Gädheim

Warum Tempo 30 in Gädheim, aber nicht in Ottendorf möglich ist

In allen Straßen Gädheims darf maximal 30 gefahren werden. Das wünschen sich die Ottendorfer und Greßhäuser auch. Nur geht das dort nicht so leicht. Das hat seinen Grund.
Der Neubau von Feuerwehrhaus und Bauhof ist derzeit das größte Projekt der Gemeinde Gädheim. 
Foto: Jochen Reitwiesner | Der Neubau von Feuerwehrhaus und Bauhof ist derzeit das größte Projekt der Gemeinde Gädheim. 

Von einem „bewegenden Jahr“, das hinter den aktuell 1333 Einwohnern in Gädheim, Ottendorf und Greßhausen liegt, sprach Bürgermeister Peter Kraus (CSU) in den Online-Bürgerversammlungen. Das „alles beherrschende Thema sei Corona gewesen, acht Fälle habe es im Gemeindebereich gegeben, einer davon habe leider tödliche Folgen für die erkrankte Person gehabt. Immerhin „hatten wir aus Sicht der Gemeinde kaum Einschränkungen“. Spürbar sei lediglich, dass die Bürgermeister-Sprechstunden vor Ort derzeit ausfallen müssen.

Aber auch darüber hinaus sei in den vergangenen Monaten viel passiert, berichtete das Gemeindeoberhaupt per Video-Konferenz auf der Plattform „Zoom“. Der Gemeinderat habe sich nach seiner Verjüngungskur durch die Kommunalwahlen ab Mai (es nahmen fünf neue gewählte Mitglieder am Ratstisch Platz) nicht über mangelnde Arbeit beklagen können.

Bauernmarkt-Jubiläum wird nachgeholt 

Ein dickes Lob hatte Peter Kraus für den Dienst „Bürger helfen Bürgern“ parat. Ein Team aus 16 Frauen und Männern engagiert sich ehrenamtlich für die Mitbürger, was dem Bürgermeister sehr imponierte. Mit in den ehrenamtlichen Bereich hinein spielt das Ferienprogramm, dass „wir als einige der wenigen Gemeinden im Landkreis trotz Corona auf die Beine gestellt haben“. Hauptgrund dafür sei gewesen, „dass wir den Kindern ein Stück Normalität zurückgeben wollten“. Dank des Hygienekonzepts habe das hervorragend funktioniert. Der Bauernmarkt als größte Veranstaltung in der Gemeinde hingegen habe ausfallen müssen, er hätte am Tag der Deutschen Einheit seine 25. Ausgabe erlebt. „Das Jubiläum holen wir aber im nächsten Jahr nach“.

Die Gädheimer Kindertagesstätte 'Bachinsel' wird um einen Anbau erweitert. Dafür muss das Gebäude links im Hintergrund weichen. 
Foto: Jochen Reitwiesner | Die Gädheimer Kindertagesstätte "Bachinsel" wird um einen Anbau erweitert. Dafür muss das Gebäude links im Hintergrund weichen. 

Auf wesentliche Veränderungen haben sich „die Jungs vom Bauhof“ einstellen müssen, sagte Kraus. Denn ihre Arbeit – die er im Übrigen sehr lobte - werde komplett über Handys und Tablets gesteuert, das mache die Arbeit transparenter. Für die Bürger sichtbar seien in erster Linie die Pflasterarbeiten vor der alten Schule in Gädheim oder im Eingangsbereich der alten Schule in Greßhausen gewesen, demnächst stünde eine umfassende Baumkontrolle inklusive Kartierung an. Für den Winterdienst sei der in die Jahre gekommene Salzstreuer durch einen Solesprüher abgelöst worden, das spare Salz und schone damit auch die Umwelt.

