Haßfurt

Wie das neue Ausbildungsjahr im Landkreis Haßberge startet

Nach jahrelangem Drücken der Schulbank beginnt für viele Jugendliche nächste Woche ein neuer Lebensabschnitt. Sie starten eine Ausbildung oder ein duales Studium.
30 Jugendliche und junge Erwachsene beginnen bei 'Fränkische' in Königsberg ihre Ausbildung. Dort läuft bereits jetzt die Bewerbungsphase für eine Ausbildung im nächsten Jahr 2021. Hier ein Blick auf zwei Auszubildende bei ihrer Arbeit.
Foto: Fränkische Rohrwerke Königsberg | 30 Jugendliche und junge Erwachsene beginnen bei "Fränkische" in Königsberg ihre Ausbildung. Dort läuft bereits jetzt die Bewerbungsphase für eine Ausbildung im nächsten Jahr 2021.

Für mehr als eine halbe Million Jugendliche und junge Erwachsene beginnt in Deutschland in diesen Tagen der Start ins Berufsleben. Bedingt durch die coronabedingten Probleme der Unternehmen, hatte mancher Experte einen holprigen Start oder ein schweres Ausbildungsjahr 2020 befürchtet. Es ist aber ein Überangebot an Stellen vorhanden, weshalb die Ausbildungschancen derzeit eigentlich nicht schlecht sind. Die Redaktion fragte nach, wie es im Landkreis Haßberge und in der Region Main-Rhön derzeit aussieht.

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Natürlich hatte es der Abschlussjahrgang 2020 in den Schulen nicht immer leicht, weil viele junge Leute auf ihre Bewerbungen wegen der Corona-Krise keine Antwort bekamen, Betriebe auf Sparflamme liefen oder eine allgemeine Unsicherheit dafür sorgte, dass weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden. Allerdings entwickelte sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt aus Sicht der Bewerber nicht so dramatisch, wie es zwischenzeitlich befürchtet worden war. Zwar ist die Zahl der von den Unternehmen an die Arbeitsagenturen gemeldeten Ausbildungsplätze bis zum Juli um rund acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. In den vergangenen beiden Monaten hat aber dann doch noch einmal ein Aufholprozess stattgefunden.

Tamara Müller von „Fränkische“ in Königsberg betonte, dies würde auf die Ausbildungsverträge mit Beginn September 2020 in ihrem Unternehmen ohnehin nicht zutreffen, „weil das Auswahlverfahren dafür schon weit vor dem Auftreten der Pandemie durchgeführt wurde“. Das Unternehmen schreibe ja jetzt schon für den September 2021 aus und da müsse man sich nun "hinsichtlich des Gruppenauswahlverfahrens andere Lösungen" überlegen.

Bereitschaft ist sehr hoch

Die Situation für Jugendliche, die aktuell immer noch auf der Suche nach einer Lehrstelle zum Ausbildungsbeginn in diesem Herbst sind, sei weiterhin sehr günstig, stellte die Bundesagentur für Arbeit in Schweinfurt in ihrem Arbeitsbericht für den Juli heraus. „Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist auch in dieser Krisenzeit erfreulicherweise sehr hoch. Offensichtlich haben die Arbeitgeber erkannt, dass für die Fachkräfte von morgen auch in Ausbildung investiert werden muss. Dies gilt auch in finanziell unsicheren Zeiten“, meinte Thomas Stelzer, der Leiter der Arbeitsagentur. Der Endspurt auf dem Ausbildungsmarkt erfolge aber im August und deswegen sei jetzt auch noch einiges in Bewegung, bevor man neue Zahlen präsentieren könne.

Die Zahlen aus dem Juli zeigten im Agenturbezirk Schweinfurt 650 unversorgte Bewerber bei 1390 unbesetzten Ausbildungsstellen. Im Landkreis Haßberge waren im Juli noch 90 Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Im Gegenzug standen den Jugendlichen aber dafür noch 177 Ausbildungsplätze zur Auswahl. Für jeden bisher unversorgten Bewerber bedeute dies, dass er rein rechnerisch aus fast zwei Ausbildungsstellen wählen könnte.

