Haßfurt

Reifendieb in Schloss Ebelsbach

Im weitläufigen Bereich des vor einigen Jahren abgebrannten Ebelsbacher Schlosses treffen sich regelmäßig diverse Cliquen von Jugendlichen. Dieser quasi „vogelfreie Raum“, wie ihn Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich treffend beschrieb, ist als unkonventioneller Abenteuerspielplatz und ländliche Partymeile mittlerweile sehr beliebt. Strafrechtlich gilt dieses bunte Treiben als Hausfriedensbruch. Weil er in diesem Areal zwei Autoreifen klaute, verurteilte nun das Jugendgericht einen 19-Jährigen zu einer Geldbuße von 750 Euro.

Laut Anklageschrift, die Staatsanwältin Anne Breith verlas, konnte der Tatzeitpunkt nicht genau ermittelt werden. Man weiß nur soviel, dass es im Februar oder März dieses Jahres geschah. Irgendwann in dieser Zeit fiel dem Teenager, der selber einen BMW fährt, auf, dass in einem Schuppen ein anderer BMW abgestellt war. Und da kam er auf die Idee, dass er eigentlich zwei Autoreifen ganz gut brauchen könnte. Gelegenheit macht Diebe, könnte man dazu sagen.

Mit Werkzeug, das er vor Ort gefunden haben will, montierte er die Reifen runter und wuchtete sie in den Kofferraum seines Fahrzeuges. Dabei, erläuterte Jugendrichter Martin Kober die näheren Tatumstände, waren die abmontierten Reifen schon ziemlich abgefahren. „Was haben Sie sich bloß dabei gedacht? – Das war doch völliger Quatsch!“, so der Gerichtsvorsitzende zu dem Angeklagten.

Noch unverständlicher wird die Tat, wenn man weiß, dass der gelernte Kfz-Mechatroniker als Maschinenbediener in der heimischen Industrie arbeitet und monatlich unterm Strich rund eintausend Euro raus kriegt. Ein paar gute Reifen hätte sich der Bursche also ohne weiteres leisten können. Zudem hat er bereits vier Einträge in seinem Bundeszentralregister. Alles kleinkriminelle Sachen wie Nötigung oder Hausfriedensbruch, aber „Kleinvieh macht auch Mist“, meinte Kober. Gerade die Staatsanwaltschaft schaut mit Argusaugen auf bestehende Vorstrafen, die sich in aller Regel strafverschärfend auswirken.

Der Jugendgerichtshelfer beleuchtete die Entwicklung des Heranwachsenden und äußerte die Hoffnung, dass der junge Industriearbeiter inzwischen erwachsener und reifer geworden sei. Er habe einen unbefristeten Job und wolle mit seiner festen Freundin, mit der er sich verlobt habe, bald in eine gemeinsame Wohnung ziehen, informierte der Pädagoge. Seine Anregung, das mildere Jugendstrafrecht anzuwenden, wurde von Seiten der Staatsanwaltschaft ohne Zögern aufgegriffen.

In ihrem Plädoyer beantragte die Staatsanwältin für den Diebstahl in Tateinheit mit Hausfriedensbruch die oben schon genannten 750 Euro Geldbuße. Den Betrag muss der Verurteilte bis 15. Januar 2016 an den Jugendhilfefonds Haßberge überweisen. Da er sich mit dem Richterspruch vollauf zufrieden zeigte, wurde das Urteil im Namen des Volkes unverzüglich rechtskräftig.

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