Bamberg

Priester mit Leib und Seele

Modestus Adimekwe stammt aus Nigeria.
Foto: Marion Krüger-Hundrup | Modestus Adimekwe stammt aus Nigeria.

Er ist Priester mit Leib und Seele. Zelebriert die Gottesdienste in den Bamberger Kirchen St. Martin und St. Josef-Hain mit Herz und brillanten Predigten. Diese wohlfeilen 10, 15 Minuten leitet Modestus Adimekwe stets mit den Worten ein „Geliebte Schwestern und Brüder“. Und am Ende der Messfeier fehlt nie sein namentlicher Dank an alle, die haupt- und ehrenamtlich mitgewirkt haben.

„Reverend“, also Hochwürden, wird der 50-Jährige in seiner westafrikanischen Heimat Nigeria respektvoll genannt. Hier in Bamberg trägt Modestus Adimekwe außer der Bezeichnung „zur seelsorglichen Mithilfe“ keinen Titel. Jedenfalls noch nicht. Denn er absolviert an der Universität Würzburg ein Promotionsstudium, schreibt im Fachbereich Praktische Theologie und Religionspädagogik seine Doktorarbeit über ein Thema zu den Menschenrechten. „Vier von sieben Kapiteln habe ich schon fertig“, erzählt er munter nach einer bis acht Uhr früh durchgearbeiteten Nacht.

Dabei ist es nicht der Ehrgeiz nach einer Dissertation mit Auszeichnung, die ihn treibt, sondern der Gehorsam seinem Bischof der Diözese Okigwe im Südosten Nigerias gegenüber: „Er hat mich zur Promotion nach Deutschland geschickt. Und ich definiere Gehorsam nicht als das, was ich will, sondern was mein Bischof will“, betont er nachdrücklich. Natürlich habe er einen Traum, was seinen weiteren Lebensweg angehe, so Modestus Adimekwe. So könne er sich vorstellen, nach seiner Rückkehr in Nigeria als Uni-Dozent zu wirken. Doch das entscheide nicht er, betont er nachdrücklich. Zumal „die priesterliche Aufgabe für mich immer die erste ist“.

Aufgewachsen mit sechs Geschwistern – beide Eltern waren Lehrer – reifte in Modestus schon früh der Wunsch, Priester zu werden. Er studierte Theologie und Philosophie, erhielt 1997 die Priesterweihe. Jahre als Kaplan und Pfarrer folgten, ehe er für einige Jahre Spiritual in einem regionalen Priesterseminar im Tschad wurde. 2008 kehrte er nach Nigeria zurück, um Direktor eines kirchlichen Gymnasiums und zugleich Dekan des Dekanates Onimo zu werden.

Und dann kam der bischöfliche Auftrag, nach Deutschland zu gehen: „Ich hatte vorher noch nie von Bamberg gehört!“ blickt er auf die unerwartete Chance zurück, mit Hilfe eines Stipendiums des Erzbistums Bamberg einreisen zu können – „ohne ein einziges Wort Deutsch zu kennen“, lacht er über die Anfangsschwierigkeiten in der neuen Umgebung.

Inzwischen spricht Modestus Adimekwe fließend Deutsch, hat fast nebenbei noch an der Bamberger Uni Soziologie studiert und mit einem Master abgeschlossen, sich an die winterliche Kälte in diesen Breitengraden gewöhnt. Auch der zunächst für ihn so ungewohnte Speisezettel ist vollends akzeptiert: „Ich liebe Schäuferla und Rouladen“, streicht er sich über sein Bäuchlein.

Nein, Heimweh nach Nigeria plagt ihn höchst selten. Dafür sind die Sorgen da. Sorgen um seine Mutter, vier Brüder, zwei Schwestern mit ihren Familien, die zum Teil im Norden Nigerias leben. Dort also, wo die islamistische Terrormiliz Boko Haram Anschläge verübt, Menschen mordet, entführt und versklavt. Niemand wird Boko Haram aufhalten“, befürchtet Modestus Adimekwe die totbringende Krake auch im Süden des Landes. Der nigerianische Staat scheine denn Islamisten gegenüber hilflos. Oder unterstütze diese durch Geld und Verrat: „Die Regierung weiß nicht, was sie tut“, bleibt Modestus diplomatisch. Da sei die Kirche „ein letzter Strohhalm für die Bevölkerung“, die den Ärmsten der Armen hilfreich zur Seite stehe.

„Ich lege großen Wert auf Solidarität“, sagt der Nigerianer im fränkischen Bamberg, der sich über den „Afrikatag 2021“ freut. Er sei froh, dass „die Leute in diesen schwierigen Zeiten an andere denken“, fügt Modestus hinzu.

Für seinen Bamberger Oberhirten, Erzbischof Ludwig Schick, gehört zur Solidarität noch mehr als Spenden und Kollekten, auch wenn diese in Afrika Projekte in Bildung, im Gesundheitswesen sowie in der Friedensarbeit fördern. „Das Gebet für die verfolgten und bedrängten Christen in Afrika, das auch die Bedrängten und Verfolgten anderer Religionen und Weltanschauungen einschließt“, sei wichtig und ein Beitrag zum Religionsfrieden in Afrika, sagt Schick, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist. „Alle Staaten müssen die Religionsfreiheit nicht nur in die Verfassungen schreiben, sondern sie mit allen Möglichkeiten propagieren und einführen, die Toleranz und gegenseitige Akzeptanz einfordert“, sagt Erzbischof Schick.

Apropos Akzeptanz: „Ich habe Glück, ich erlebe in Bamberg keinen Rassismus, keine Vorurteile“, erklärt Modestus Adimweke. Er weiß jedoch nur zu gut, dass es diese gibt in diesem Lande: „Ich höre darüber, erlebe es aber nicht…“.

Der Afrikatag wurde 1891 von Papst Leo XIII. eingeführt und ist die älteste gesamtkirchliche Kollekte der Welt. Sie wurde ins Leben gerufen, um Spenden für den Kampf gegen die Sklaverei zu sammeln. Heute steht die Kollekte für Hilfe zur Selbsthilfe. Der Afrikatag wird traditionell rund um den 6. Januar gefeiert, da der Besuch der Sterndeuter im Stall von Betlehem mit dem afrikanischen Kontinent in Verbindung gebracht wird. Das Internationale Katholische Missionswerk missio München gewährleistet mit ihren Projektpartnern den gezielten Einsatz der Spendengelder. Im Fokus des diesjährigen Afrikatages stand Nigeria, und dort die Arbeit einheimischer Ordensfrauen.

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