Gleisenau

Posaunenchor Gleisenau feiert 95-Jähriges

Bezirkschorleiter Jürgen Koch bei der Auszeichnung von Dirigent Herbert Hofmann sowie den aktiven Bläsern Dieter Eisenacher, Klaus Eisenacher und Werner Lehrieder (von links).
Bezirkschorleiter Jürgen Koch bei der Auszeichnung von Dirigent Herbert Hofmann sowie den aktiven Bläsern Dieter Eisenacher, Klaus Eisenacher und Werner Lehrieder (von links). Foto: Günther Geiling

"Dass Menschen beständig und treu sind, ist die Grundlage für die Beständigkeit unserer Gemeinden und auch eines kirchlichen Posaunenchores. Wer diese Instrumente, die laut jauchzen und loben, spielt, der tritt automatisch in die Öffentlichkeit mit seinem Glauben und lädt andere dazu ein, mitzumachen. So wirkt die Gemeinschaft sogar noch über den Chor hinaus in die Gemeinde." Dies betonte Pfarrerin Sarah Schimmel beim "Klappstuhl-Festgottesdienst" zum 95-jährigen Jubiläum des Posaunenchores im Schlosspark von Gleisenau.

Nach ihrer Meinung wäre es nicht auszudenken, wenn es in der Kirchengemeinde Gleisenau den Posaunenchor nicht gäbe. Er sei über mehrere Generationen gewachsen ähnlich einem Staffellauf. Hierbei gehe es aber nicht um das Holz, sondern um Menschen, die musizieren, dirigieren und vor allem ihre Zeit dafür aufbringen.

Eine Studie zum Ehrenamt in der evangelischen Kirche habe aufgezeigt, dass im Gemeindebereich mit Abstand die Instrumentalmusiker in Flötenkreisen, Bands und vor allem im Posaunenchor die treuesten Ehrenamtlichen seien. In der Konfirmandenarbeit liege die Dauer des Engagements bei 4,1 Jahren, bei den Gemeindebriefausträgern bei 12 Jahren. Aber bei den Posaunenchören blieben die Menschen im Schnitt 21,4 Jahre dabei, manche auch noch länger. Im Hinblick auf die lange Mitgliedschaft von Dirigent Herbert Hofmann meinte sie, dass er die Studie sicher ein bisschen verfälscht habe.

Mischung aus Gemeinschaft, Musik und Sinn

Was man heute in diesem Gottesdienst erlebe, sei zweifellos etwas ganz Besonderes in unserer schnelllebigen Gesellschaft, aber sei typisch für das Leben der Posaunenchöre. Nach ihrer Aussage seien Posaunenchöre deswegen so beständig und überdauerten die Zeiten, weil sie die richtige Mischung aus Gemeinschaft, Musik und Sinn darstellten. "Mitwirkung im Posaunenchor hat etwas ungeheuer Verbindendes, oft über Generationen, Altersgrenzen und Ortschaften hinweg. Das sieht man bei euch im Posaunenchor gut."

Das Motto des Gleisenauers Chores bringe es sogar auf den Punkt mit dem Motto "Gott loben, das ist unser Amt." Dabei sei Glauben allein zu leben nur ein Notbehelf – genauso wie Posaune jahrelang alleine zu spielen. Das halte keiner ewig durch. "Unser Glaube führt in die Gemeinschaft. Natürlich übt jeder zu Hause für sich. Aber den Klang, den das Musikstück haben soll, entfaltet es doch erst im Zusammenklingen mit den anderen Instrumenten."

Einen Blick zurück in die 95-jährige Geschichte des Posaunenchores gab Sigrid Rippstein, selbst aktive Instrumentalistin. Probleme hätte erst einmal die Finanzierung bereitet, denn für Instrumente habe man die Summe von 1000 Reichsmark veranschlagt. Durch Christin Dittmann und Pfarrverweser Fritz Eberle sei durch eine Haussammlung, einige Veranstaltungen sowie Spenden der finanzielle Grundstock zur Anschaffung der Instrumente gelegt worden, zu dem auch die Kirchengemeinde 200 RM beisteuerte. Am 19. August hätten sich dann 13 junge Männer mit Handschlag und Unterschrift verpflichtet, Gründungsmitglieder zu werden. Unter den Gründungsmitgliedern waren aus Ebelsbach: Christian Dittmann, Peter Schöpf, Ludwig Maier, Paul Appel, Hans Thein, Georg Melber und Christian Wacker; aus Gleisenau: Bernhard Deininger, Heinrich Dininger und Christian Schätzlein sowie aus Rudendorf: Heinrich Hümmer und Hermann Herbig. Gründungs-Chorleiter war Christian Dittmann, dem später Ludwig Maier, Christian Schätzlein, Christian Dittmann jun., Alois Scholz und Herbert Hofmann folgten.

Seit 60 Jahren ein Dirigent

In der Kirchengemeinde, so Sigrid Rippstein, übernehme der Posaunenchor viele Aufgaben, von Geburtstagsständchen über die Gestaltung von kirchlichen und gesellschaftlichen Festen bis hin zu den evangelischen Kirchentagen, die man seit 25 Jahren besuche. Kaum zu glauben, dass der Posaunenchor Gleisenau nun schon seit dem Jahre 1960 und somit seit 60 Jahren mit einem Dirigenten auskomme, und zwar mit Herbert Hofmann.

Der Jubelchor umrahmte seinen eigenen Festgottesdienst mit Liedern wie "nun lasst uns Gott dem Herrn danken" und "seid fröhlich in Hoffnung".
Der Jubelchor umrahmte seinen eigenen Festgottesdienst mit Liedern wie "nun lasst uns Gott dem Herrn danken" und "seid fröhlich in Hoffnung". Foto: Günther Geiling

Bezirkschorleiter Jürgen Koch stellte bei seiner Laudatio, auch im Namen des Landesverbandes, diese außergewöhnlich ehrenamtliche Arbeit von Herbert Hofmann heraus, der noch dazu seit 70 Jahren als aktiver Bläser dabei sei. Aber darüber hinaus habe er auch noch andere Chöre betreut. "Diese Urkunde ist nur das äußere Zeichen für die Wertschätzung deines selbstlosen Einsatzes als Dirigent und Bläser sowie eines Dienstes, der aus dem Glauben kommt. Über eine so lange Zeit tätig zu sein, ist schon eine große Seltenheit."

Namens des Chores überbrachte Dieter Eisenacher die Glückwünsche an Dirigent Herbert Hofmann und sagte "die Kirchenmusik lässt den Glauben erklingen und die Musik lebt in dir." Für ihren 50-jährigen aktiven Bläserdienst im Posaunenchor wurden auch Dieter Eisenacher und Klaus Eisenacher ausgezeichnet sowie für zehn Jahre Bläsertätigkeit Werner Lehrieder. Cynthia Derra überbrachte die Glückwünsche des Kirchenvorstandes und bezeichnete den Posaunenchor als eine Bereicherung für das Gemeindeleben und die Gemeinschaft.

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