Oberschwappach

Wie die Symbiose von Seelenverwandten gelingt

Am vergangenen Samstag fand im Schloss Oberschwappach die Vernissage zur Ausstellung der Nürnberger Künstler Joachim Kersten und Hubertus Hess statt. Unser Bild zeigt (von links) die Galeristen Eleonore Schmidts-Stumpf und Egon Stumpf, Hubertus Hess, die Leiterin der Kunsthalle Schweinfurt, Andrea Brandl, und Joachim Kersten.
Foto: Ulrike Langer | Am vergangenen Samstag fand im Schloss Oberschwappach die Vernissage zur Ausstellung der Nürnberger Künstler Joachim Kersten und Hubertus Hess statt.

Freude an Farbe und Form, an Neuem und Altem, an Emotionen und Ausdruck beherrschen die neueste Ausstellung „Hubertus Hess – Skulptur und Objekte / Joachim Kersten – Malerei“, die die Galeristen Egon Stumpf und Eleonore Schmidts-Stumpf von der Galerie im Saal Eschenau im Schloss Oberschwappach konzipiert haben. Die beiden Künstler bezeichnete die Laudatorin Andrea Brandl, Leiterin der Kunsthalle Schweinfurt, bei der Vernissage am Samstag als „gelungene Symbiose zweier Seelenverwandter im weiten Spektrum der visionären Landschaftsdarstellung und der lyrischen Kultobjekte“.

Von Tokio bis Texas

Die beiden Künstler, die in Nürnberg leben, der gebürtige Coburger Hubertus Hess und der in Bamberg geborene Joachim Kersten, sind laut Andrea Brandl „Promis der zeitgenössischen Kunstszene“ und treten trotz ihrer Heimatverbundenheit auch international von Tokio bis Texas in Erscheinung. „Ihre ausgesprochen fruchtbare Erscheinung spiegelt auch diese Werkschau im altehrwürdigen Schloss wider“, so Brandl.

So haben der Bildhauer und der Maler zumindest teilweise ihre Arbeiten auf die historischen Räume abgestimmt. Zum einen hat Hubertus Hess für den Raum, in dem die Büsten verschiedener Persönlichkeiten und der Königin Theresia zum Inventar zählen, einen aus Kupfer gefertigten „Schneewittchensarg“ mit einem zerbrochenen Frauenkopf aus Gips unter einem Glasdeckel geschaffen. Damit wiederum korrespondieren die mit Kupferfarbe gemalten und mit Oxidationsmitteln behandelten Bilder von Joachim Kersten. Kersten hat auch auf der Suche nach dem Kontrast zur Arbeit von Hess „Doppelbock“, bei der zwei Gemsköpfe auf einer alten Leiter mit Spitze montiert wurden, einige Gemälde in Rot- und Schwarztönen geschaffen. Sie tragen den Titel „M42“, mit dem Wissenschaftler den Orionnebel bezeichnen. „Meine Bilder sind der Versuch, ein ganzes Universum entstehen zu lassen und unterschiedliche Emotionen beim Betrachter zu wecken“, sagte der Maler. Sein Kennzeichen ist die Farbe und so erzählte er, dass ihn die Farbe als abstrakter Landschaftsraum schon immer interessiert habe. „Mir geht es vor allem um die Emotionen, die in mir wachgerufen werden, wenn ich eine Landschaft sehe und die später in meine Bilder einfließen.“

Dazu Andrea Brandl: „Mit Cézannes extremen Kolorismus verbindet Joachim Kersten das Interesse an der Wertigkeit der Farbe und ihrer Leuchtkraft.“ Seine Bilder erschienen wie das pulsierende Leben im Spektrum von Makro- und Mikrokosmos zugleich und über die hochästhetische Wirkung der Farbpalette seiner visionären Landschaften könne er beim Betrachter eine psychologische Komponente erzeugen und somit unterschiedliche Gefühlsstimmungen auslösen.

Von Haus aus ein Sammler

Hubertus Hess seinerseits ist „von Haus aus ein Sammler, der Dinge sammelt, die auf ihn zukommen und aus denen er Collagen erstellt. Zudem ist er fasziniert von den Wunderkammern des 17. Jahrhunderts und erstellt seine eigenen Wunderkammern mit Fundstücken von seinen Weltreisen“. Eine ganze Wand im Gang des Schlosses ist bedeckt mit solchen gefundenen und unbehandelten, aber auch bearbeiteten Objekten. Andrea Brandl schilderte dazu: „Seine Installationen und Objekte erzählen Geschichten, auf die es sich einzulassen lohnt. Sie sind ausnahmslos von verhaltener Schönheit, bisweilen von melancholischer Poesie. Als Bildhauer hat Hubertus Hess eine tiefe Sensibilität für die ästhetischen Qualitäten des einfachen Materials entwickelt und verleiht seinen Kultobjekten eine individuelle Mythologie von starker sinnlicher Präsenz.“

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist noch bis 1. September sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel. (0 95 27) 81 05 01 geöffnet.

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