Hofheim

Trockenheit beschäftigt Landwirte und Förster

Spuren der Trockenheit: Vielerorts in der Region steht der Raps nur sehr lückenhaft auf den Feldern. Die kleinen Pflänzchen haben's schwer.
Foto: Alois Wohlfahrt | Spuren der Trockenheit: Vielerorts in der Region steht der Raps nur sehr lückenhaft auf den Feldern. Die kleinen Pflänzchen haben's schwer.

Einhundertfünfzig bis 200 Liter pro Quadratmeter – so viel müsste es nach Schätzung von Udo Sahlender im ersten Quartal dieses Jahres mindestens regnen. Dann sollte der Regen nachlassen, damit Traktoren und Ackergeräte problemlos die Felder bewirtschaften können, ohne im Matsch zu versinken. „Wir Franken sind es ja gewohnt, den Regen nicht im Übermaß zu haben“, sagt der Landwirt aus Greßhausen. Doch die Trockenperiode, die seit dem Spätsommer 2016 anhält, strapaziert die Nerven.

Lediglich der November-Niederschlag, meint Sahlender, habe mit 40 bis 50 Litern Regen pro Quadratmeter ausgereicht, um dem im bis dahin trockenen Boden liegenden Rapssamen sowie dem Wald wenigstens über das Gröbste hinwegzuhelfen.

Wer auf die im Internet bereitgestellten Daten der Wetterstation Köslau schaut, könnte auf den ersten Blick meinen, der Jahresniederschlag 2016 sei „ganz normal“ gewesen: 671 Liter, das liegt nur 45 Liter unter dem langjährigen Mittelwert. Doch der Eindruck täuscht.

Seit Sommer wenig Regen

Denn während der Regen im Frühjahr und Frühsommer reichlich war, machten sich die Regenwolken ab Mitte des Sommers rar. Im August fielen 32 Liter (39 weniger als im Durchschnitt), im September 34 Liter (minus 26), im Oktober ebenfalls 34 Liter (minus 20) und im Dezember zwölf Liter (minus 54). Nur der November brachte mit 73 Litern ein Plus von 13 Litern im Vergleich zum Mittelwert.

Der Aidhäuser Landwirt Franz Josef Göller fürchtet, dass sich der Grundwasserspiegel angesichts fehlender Winterniederschläge nicht ausreichend regenerieren wird. Solange es „immer wieder mal regnet“, reiche dies zwar für die Feldfrüchte, um zu wachsen, doch nicht zum Auffüllen der Wasserspeicher. Ein Opfer der Trockenheit im Herbst hat Göller bereits ausgemacht: den Raps. Dem habe der warme September mit zu wenig Regen den Garaus gemacht, „der wird nicht mehr werden“.

Von Beständen auf den Feldern, die „deutlich schlechter dastehen“ als in den vergangenen Wintern, spricht Joachim Dömling vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt. Während in den zurückliegenden Jahren die im Herbst gesäten Pflanzen den Winter über „fast durchgewachsen sind“, weil es bis lange in den Winter hinein mild gewesen ist, hätte vergangenen Herbst eine frühe kühle Periode das Wachstum weitgehend gestoppt. Was der Pflanzenberater sich für die kommenden Wochen wünscht, ist Regen, damit das Wasser in Böden möglichst bis in den April hinein ausreicht, um die Pflanzen durchs Frühjahr zu bringen.

Im Forstbereich herrscht zweigeteilte Stimmung: Der Ende des Jahres einsetzende Frost, der auf Böden traf, die nicht von Schnee bedeckt, und ohnehin trocken waren, sorgte dafür, dass der Holzeinschlag und das folgende Rücken der Baumstämme problemlos verliefen. Schäden auf Wegen und Rückegassen waren minimal. Andererseits, so berichtet der Hofheimer Förster Bernhard Streck, verhinderte die Trockenheit im Herbst das Pflanzen von Baum-Schösslingen.

Er möchte Januar und Februar abwarten und dann entscheiden, ob die Böden feucht genug sind, damit er – wie geplant – 30 000 kleine Laubbäume im Wald pflanzt.

Ob die trockene zweite Jahreshälfte Schäden an den Bäumen nach sich zieht, kann Streck noch nicht abschätzen. Er erinnert an die reihenweise absterbenden Birken 2004, nach dem Jahrhundertsommer 2003. Dass vergangenes Jahr kein Baumsterben einsetzte, nachdem es 2015 so trocken war, dürfte an dem feuchten Frühjahr gelegen haben.

Ob dies in diesem Jahr erneut so glimpflich ausgeht, bleibt abzuwarten. Was Streck mit Skepsis verfolgt, ist die Eichenfraßgesellschaft. Diese mag es trocken und fühlt sich wohl. So erwartet der Förster ein Anwachsen der Schwammspinner-Population.

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