Haßfurt

Von Glanz und Göttlichem

Mozart-Konzert: Zweimal Mozart stand mit der Jupiter-Sinfonie und der C-Moll-Messe in der Stadtpfarrkirche Haßfurt auf dem Konzertprogramm. Matthias Göttemann dirigierte den Chor aus Mitgliedern der Kantorei Haßberge und des Würzburger Oratorienchores sowie das Orchester Würzburg und Gesangssolisten.
Foto: Sabine Meissner | Mozart-Konzert: Zweimal Mozart stand mit der Jupiter-Sinfonie und der C-Moll-Messe in der Stadtpfarrkirche Haßfurt auf dem Konzertprogramm.

Körperlich war er nicht anwesend, der Herr Wolfgang Amadé. Das wäre auch schlecht möglich gewesen, denn immerhin weilt er seit 224 Jahren nicht mehr unter den Lebenden. Dennoch: Seine Musik lebt. Und wenn sie in einer Weise musiziert wird, wie das am Samstag in der Stadtpfarrkirche geschah, dann schwebt zumindest der Geist des unvergessenen Wolfgang Amadeus Mozart durch das Gotteshaus.

Es passte einfach alles an diesem Abend, für den Matthias Göttemann gleich zwei glanzvolle Werke des Österreichers auf das Programm gesetzt hatte. Als einer der bedeutendsten Komponisten ist Mozart in die Musikgeschichte eingegangen, und die C-Moll-Messe und die Jupiter-Sinfonie haben daran entscheidenden Anteil.

Und dass der evangelische Dekanatskantor vom katholischen Hausherrn die Stadtpfarrkirche sozusagen geliehen bekam, verschaffte dem Konzert nicht nur Authentizität, sondern den Zuhörern wegen der besonderen Akustik quasi auch ein Hörvergnügen in „dolby-surround“.

Das Ensemble erfüllte die Erwartungen der überaus zahlreich erschienenen Zuhörer, was sie am Ende mit reichlich Applaus zum Ausdruck brachten. Bis dahin war ihnen ein viersätziges sinfonisches Konzert in C-Dur geboten worden, die letzte Sinfonie Mozarts mit dem verheißungsvollen Namen Jupiter. Göttemann dirigierte sein Würzburger Orchester entsprechend göttlich und entlockte ihm sphärische Klänge, den Bläsern mehr noch als den Streichern. Seine Interpretation der oft aufgeführten Sinfonie war stimmig, ohne experimentelle Schnörkel und so, als wäre er schon immer Orchesterdirigent.

Bevor Programmpunkt zwei folgte, eroberte der Rügheimer Dekan Jürgen Blechschmidt das Podest des Dirigenten. Verschmitzt kündigte er eine Überraschung an und verriet ohne Umschweife den Grund seines Auftretens. „Seit 30 Jahren stehen Sie im Dienst der Kirchenmusik“, wandte er sich an Göttemann, „dafür sei Ihnen heute Dank und Ehre zuteil.“ Wenn der Dekanatskantor Orgel spiele, ziehe er Register, von denen man denke, dass es sie gar nicht gebe, sagte Blechschmidt. „Und ihre Chorsänger motivieren Sie auf eine Weise, dass es unendlich viel Freude macht, bei Ihnen mitzusingen.“ Er könne das sagen, da er selbst manchmal dazu gehöre.

So zusätzlich motiviert, befeuerte Göttemann den Chor dann auch und brachte eine C-Moll-Messe zu Gehör, die nicht wundervoller hätte sein können. Dabei war klar, dass das keine Momentaufnahme, sondern vielmehr ein Ergebnis intensiver und professionell geleiteter Probenarbeit sein musste. Alle Sänger, sowohl die der Kantorei Haßberge als auch die des Würzburger Oratorienchores, sind Laien, also mehr oder weniger stimmtechnisch ausgebildete Damen und Herren. Ein Qualitätsunterschied, wenn man diesen großartigen Gesang so profan beurteilen sollte, war aber nicht zu erkennen, zumindest nicht in negativer Abstufung. Kein Geschreie im Fortissimo und keine Unsauberkeiten im äußersten Piano, fruchtbarer Blickkontakt zum Dirigenten und 100-prozentige Präsenz in jeder Taktphase bis hin in die Pausen ergaben präzise Einsätze und akkurat eingehaltene Tempi. So entstand ein Klangkolorit, das im achtstimmigen Doppelchor den Zenit erreichte.

Es war keine einfache Übung für die Gesangssolisten, da mitzuhalten. Die Sopranistin Danuta Dulska und die Altistin Anna Haase als Mezzosopran im Quartett mit der schönen Tenorstimme von Maximilian Argmann und dem Bass von Tohru Iguchi traten aus diesem Chor kaum heraus. Alle bildeten gemeinsam den Auftakt zu einem kirchenmusikalischen Wochenende, das am nächsten Tag in Zeil mit einem Konzert der Posaunenchöre seine Fortsetzung fand.

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