"Wir liegen 160 000 Euro unter der Kostenschätzung"
Peter Kraus, Bürgermeister

Eines der größten Projekte derzeit in der Gemeinde ist der Neubau von Feuerwehrhaus und Bauhof in Gädheim. „Der Rohbau ist fertig“, berichtete Peter Kraus, noch im Dezember soll das Gebäude winterfest sein. „Wir liegen gut in der Zeit“, freute er sich, noch mehr aber darüber, dass „wir aktuell 160 000 Euro unter der Kostenschätzung“ liegen. Der nächste Kraftakt steht der Gemeinde bei der „Bachinsel“ bevor. Die Kindertagesstätte platzt aus allen Nähten, ab Januar werden dort 37 Kinder betreut, „mehr geht einfach nicht“. Und dennoch gibt es Bedarf, daher ist ein Anbau vorgesehen. Der kostet nach aktuellen Berechnungen inklusive neuem Außenbereich 730 000 Euro, an der Gemeinde bleiben nach Abzug der Zuschüsse „ein enormer Anteil“ von rund 280 000 Euro hängen. Wie und wo die Kinder während der Umbauphase untergebracht werden, sei noch offen, derzeit werde eine Containerlösung geprüft.

Dorferneuerung in Ottendorf nur für die Alte Schule

Wenig Erfreuliches berichtete Kraus zur Dorferneuerung in Ottendorf. Die sei durch das „Nein“ der Diözese Würzburg zur Außensanierung der Jodokus-Kirche auch in deren Umfeld vorerst gestoppt, immerhin werde die „Alte Schule“ als „punktuelle Maßnahme“ in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Das Amt für ländliche Entwicklung hat seinen Segen dazu schon erteilt.

Der Wunsch, dass in Ottendorf – analog zum Vorbild Gädheim – komplett „Tempo 30“ eingeführt wird, werde sich weitgehend erfüllen. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Kreisstraße HAS 1 (Neue Straße, am Berg, Lindenweg) ausgenommen wird – und damit ausgerechnet die Straße, in der am schnellsten gefahren werde. Ähnlich verhält es sich in Greßhausen: Dort könnte die Gemeinde nur im Griesweg und in der Kirchgasse die Höchstgeschwindigkeit auf 30 begrenzen. Die Alternative wäre, dass die Gemeinde die beiden Kreisstraßen übernimmt und damit auch für den Unterhalt aufkommt – diese Lösung ist Kraus aber angesichts der finanziellen Belastungen überaus unsympathisch.

Die Diözese Würzburg hat derzeit kein Geld für die Außenrenovierung der Ottendorfer Kirche St. Jodokus. Daher liegt die Dorferneuerung vorerst auf Eis. Lediglich die alte Schule (rechts im Bild) wird als Einzelmaßnahme gefördert. 
Foto: Jochen Reitwiesner | Die Diözese Würzburg hat derzeit kein Geld für die Außenrenovierung der Ottendorfer Kirche St. Jodokus. Daher liegt die Dorferneuerung vorerst auf Eis.

In allen drei Orten sind Bauplätze in Vorbereitung

Da alle Bauplätze im Gemeindebereich verkauft sind und im Rathaus „mindesten einmal pro Woche“ Bauwillige nach möglichen Flächen erkunden, denk der Gemeinderat in allen drei Gemeindeteilen über weitere Erschließungen nach. In Gädheim sollen etwa im Jahr 2022 zwischen 18 und 22 Bauplätze im Gebiet „Eichelberg III“ entstehen, in Ottendorf am „Frauengraben II“ im zweiten Halbjahr 2021 zehn Bauplätze und in Greßhausen „Im Esbach“ ebenfalls im kommenden Jahr sieben Plätze.

Weil in allen Gemeindeteilen Kanalsanierungen anstehen, wird die Gemeindekasse in den kommenden Jahren stark belastet. Das zeigt sich bereits in der aktuellen Pro-Kopf-Verschuldung, die voraussichtlich zum Jahresende auf gut 1100 Euro steigen wird. Zum Jahresanfang lag sie knapp über 400 Euro. Auf jeden Grundstücksbesitzer kommen zudem noch Verbesserungsbeiträge zu, berichtete Peter Kraus. Denn der Abwasserzweckverband plant „bis zum Jahr 2025 Investitionen von rund 2,6 Millionen Euro“. Es führe kein Weg daran vorbei, diese Kosten auf die angeschlossenen Grundstücke umzulegen. Genaue Zahlen konnte Kraus noch nicht nennen, sprach aber von einer vorsichtigen Schätzung, dass durchschnittlich jeweils drei Raten im niedrigen vierstelligen Bereich zu bezahlen seien.

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