Königsberg

Viele Geheimnisse um den Tilly-Hof in Königsberg

Der Tilly-Hof am Salzmarkt birgt viele Geheimnisse.
Foto: Gerold Snater | Der Tilly-Hof am Salzmarkt birgt viele Geheimnisse.

Von den 40 000 Mann, die im Herbst 1631 vor Rothenburg standen (Meistertrunk), blieben Tilly, dem Generalissimus der katholischen Liga im 30-jährigen Krieg, gerade mal 8000, um im Frühjahr 1632 in Königsberg einzumarschieren. Am 6. bzw. 16. März (julianischer beziehungsweise gregorianischer Kalender) jährt sich dieses Ereignis zum 389. Mal.

Der damals 73- jährige siegreiche Feldherr bezog Quartier am Salzmarkt im Haus des Bürgermeisters bei der „jungen Graserin“. Sie war seit zwei Jahren Witwe des Stadtoberen. Nun erzählt die Legende, dass ein unachtsamer Stallknecht gegen 22 Uhr im Rückgebäude eine Laterne im Stall umstieß und es zu der fürchterlichen Feuersbrunst kam, welche die Stadt Königsberg weitgehend vernichtete. Diese Feuersbrunst prägt die Stadtgeschichte bis heute: beliebte Bräuche, wie das Königsberger „Hätscherklooßen“, entstehen.

Peter Nießner, Studiendirektor mit Fakultas Geschichte, ist seit zwei Jahren neuer Eigentümer dieses imposanten, geschichtsträchtigen Anwesens, dessen Ursprünge ins 13. Jahrhundert zurückgehen. Im Rahmen der Hausforschung fand er neue Aspekte heraus:

Feuer wäre schnell entdeckt worden

Es ist bekannt, dass in der Unglücksnacht ein starker Wind herrschte. Ein Sturm kommt immer von der Westseite und nicht vom schützenden Burgberg herunter. Damit würde der Wind einen Brand im rückwärtigen Stall aber nur auf die damals noch existierende Stadtmauer hinter der Pfaffengasse drücken.

Feldherr Tilly weilte im 30-jährigen Krieg im Tilly-Hof.
Foto: Gerold Snater | Feldherr Tilly weilte im 30-jährigen Krieg im Tilly-Hof.

Im bewachten Hauptquartier würde ein Feuer schnell entdeckt werden. Die 8000 befehlsgewohnten potenziellen Brandbekämpfer (von denen keiner – selbst im Frühjahr – unter freiem Himmel campieren möchte) sind schnell alarmiert. Ein Brunnen war direkt vor dem Tilly-Hof, ein zweiter oben vor dem jetzigen katholischen Pfarramt und unten der Hauptbrunnen am Marktplatz (er war ursprünglich näher am Tilly Hof gelegen und nicht in der Platzmitte) spendeten damals ausreichend Wasser.

Wahrscheinlich gab es mehrere Brände

Ein einzelner Brand ist unter diesen Umständen auch mit den damaligen Methoden zu löschen gewesen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass in dieser Nacht mehrere Brände gelegt wurden. Die Quellen sprechen hier von den Zeiler Bürgern unter dem Kommando ihres Bürgermeisters Moritz Rügen: Sie entfachten an wenigstens drei weiteren Orten Feuer, „(…) es sein anbefohlen worden, dass wenn man des Tilly Quartier in Feuer sehen würde, man alsdann die Stadt an mehreren Orten anzünden solle.“

Damit war das Feuer am Salzmarkt nur das Signal zum Losschlagen für weitere Sabotageakte, die dann in Kombination mit dem starken Wind zur bekannten Katastrophe führten. Also hatte Königsberg nicht einen Brandherd in dieser Nacht. Nur diese weiteren – durch den Wind verstärkten – Brände konnten zu der Vernichtung der alten Stadt führen.

Auch das Motiv kennt der Tilly-Forscher: Es war ein simpler Racheakt der Zeiler für einen wenige Monate zurückliegenden Überfall der Königsberger unter dem Kommando des Herzog Ernst von Sachsen auf Zeil um „Contributionszahlung von 1000 fl“ einzufordern.

Verlust von Getreide und Urkunden

Neben toten Tieren und Menschen war der Schaden für Königsberg gewaltig: 150 Häuser zerstört – darunter das Rathaus. Schlimm dürfte der Verlust des Getreides in diesen furchtbaren Kriegszeiten gewesen sein aber auch der Verlust von „Bechern, Zinnwerk und den schriftlichen Urkunden“ wird ausdrücklich erwähnt.

Dieser Brandschutt und der eines weiteren Stadtbrandes erhöhte deutlich erneut das Straßenniveau am Salzmarkt, der in der Mitte, wo heute die Kastanienbäume stehen, ursprünglich eine weitere Häuserzeile hatte. Insgesamt erhöhte sich das Straßenniveau am Satzmarkt in den letzten 800 Jahren um circa 3,50 Meter. Ein alter romanischer Bogen, der erste Hauseingang, im (Wein-) Keller des Tilly- Hofes zeigt das auf.

Erinnerung an den Generalissimus

Übrigens findet sich in der Kraußschen Chronik ein kurzer Hinweis, dass zwei Jahre nach dem Brand eine Veronica Graser einen Quartiermeister „Joh. von Rothenberg“ ehelichte. Ob es sich hierbei um dieselbe Bürgermeisterwitwe handelt und sie diesen Quartiermeister in der besagten Nacht kennenlernte, so der Studiendirektor, wird sich wohl nicht mehr feststellen lassen. Aber das Hochzeitsgeschenk der Stadt ist bekannt und war großzügig: Man hat dem Brautpaar „einen Silbernen Becher von 13 fl zum Hochzeit geschenk verehret".

Zur Erinnerung an diese Nacht wird zwischen dem 6. und 16. März am Tilly Hof die Fahne des Generalissimus gehisst.

Zur Erinnerung an die Nacht des Brandes wird zwischen dem 6. und 16. März am Tilly-Hof  die Fahne des Generalissimus gehisst.
Foto: Gerold Snater | Zur Erinnerung an die Nacht des Brandes wird zwischen dem 6. und 16. März am Tilly-Hof die Fahne des Generalissimus gehisst.
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