Knetzgau

So vielseitig wie ein mobiles Mehrgenerationenhaus

Das "Bündnis für Familien und Senioren" in Knetzgau bietet jährlich über 400 kostenlose Veranstaltungen für die Bürger der Gemeinde , die das Ende von Corona herbeisehnen.
Auch Leseabende gehören zum Angebot des 'Bündnis für Senioren und Familien' in Knetzgau. Hier inspizieren gerade Schüler aus der 3. und 4. Klasse den neuesten Band von „Gregs Tagebücher'.
Auch Leseabende gehören zum Angebot des "Bündnis für Senioren und Familien" in Knetzgau. Hier inspizieren gerade Schüler aus der 3. und 4. Klasse den neuesten Band von „Gregs Tagebücher". Foto: Thomas Zettelmeier

Thomas Zettelmeier ist stolz, wenn er vom "Bündnis für Familien und Senioren" in der Gemeinde Knetzgau spricht. "Das ist wie ein mobiles Mehrgenerationenhaus", schwärmt der Mitarbeiter der Gemeinde, der das Projekt unter seinen Fittichen hat. Nächstes Jahr kann das Bündnis sein zehnjähriges Jubiläum feiern. Das "Bündnis für Familien und Senioren" ist der Bürgerdienst der Gemeinde Knetzgau. Entstanden ist das Projekt aus der Initiative „Lokale Bündnisse für Familien“ des Bundesfamilienministeriums. Bei dieser Initiative kooperieren Privatpersonen, Institutionen, Initiativen, Unternehmen, Verwaltungen, um bessere Rahmenbedingungen für Familien zu schaffen. Hauptthemen sind dabei zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Vereinbarkeit von Familie und Pflege.

Die Gemeinde Knetzgau hat eine Broschüre mit dem Titel „Bündnis für und Familien und Senioren“ herausgegeben.
Die Gemeinde Knetzgau hat eine Broschüre mit dem Titel „Bündnis für und Familien und Senioren“ herausgegeben. Foto: Christiane Reuther

Unterstützung durch die Gemeinde - finanziell und personell

Dabei haben die Knetzgauer von Beginn an die Bedürfnisse und Unterstützungsangebote für Familien und Senioren auf gleiche Ebene gestellt. So entstand der Name  des Bündnisses. Da die Gründung von der Gemeinde Knetzgau initiiert war, leistet diese auch weitreichende Unterstützung - sowohl finanziell als auch personell. Dass das alles reibungslos klappt, dafür sorgt Thomas Zettelmeier.

Im Bündnis untergeschlüpft

An ihn kann man sich wenden, wenn man etwas benötigt, egal ob Sachleistung oder Hilfestellung. Dagmar Schnös ist Gründungsmitglied beim Bündnis und auch beim Freundeskreis Asyl. Sie kann das bestätigen. "Wenn zum Beispiel jemand Fahrräder übrig hat, meldet der das beim Thomas Zettelmeier, und der fragt bei uns an, ob einer der von uns Betreuten eines brauchen kann." Man habe damals, als  viele Flüchtlinge ins Gemeindegebiet kamen, überlegt, einen eigene Verein zu gründen. Das hätte jedoch einen gewaltigen Teil der Energie für Pflichtaufgaben und Formalitäten verschlungen. "So sind wir im Bündnis untergeschlüpft", sagt Dagmar Schnös. "Das ist genau die Struktur, die wir brauchen, und wir können auch unsere Energie dort einsetzen, wo wir sie benötigen." Nämlich in Form von ehrenamtlichen Deutschkursen, Hilfen im Alltag und gemeinsamen Projekten. Damit können Vorurteile abgebaut und die Integration verbessert werden.

