßfurt die Auferstehung Jesu dar. Dieses Ereignis wird an Ostern, dem wichtigsten Fest des Christentums, gefeiert - in diesem Jahr sowohl in Präsenzgottesdiensten als auch per Live-Stream.
Foto: René Ruprecht | Ein Steinaltar stellt in der Ritterkapelle in Haßfurt die Auferstehung Jesu dar. Dieses Ereignis wird an Ostern, dem wichtigsten Fest des Christentums, gefeiert - in diesem Jahr sowohl in Präsenzgottesdiensten als ...

Für Christen ist Ostern das höchste religiöse Fest. So sorgte es bei vielen Gläubigen bereits im Jahr 2020 für viel Verdruss, dass ausgerechnet kurz vor dem Fest der Auferstehung Jesu die erste Corona-Welle in Deutschland für massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens sorgte. Damals allerdings waren viele Menschen in Deutschland noch überzeugt, dass die Krise nach wenigen Monaten überwunden sein würde. "Ich hätte auch nie gedacht, dass wir dieses Jahr noch einmal vor der Frage stehen würden", sagt Sabine Zimmer, Vorsitzende des Zeiler Pfarrgemeinderats, über die Entscheidung, ob es an Ostern 2021 Präsenzgottesdienste geben soll.

Eine Steigerung im Vergleich zu 2020

Stephan Eschenbacher, Pfarrer der Pfarrei St. Kilian, Haßfurt.
Foto: Ulrike Langer | Stephan Eschenbacher, Pfarrer der Pfarrei St. Kilian, Haßfurt.

Immerhin: Diesmal haben die Kirchen selbst die Entscheidung. Und darüber ist auch bei vielen Pfarrern die Freude groß. "Ich bin froh, es ist ja eine Steigerung im Vergleich zum letzten Jahr", sagt Stephan Eschenbacher, Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Kilian in Haßfurt. "Dieses Jahr kann wenigstens ein geringer Teil der Leute dabei sein" – auch wenn man dabei "natürlich nur einen Teil von dem machen kann, was einen Gottesdienst schön macht".

Und nicht nur Gottesdienstelemente wie Friedensgruß, Mundkommunion oder gemeinsamer Gesang müssen wegfallen. Auch eine ökumenische Prozession und ein gemeinsames Osterfrühstück mit den evangelischen Christen kann es in diesem Jahr nicht geben. Trotz dieser Einschränkungen bleibt die Freude darüber, dass überhaupt etwas möglich ist. Immerhin war auch für dieses Jahr zeitweise im Gespräch, dass Gottesdienste nur online stattfinden können. "Ich bin froh, dass das vom Tisch ist", meint Eschenbacher. "Es ist wichtig, dass es Präsenzgottesdienste gibt. Das hat auch was mit der Psychohygiene zu tun."

Genug Platz für Einhaltung der Abstandsregeln

Zudem sei es in großen Räumen wie den Kirchen gut möglich, Abstandsregeln einzuhalten. Und auch darüber hinaus gibt es Maßnahmen, die dafür sorgen sollen, Ansteckungen beim Gottesdienstbesuch zu verhindern: In der Kirche gilt eine FFP2-Maskenpflicht, der Raum wird nicht geheizt und Ordner zeigen den Besuchern ihre Plätze. Außerdem werden die Gottesdienstbesucher um eine vorherige Anmeldung gebeten. "Es kann passieren, dass Leute abgewiesen werden", betont der Pfarrer, was geschehen kann, wenn am Tag des Gottesdienstes unangemeldete Personen auftauchen.

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In einem Fall haben die Corona-Regeln auch Einfluss auf die Uhrzeit, zu der ein Gottesdienst stattfindet: Die Osternacht wird in diesem Jahr erst um 6 Uhr morgens gefeiert – später als üblich, um nicht mehr in die nächtliche Ausgangssperre zu fallen. Pfarrer Eschenbacher möchte sich nicht in die Reihe der lautstarken Kritiker der Beschränkungen einreihen: "Grundsätzlich verlasse ich mich darauf, dass die Maßnahmen notwendig sind." Und auch für diejenigen, denen es trotz all dieser Sicherheitsmaßnahmen noch immer zu gefährlich ist, in die Kirche zu kommen, ist gesorgt: An Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag gibt es Gottesdienste, die per Live-Stream übertragen werden.

Präsenzgottesdienste und Videos mit Kirchenliedern

Peter Hohlweg, Pfarrer der evangelischen Kirche Königsberg.
Foto: Sabine Meißner | Peter Hohlweg, Pfarrer der evangelischen Kirche Königsberg.

Peter Hohlweg, evangelischer Pfarrer von Königsberg, sagt, für eine solche Live-Stream-Übertragung würden ihm die Möglichkeiten fehlen. Ganze Gottesdienste gibt es bei ihm daher nur in Präsenz, allerdings gibt es zumindest ein kleines Digitalangebot für diejenigen, die nicht kommen können oder wollen. Darin werden Kirchenlieder aus der Feder von Paul Gerhardt gesungen, dazu gibt es Erklärungen von Kantor Matthias Göttemann. Die Videos werden zu den Feiertagen freigeschaltet.