Günstige Branchen

Allerdings würden bis zum 1. September dennoch nicht alle Ausbildungsstellen besetzt werden und nicht alle Bewerber einen Ausbildungsbetrieb gefunden haben. Deswegen sei in diesem Jahr - so die Arbeitsagentur - der Ausbildungsstart in Einzelfällen noch bis zum Jahresende möglich.  Wichtig sei aber, dass die Corona-Krise den Ausbildungsmarkt nicht beeinflusst. Deswegen werden in den kommenden Wochen die Mitarbeiter der Berufsberatung und des gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur sowie der Jobcenter weiterhin unversorgten Bewerbern Angebote unterbreiten und Arbeitgebern Auszubildende vermitteln. Freie Ausbildungsplätze gebe es vor allem in kaufmännischen Dienstleistungen, Handel, Vertrieb, Tourismus sowie Rohstoffgewinnung und der Fertigung. Günstig stehe es auch für Bewerber in den Branchen Bau, Architektur, Vermessung sowie Gebäudetechnik.

Die Arbeitsagentur unterstütze außerdem die regionalen Ausbildungsbetriebe durch Förderprogramme wie „ausbildungsbegleitende Hilfen“ und „assistierte Ausbildung“. Ebenso ziele das Bundesprogramm „Ausbildungspolätze sichern“ darauf ab, kleinere und mittlere Unternehmen mit Zuschüssen zu unterstützen.

Im Handwerk tut sich noch was

Elektromeister Hans-Georg Häfner von der Firma Elektrotechnik-Häfner aus Eltmann, gleichzeitig Kreishandwerksmeister im Landkreis Haßberge, der in seinem Betrieb selbst sieben Azubis ausbildet und auch für das neue Ausbildungsjahr wieder zwei neue Lehrlinge eingestellt hat, sieht ebenfalls über den August hinaus noch einige Möglichkeiten im heimischen Handwerk. Sicherlich sei manches der Corona-Krise geschuldet und bei einigen Bewerbern fehlten noch ihre Erstuntersuchungen vom Hausarzt, die zu den Verträgen notwendig seien. Solche Verzögerungen gelte es jetzt in die Statistik einzupflegen „Wir hatten im Jahre 2018 in unserem Bereich 196 Lehrverträge und sind jetzt bei 189 Ausbildungsangeboten. Das zeigt, dass die Tendenz der Ausbildungsstellen etwas nach unten geht. Auf der anderen Seite fehlen uns noch 30 Lehrverträge.“

Im Handwerksbereich gibt es nach Auskunft von Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner noch freie Ausbildungsplätze in Eltmann.
Foto: Günther Geiling | Im Handwerksbereich gibt es nach Auskunft von Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner noch freie Ausbildungsplätze in Eltmann.

Freie Ausbildungsstellen gebe es vor allem noch für den Lebensmittelbereich bei Metzgern, Bäckern bis hin zu Verkäuferinnen. „Im Aufwind ist derzeit wieder der Schreinerberuf, während Kraftfahrzeugmechatroniker und Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik weiterhin bei der männlichen Jugend die Top Ten der Ausbildungsberufe anführen.“

Die Fränkische in Königsberg legt seit vielen Jahren einen besonderen Schwerpunkt auf die Ausbildung und jedes Jahr starten rund 30 Jugendliche und Erwachsene ihre Ausbildung beziehungsweise ihr duales Studium im technischen oder kaufmännischen Bereich. Ihre Ausbildung ist für sie meist auch ein Sprungbrett oder der Beginn einer jahrzehntelangen Berufslaufbahn bei Fränkische.

Am 1. September ist deswegen wieder für 30 Neue ihr Berufsstart für die Ausbildung als Industriemechaniker, Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Maschinen- und Anlagenführer, Elektroniker für Automatisierungstechnik, Fachkraft für Logistik, Industriekaufmann, Fachinformatiker oder technischer Produktdesigner. Im dualen Studium ist auch die Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur, für Wirtschaftsinformatik, Rechnungswesen und Wirtschaftsrecht möglich.

Bewerben für 2021

Derzeit läuft bereits die Bewerbungsphase für eine Ausbildung oder ein Duales Studium für den  1. September 2021 in Königsberg, teilt das Königsberger Unternehmen mit. In der aktuellen Situation der Corona-Krise stellen aber ausgefallene Ausbildungsmessen und Berufswahlseminare den Betrieb vor die Herausforderung, die Bewerber auf andere Art und Weise über die Ausbildung zu informieren.

Schüler erhalten deswegen im Internet unter www.fraenkische.com/schueler zahlreiche Informationen rund ums Thema Ausbildung & Studium. Und Bewerbungen sind noch bis zum 30. September 2020 möglich.

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