"Die rufen jede Woche an und fragen, ob der Bus nicht bald wieder fährt.
Dieter Oster, Bürgerbus-Fahrer

Jeden Donnerstag fährt normalerweise der 74-jährige Dieter Oster mit dem Bürgerbus durch alle Ortsteile von Knetzgau und sammelt Mitbürger ein, die nicht mehr mobil sind. Damit wird diesen Menschen die unkomplizierte Fahrt zum Arzt, zur Apotheke, zum Einkauf oder ins Rathaus ermöglicht. Dieter Oster fährt den Bus seit zehn Jahren ehrenamtlich. "Ungefähr 80 Leute hatten wir schon. Da mussten wir halt vier-, fünfmal fahren. Und dann wieder zurück." Sein Copilot Walter Persch ist sogar schon über 80. Und hilft trotzdem den Passagieren nach dem Einkauf, ihre Taschen ins Haus zu tragen - denn die sind oftmals noch älter, manchmal über 90. Und wenn Dieter Oster mal ausfallen sollte, "was fast nie passiert, denn die Aufgabe hält mich jung", dann steht Jürgen Kunzmann Gaspedal bei Fuß. Allerdings kann der Bus während der Coronakrise nicht fahren. "Aber die rufen jede Woche an und fragen schon, ob der Bus nicht bald wieder fährt."

"Wunderbar gelegen, barrierefrei, also mit Rollator, Rollstuhl und Kinderwagen gleichermaßen erreichbar."
Kristina Lilge, "Zur alten Tankstelle" Westheim

Auch Kristina Lilge sehnt das Ende von Corona herbei. Sie betreut den offenen Treff "Zur alten Tankstelle" in Westheim. Der ist "wunderbar gelegen, barrierefrei, also mit Rollator, Rollstuhl und Kinderwagen gleichermaßen erreichbar", sagt sie. Zweimal die Woche bietet sie ein Frühstücksbuffet an, nachmittags gibt's Kaffee und Kuchen; nicht nur für Westheimer und Knetzgauer. Auch Radwanderer und andere Gäste - jung und alt - sind willkommen. "Die Leute staunen immer, welche Gemütlichkeit unser Raum ausstrahlt." Für Mamas mit Kindern gibt es auch einen separaten Raum. Seit Eröffnung im Jahre 2013 haben bereits mehr als 22 000 Gäste den Treff besucht.

Mehr als 400 Angebote pro Jahr

Jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat findet im IT-Raum der Knetzgauer Dreiberg-Schule ein kostenloser Computerkurs statt. Durchschnittlich 20 Personen nehmen daran jedes Mal teil.
Jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat findet im IT-Raum der Knetzgauer Dreiberg-Schule ein kostenloser Computerkurs statt. Durchschnittlich 20 Personen nehmen daran jedes Mal teil. Foto: RR

Das ist aber nur eine kleine Auswahl aus dem reichhaltigen Angebot des "Bündnis für Familien und Senioren" in Knetzgau. Vom offenen Treff "Altes Rathaus" Knetzgau über das "Bürgercafé", "Sträkel-Kreis" (Stricken und Häkeln),"Männertreff", "Computerkurs", musikalische Nachmittage, Spieleabende, "Geschichte-Bündnis": jährlich gibt es mehr als 400 Angebote für die Knetzgauer Bürger vor Ort. Alle Angebote sind ehrenamtlich organisiert, durchgeführt und kostenlos. Die "Bezahlung" erfolgt auf Spendenbasis. So können auch finanziell nicht auf Rosen gebettete Familien daran teilhaben. Und gleichzeitig, so Thomas Zettelmeier, können Bürger ihre Gemeinde aktiv mitgestalten, ohne einer Partei angehören oder Politik machen zu müssen.

In den Genuss einer Fahrrad-Ausbildung kamen diese Asylbewerber, die in Sand und Knetzgau untergebracht sind. Die Integration der Flüchtlinge hat sich der Freundeskreis Asyl im 'Bündnis für Familien und Senioren' auf die Fahnen geschrieben. 
In den Genuss einer Fahrrad-Ausbildung kamen diese Asylbewerber, die in Sand und Knetzgau untergebracht sind. Die Integration der Flüchtlinge hat sich der Freundeskreis Asyl im "Bündnis für Familien und Senioren" auf die Fahnen geschrieben.  Foto: Christiane Reuther

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