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Wie Greta Thunberg für Applaus im Zeiler Capitol sorgt

An der Podiumsdiskussion beteiligten sich (von rechts) Norbert Zösch (Die Grünen), Rainer Baumgärtner (ödp),  Moderator Oliver Kunkel (Verein wir gestalten Heimat), Energieberater Günther Lieberth und Paul Hümmer (SPD). 
Foto: Monika Schraut | An der Podiumsdiskussion beteiligten sich (von rechts) Norbert Zösch (Die Grünen), Rainer Baumgärtner (ödp),  Moderator Oliver Kunkel (Verein wir gestalten Heimat), Energieberater Günther Lieberth und Paul ...

Wer applaudiert für einen Film, bei dem keiner der Filmstars auf der Bühne anwesend ist?  Das - nach Corona-Standards voll besetzte - Kino durchbrach am Freitag Abend die betroffene Stille am Ende des Film „I am Greta“ mit lautem Beifall. Beifall für die Sache der Greta Thunberg, die offensichtlich auch die Sache aller Kinobesucher gewesen ist.

Kameramann Nathan Grossmann hat die junge Klimaaktivistin aus Schweden ein Jahr begleitet. Sein Dokumentarfilm beginnt mit Greta Thunbergs Solostreiks im August 2018, erzählt von der Entwicklung der „Fridays For Future“-Initiativen, Greta Thunbergs stetig größer werdenden Popularität sowie ihrem emissionsfreien Segeltörn zum UNO-Klimagipfel in New York City im Herbst 2019. Am Ende ist daraus eine weltweite Klimabewegung geworden mit über sieben Millionen Menschen, die für ein Umdenken in Sachen Klima auf die Straße gehen.

Kinobetreiber Bruno Schneyer zeigte den Film „I am Greta“ im Rahmen seiner Reihe "Themenkino Klima". Für das anschließende Gespräch stiegen Norbert Zösch (Die Grünen), Rainer Baumgärtner (ödp),  Energieberater Günter Lieberth und Paul Hümmer (SPD) auf die Bühne.

Die Technik ist da, sie muss nur genutzt werden

Mit dem Satz „Greta ist keine Ikone. Aber sie sagt die Wahrheit, eine tieftraurige und sehr einsame Wahrheit“, eröffnete Oliver Kunkel vom Verein „Wir gestalten Heimat“ als Moderator die Diskussionsrunde und bat alle um ein Statement.

Norbert Zösch stellte klar, dass alle Technik für eine Kohlenstoffdioxid–Steuerung vorhanden sei und dass die reichen Industrienationen jetzt vorangehen müssen, um zu retten, was zu retten ist. Die erfolgreichste Strategie sei die Dezentralität und er wertete es als nächsten notwendigen Schritt, dass Haßfurt nun eine Wasserstofftankstelle bekommt.

Viele Dämpfer für die Klimapolitik

Rainer Baumgärtner von der ödp sieht ein Problem darin, dass die Klimakrise bei uns noch nicht so greifbar ist, als dass sie die Menschen aufschrecken und zum Handeln treiben könnte. Trotz vieler Dämpfer, die die Klimapolitik einstecken musste, zum Beispiel durch die Streichung der Einspeisevergütung, setzt er seine Hoffnung auf die deutsche Landespolitik und die EU, die nun doch die Dringlichkeit zum Handeln zumindest erkannt hätten.

Günter Lieberth zog eine Bilanz seines Erlebens. Vor 25 Jahren sei er ausgelacht worden für sein E-Mobil, heute haben E-Autos eine immer größer werdende Akzeptanz. Allerdings gab er auch zu, dass es ihn frustriere, „tagtäglich gegen die Verdummung anzureden“. Bei seiner Energieberatung, die er aus hundertprozentiger Überzeugung macht, wird er zunehmend müde auf Fragen zu antworten wie: "Ist das nicht zu teuer?" oder "Was verdiene ich denn damit?". Solche Einwände gingen weit am Ziel vorbei, denn es geht um eine dringliche Prioritätensetzung aller, wenn die Verwüstung der Erde eingedämmt werden soll.

Warum Greta Thunberg so fokussiert ist

Zwischen Hoffnung und Zorn siedelte auch Paul Hümmer sein Statement an und pflichtete den Worten des Papst Franziskus bei, die dieser zu Greta Thunberg gesagt hat: "Die kapitalistische Wachstumswirtschaft tötet. Umkehr tut not."

In der zweiten Runde eröffnete Oliver Kunkel mit einer Erklärung über das Asperger-Syndrom. Es ermöglicheGreta Thunberg, fokussiert auf ein Thema zu bleiben, trotz all des Trubels um sie herum. Kunkel stellte das dem gesellschaftlich weit verbreiteten ADHS-Syndrom gegenüber, das schneller Zerstreuung ohne Fokus hinterherläuft.

Viele Beiträge aus dem Publikum

Nun kamen auch leidenschaftliche Beiträge aus dem Publikum zum tragen. Die Lehrerin Gabi Stern plädierte dafür, sich nicht immer wieder in eine Ohnmacht hinein zu bugsieren. „Wir müssen nicht frustrierend gegen etwas kämpfen, sondern entschieden für etwas einstehen.“

Jutta Appel berichtete, wie sie als Mutter durch ihre Kinder zum klimafreundlichem Handeln gedrängt wurde, indem diese die familiären Lebens- und Konsumgewohnheiten beharrlich hinterfragten. Noch weitere Beispiele von der Begeisterung von Kindern beim Naturerleben, von Gartenpädagogen bis hin zum Grünen Klassenzimmer, fügten sich an.

Kinobetreiber Bruno Schneyer schloss den Themenabend mit dem Appell an alle, die Klimasache dem kapitalistischen Wirtschaftssystem schmackhaft zu machen: „Nur wenn wir die Wirtschaft mit dem Klimathema anfixen, dann klappt´s.“

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