"Ich bin dankbar, dass Ostern diesmal mit Präsenz stattfinden kann." Besonders wichtig sei das Gefühl der Gemeinschaft. "Das kann ein digitales Angebot gar nicht ersetzen." So habe er sich auch sehr darüber geärgert, als Politiker in Frage stellten, ob es in diesem Jahr wirklich Präsenzgottesdienste geben solle. Zwar habe er Verständnis dafür, dass man mit der Pandemie vorsichtig und verantwortlich umgehen solle. "Aber was möglich ist, sollte man doch möglich lassen."

So viel Normalität wie möglich

Auch er schätzt das Ansteckungsrisiko in katholischen und evangelischen Kirchen als sehr gering ein, wenn sich die Besucher an Abstandsregeln und Maskenpflicht halten. "Bei den Freikirchen ist das anders, aber wir haben doch große Kirchen und große Räume." So will der Pfarrer für "so viel Normalität wie möglich" sorgen – immerhin gehe es bei Ostern ja um eine Hoffnungsbotschaft.

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Wo es möglich ist, sollen daher Gottesdienste stattfinden, sowohl in der Stadt selbst als auch in den umliegenden Dörfern. Eine Anmeldung ist dabei nicht nötig. "Ich gehe davon aus, dass die Leute so verunsichert sind, dass eine Anmeldung nicht nötig ist." Sprich: Aus Sorge vor einer Ansteckung werden ohnehin so viele Leute zu Hause bleiben, dass jeder, der in die Kirche kommt, auch einen Platz finden wird. Eine Besonderheit verspricht der Gottesdienst am Ostermontag in Dörflis zu werden: Er findet draußen vor der Kirche statt und ist dort der letzte vor der geplanten Kirchenrenovierung.

Die Osterfreude darf nicht verloren gehen

Manuel Vetter, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Hofheim.
Foto: Brigitte Schubart | Manuel Vetter, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Hofheim.

"Ich finde die Regeln schon nachvollziehbar", sagt Manuel Vetter, katholischer Pfarrer von Hofheim. "Aber es ist schwierig, dass dabei die Osterfreude noch durchkommt. Wir müssen uns halt was einfallen lassen." Auch in Hofheim und den umliegenden Orten gibt es Präsenzgottesdienste, von denen an Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag jeweils einer per Livestream übertragen wird. Das Videoteam wurde neu gegründet, "dass Leute von daheim aus mitfeiern können".

Ob eine Anmeldung zu den Präsenzgottesdiensten nötig ist, sei von Ortschaft zu Ortschaft verschieden. In Hofheim selbst gibt es Anmeldungen, "aber es gibt auch Orte, die sind klein und haben eine große Kirche. Da ist das nicht nötig."

Keine Präsenz – die Gemeinde kann virtuell mitfeiern

Michael Erhart, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Zeil-Sand.
Foto: Brigitte Hamm | Michael Erhart, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Zeil-Sand.

Doch es gibt auch Pfarrgemeinden, die sich in diesem Jahr gegen Präsenzgottesdienste entschieden haben. "Die Kommunionkinder werden da sein. Die Gemeinde ist eingeladen, virtuell mitzufeiern", sagt Michael Erhart, katholischer Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft "Am Weinstock Jesu", die Sand, Zeil und die dazugehörigen Ortsteile umfasst. Live-Streams gibt es dort am Gründonnerstag, Karfreitag, in der Osternacht sowie am Ostermontag. Ein Besuch der Kirchen ist außerhalb der Gottesdienstzeiten möglich. "Impulse liegen aus, die Kreuzverehrung geht auch. Es muss halt alles individuell geschehen."

Die Zeiler Pfarrgemeinderatsvorsitzende Sabine Zimmer steht hinter dieser Lösung, bei der auf große Präsenzgottesdienste für die ganze Gemeinde verzichtet wird. "Ich kenne viele, die das in Ordnung finden. Auch wenn's natürlich anders wesentlich schöner wäre."

Der Verzicht sendet ein gutes Zeichen

Die Entscheidung sei auch durch die politische Diskussion entstanden, ob Präsenzgottesdienste zu Ostern in diesem Jahr ganz verboten werden sollten. In dieser Phase hatten die Verantwortlichen aus Zeil und Sand bereits entschieden, auf ein komplettes Online-Angebot umzustellen. Als dann klar war, dass es doch Präsenzgottesdienste geben darf, sei man dann trotzdem dabei geblieben, diese nicht anzubieten.

"Wenn man sich trifft, bleibt man ja vielleicht doch mal stehen und unterhält sich", begründet Sabine Zimmer, warum auch eine Präsenzveranstaltung mit gutem Hygienekonzept Risiken mit sich bringen könne. Außerdem sende das ein gutes Zeichen: "Es gibt ja auch andere, die vieles nicht dürfen." Und so zeigt sie sich überzeugt: "Ich glaube, es ist trotzdem ein gutes Angebot, das wir haben."

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