Hofheim

Ragtimes, Blues und Klangwelten

Harmonieren gut: Trotz unterschiedlicher Stile lief das Zusammenspiel der beiden Sologitarristen Lorenz Schmidt (links) und Stanislav Barek gut.
Foto: Gudrun Klopf | Harmonieren gut: Trotz unterschiedlicher Stile lief das Zusammenspiel der beiden Sologitarristen Lorenz Schmidt (links) und Stanislav Barek gut.

„Sehr unterschiedliche Musik“ kündigte Pfarrer Sieghard Sapper dem Konzertpublikum in der Hofheimer Christuskirche an. Tatsächlich hätten die dargebotenen Gitarrenstücke kontrastreicher nicht sein können.

Seit etwa drei Jahren tritt Stanislav Barek als Sologitarrist auf. Zuvor war der Gründer und Direktor des internationalen Gitarrenfestivals „Guitar Across Styles“ in Prag stets in Gitarren-Duos unterwegs. Mit Ragtimes, Blues und eigenen Solostücken unterhielt der Tscheche die Zuhörer. Mit „Sister Kate“ startete Barek sein flottes Fingerpicking. In seinem Arrangement des Beatles-Songs „With a little help for my friends“ übernahm er mit seiner Gitarre die Parts von Bassgitarre, Melodie und Schlagzeug. Ausdrucksvoll kamen seine eigenen Kompositionen „Sunrise“, „Morningwalk“ und „Sunset“ daher. Förmlich dampfen und rattern hörte man die letzte Dampflokomotive, der ein eigenes Stück gewidmet war.

Dass die beiden langjährigen Künstlerkollegen gut miteinander harmonieren, bewiesen sie beim gemeinsamen Blues und einem tschechischen Volkslied, beide mit Gesang von Stanislav Barek.

Während die Zuhörer bei Bareks Vortrag locker mitwippen konnten, forderten die Darbietungen von Lorenz Schmidt volle Konzentration. Viele Werke des Schweinfurter Komponisten liegen Gedichte zugrunde, deren Worte er musikalischen Ausdruck verleiht. Wie den beiden kurzen Texten „Windspiel“ und „Annäherung“ von Andrea Rauch. Schmidt experimentiert hier mit neuen, ungewöhnlichen Spieltechniken, erzeugt zauberhafte Klangmalereien.

Eingängig sind sie nicht, die von Lorenz Schmidt fantasievoll gestalteten Werke. Doch lässt man sich auf die ungewohnten Klangwelten ein, fesseln die Töne und rufen vielfältige Bilder hervor. Wie das Stück „Sandspuren“, das in südliche Landschaften entführt. Oder „Le petit Chemin de fer“ – Die kleine Eisenbahn – bei dem der ehemalige Bummelzug zwischen Hofheim und Haßfurt zu neuem Leben erweckt scheint. Zart und filigran erklingen die fünf Stücke nach Gedichten von Nortrud Boge-Erli, die Schmidt für seine Frau Kornelia vertont hat. Eine in jeder Hinsicht anspruchsvolle Musik: Spieltechnisch für den Künstler und zum Anhören für das Publikum.

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