Würzburg

Westheim: Ein Koffer erinnert an die Deportationen

Zur Erinnerung an die Deportation unterfränkischer Juden gibt es am Würzburger Hauptbahnhof ein Denkmal. Auch ein Koffer aus Westheim erinnert an das Schicksal der Menschen.
Hannes Betz und sein Denkmal, das am Würzburger Hauptbahnhof an die Deportation Westheimer Juden in der NS-Zeit erinnert.
Hannes Betz und sein Denkmal, das am Würzburger Hauptbahnhof an die Deportation Westheimer Juden in der NS-Zeit erinnert. Foto: Josef Nagel

Hannes Betz aus Westheim zögerte keine Sekunde. Als Knetzgaus Bürgermeister Stefan Paulus im Winter mit der Bitte auf ihn zukam, mit einem Kunstwerk  an die Deportation Westheimer Juden während der NS-Zeit zu erinnern, war der Künstler sofort dabei. Seit Mitte Juni steht nun einer der beiden je 16 Kilogramm schweren Koffer aus Westheim, die daran erinnern sollten, dass die deportierten Menschen ihr komplettes Hab und Gut zurück lassen mussten, inmitten vieler anderer Gepäckstücke vor dem Würzburger Hauptbahnhof - dem „DenkOrt Deportationen“

Dieses dauerhaft angelegte Mahnmal erinnert an die Deportationszüge, mit denen Juden in Konzentrationslager transportiert wurden. Insgesamt wurden zwischen 1941 und 1944 mehr als 2000 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus unterfränkischen Kommunen vom Würzburger Hauptbahnhof und dem Güterbahnhof in die Konzentrationslager verschleppt.

Eine Kopie am Heimatort

Jede Kommune, die bis 1933 eine jüdische Gemeinde hatte, stellt, so der Auftrag des Vereins "DenkOrt Deportationen", ein Gepäckstück am Denkmal in Würzburg auf und eine Kopie im jeweiligen Ort, an dem die Juden lebten, auf. Wo genau das in Westheim sein wird, entscheidet der Gemeinderat.

Westheim gehört zu den 109 unterfränkischen Orten, an denen es eine jüdische Gemeinde gab. Die in Westheim Anfang der 40-er Jahre verblieben 21 Juden wurden 1942 nach Izbica bei Lublin beziehungsweise nach Theresienstadt deportiert – überlebt hat niemand. Die Gepäckstücke – ob Rucksack, Koffer oder Deckenrolle – stehen für den Verlust der jüdischen Mitbürger, die ihr Gepäck einst bei der Deportation am Bahnhof zurücklassen mussten.

Hannes Betz, der im Mai 2015 den Künstlertreff Westheim gründete, hatte selbst zum 75. Jahrestag des Kriegsendes ein Mahnmal geplant. Eine lebensgroße Skulptur, bestehend aus zwei als Silhouetten dargestellte Menschen, einem Davidstern und einem Reisekoffer, sollte an die Deportationen aus Westheim erinnern. Die bereits fertige Skulptur wird nun wohl zum 80. Jahrestag, also in fünf Jahren,  aufgestellt, wie Betz dieser Redaktion verriet. Sein Wunsch: Die Namen der deportierten Juden aus Westheim sollten spätestens dann auch auf einer Gedenktafel – ähnlich dem Kriegerdenkmal – verewigt werden. 

16 Kilogramm wiegt der 'Westheimer Koffer'. Das identische Gegenstück von Hannes Betz wird in Westheim selbst aufgestellt.
16 Kilogramm wiegt der "Westheimer Koffer". Das identische Gegenstück von Hannes Betz wird in Westheim selbst aufgestellt. Foto: Josef Nagel

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