Wülflingen

Unmut über Heckenrückschnitt und gefällte Bäume

In der Kritik: das Ausmaß, wie bei Wülflingen, im „Rheinhäuser Grund“, Bäume gefällt und Sträucher zurückgeschnitten wurden.
Foto: Alois Wohlfahrt | In der Kritik: das Ausmaß, wie bei Wülflingen, im „Rheinhäuser Grund“, Bäume gefällt und Sträucher zurückgeschnitten wurden.

Dass er stocksauer ist, ist dem älteren Mann unschwer anzumerken. Er deutet auf ein Wirrwarr an Sträuchern, Ästen und Stämmen im idyllischen „Rheinhäuser Grund“ bei Wülflingen und schimpft: „Wenn man so etwas sieht, blutet einem doch das Herz“. Zig Meter lang liegt dort das Ergebnis einer Rückschnittaktion. Gesetzeswidrig war diese wohl nicht, wie Fachleute auf Nachfrage urteilen, wenngleich gerade das Abholzen starker Bäume in diesem Bereich inzwischen bei etlichen Spaziergängern an diesem beliebten Weg für Unmut gesorgt hat. Und Unverständnis gibt es auch über einen Rückschnitt nur wenige Hundert Meter weiter – an der Straße von Haßfurt in Richtung Sailershausen.

Mit seiner Kritik steht der Mann aus einem Haßfurter Stadtteil, der nicht mit Namen genannt sein will, nicht allein. Schon ein paar Mal sei er von Spaziergängern dort auf die „Abholzaktion“ angesprochen worden und auch sei das Urteil ähnlich gewesen: „Das ist kein Rückschnitt, das ist Raubbau an der Natur“.

„Kahlschlag“

Er sehe es ja ein, dass Hecken zurückgeschnitten werden müssten, dass Hecken ausgeschnitten werden müssten, „aber so rigoros“, das gehe zu weit. Das ist für ihn ein „Kahlschlag“ und das könne ja nicht in Ordnung sein. Aus diesem Grund hatte er sich auch mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Haßberge in Verbindung gesetzt. Richtig angenommen habe man sich dort seinem Anliegen aber nicht, so der Mann gegenüber der Redaktion weiter.

Grundsätzlich gelte, so Bernd Janik von der Unteren Naturschutzbehörde, dass der Rückschnitt bis Ende Februar erfolgen dürfe. Auch das Fällen von Bäumen sei nicht Kraft Gesetz verboten. Die aktuelle Situation nach dem Rückschnitt bei Wülflingen kenne er zwar nicht, so Janik, aber es sei durchaus sinnvoll eine Hecke ab und zu „auf Stock“ zu setzen.

Auch könne es durchaus sinnvoll sein, eine kurze Strecke wieder frei zu machen, so auch zum Beispiel, wenn dort ein Bach fließt (wie dies im Rheinhäuser Grund der Fall ist; Anm. d. Red.). Denn es soll im Bach Licht ankommen, „er soll ja nicht in einem Tunnel fließen“. Dennoch rät Janik zur Vorsicht, wenn alte, stärkere Bäume gefällt werden, denn: Wenn dort etwa Fledermäuse in Bruthöhlen Unterschlupf gefunden hätten, „darf nicht gefällt werden“.

Und Fledermäuse dürften dort wohl nicht zuhause gewesen sein, ist die Einschätzung von Dietmar Will vom Bauamt der Stadt Haßfurt, der das Areal nach dem Rückschnitt in Augenschein genommen hat. Eigentümerin des Geländes ist die Stadt Haßfurt, gepflegt wird das Gelände allerdings von der Jagdgenossenschaft Wülflingen.

„Nicht ganz optimal“

Und auch für Will ist die Umsetzung des Rückschnitts „nicht zufriedenstellend“, wie er es umschreibt. Die Absicht der Jagdgenossenschaft sei zwar „löblich gewesen, doch die Ausführung ist nicht ganz optimal“. Er habe deshalb bereits auch mit den Verantwortlichen gesprochen. Dietmar Will spricht davon, dass seiner Einschätzung nach wohl „übereifrig“ gehandelt wurde. Allerdings müsse man auch sehen, dass es zum einen nötig sei, Hecken zu schneiden, auch, weil Gewässer ja erlebbar sein sollen, und zudem an diesem Weg auch der Verkehrssicherungspflicht Genüge geleistet werden müsse.

Besser wäre es aber wohl gewesen, dies in kleineren Schritten zu tun. Er vertraut allerdings „auf die Selbstheilungskräfte der Natur“ und er ist sich sicher: „Es sieht jetzt schlimmer aus, als es ist“.

Forst-Mulcher im Einsatz

Und ähnlich auch die Argumentation von Alfons Schanz, Leiter der Tiefbauverwaltung des Landkreises zur Kritik, wie der Rückschnitt in einigen Bereichen der Kreisstraße von Haßfurt nach Sailershausen durchgeführt wurde. Wie abgerupft wirken dort die Reste von Sträuchern. An 320 Kilometern Kreisstraßen müsse mit einer kleinen Mannschaft die Sicht von Zufahrten auf die Straßen, aber auch in Kurvenbereichen gesichert werden. „Das geht nun mal nicht mit der Heckenschere“, so Schanz. Deshalb werde ein Forst-Mulcher eingesetzt, „das ist nun mal das Wirtschaftlichste“.

Allerdings achte man darauf, dass die Hecken entweder auf Lücke – etwa alle 25 Meter – zurückgesetzt werde, oder aber hinter dem bearbeiteten Areal noch Ersatzrückzugsgebiete für die Tierwelt da sind. Alfons Schanz ist sich sicher: in spätestens vier bis fünf Jahren sei alles wieder auf dem Stand, wie es jetzt war.

Gemulcht: Sträucher an der Straße bei Sailershausen.
Foto: Wohlfahrt | Gemulcht: Sträucher an der Straße bei Sailershausen.
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