Hellingen

Wie Hellingen vor 100 Jahren bayerisch wurde

In lockerer Sitzordnung lauschten die Hellinger den Ausführungen von Kreisheimatpfleger Wolfgang Jäger.
In lockerer Sitzordnung lauschten die Hellinger den Ausführungen von Kreisheimatpfleger Wolfgang Jäger. Foto: Gerold Snater

Vor 100 Jahren wurde der Königsberger Stadtteil Hellingen bayerisch. Hellingen war eines der sieben Dörfer der Exklave Königsberg, welche bis 1920 vom Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha aus verwaltet wurde.

Da in Königsberg selbst wegen Corona keine Erinnerungsfeier abgehalten wurde, organisierten die Hellinger selbst eine kleine Feier vor dem ehemaligen Rathaus. Unter Beachtung der vorgeschriebenen Abstands- und Hygieneregeln waren sie dort zusammen gekommen, um Kreisheimatpfleger Wolfgang Jäger zuzuhören. Dieser berichtete in einem interessanten Vortrag viel über die Geschichte und die Entwicklung Hellingens.

Nicht Teil der DDR

Dabei ging er zunächst auf die seinerzeitige Volksabstimmung in Coburg ein, bei der sich die Bevölkerung gegen einen Anschluss an Thüringen und somit für den Anschluss an den Freistaat Bayern aussprach. Dieser Schritt hatte weiterreichende Folgen für die Menschen des Landes, als man sich das damals hätte vorstellen können.

Der Zugehörigkeit zu Bayern war es nämlich zu verdanken, dass das Coburger Land, und damit auch der Ort Hellingen bei Königsberg 1945 nicht hinter den "Eisernen Vorhang" kam, wie es dem namensgleichen Ort Hellingen bei Heldburg passierte. So blieb den Hellingern bei Königsberg jenes Schicksal erspart, das für nahezu ein halbes Jahrhundert ihren Nachbarn in der 1990 untergegangenen DDR beschieden war.

Im weiteren Verlauf seines Vortrages warf er einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung des Dorfes, das durch seine Zugehörigkeit zu Sachsen schon immer eine besondere Stellung gegen über der ringsum herrschenden katholischen Obrigkeit einnahm

Königsberg als "Kleinst-Exklave"

Für die Zuhörer amüsant zu hören war, dass das nach 1814 geschrumpfte sächsische Amt Königsberg, zu dem Hellingen gehörte, nur noch eine "Kleinst-Enklave" war. Diese überwiegend evangelische "Kleinst-Enklave" war zwar von einem katholischen Umland umgeben, aber zumindest nicht mehr von einem von der katholischen Kirche regierten Ausland umringt.

Aber zwischen Hellingen und den direkten Nachbarorten Junkersdorf, Unfinden, Holzhausen und Römershofen verlief nun eine bayerisch-sächsische Landesgrenze. Dieser Zweistaaten-Zustand führte schon bei so alltäglichen Verwaltungsvorgängen wie Eheschließungen zu einem enormen Verwaltungsaufwand, wenn sie zwischen Einwohnern von Hellingen und den umliegenden "ausländischen" Dörfern geschlossen werden sollten.

Denn die Heirat war zumindest für die Männer mit einer länderübergreifenden Umsiedlung von Bayern nach Sachsen oder von Sachsen nach Bayern verbunden. Bei den "ausländischen" Ehefrauen war die Angelegenheit einfacher, denn eine Ehefrau erwarb durch ihre Verehelichung automatisch die Staatsangehörigkeit ihres Ehemannes, ein besonderer Aufnahmeakt war daher nicht notwendig.

Bald 1200-jähriges Jubiläum

Jäger verschwieg aber auch Vereinfachungen nicht, die 1920 eine Überführung in den Freistaat Bayern mit sich brachten. Für die Hellinger wurde das Leben sofort einfacher. Hellingen wurde mit Königsberg dem bayerischen Bezirksamt Hofheim zugewiesen. Damit fiel die Landesgrenze zwischen Hellingen und seinen Nachbarorten weg. Die Verwaltung rückte näher, da Coburg nun bei Verwaltungsangelegenheiten nicht mehr einbezogen werden musste. Zuvor war der Weg nach Coburg über den Amtsbotenweg (rund 40 Kilometer) jedes Mal sehr weit.

Stadtrat und Ortssprecher Frank Slawik (OHL) bedankte sich herzlich für den Vortrag. Seine Dankesworte verband er mit dem Wunsch nach der Erstellung einer Dorfchronik bis zum Jahre 2024, in dem Hellingen sein 1200-jähriges Bestehen feiert.

Die Organisatoren und Unterstützer der Feier 'Hellingen 100 Jahre bei Bayern' von links: Charly Buld, Stadtrat Frank Slawik (OHL), Hannerlore Rectanus, eine Nachfahrin des Hellinger Heimatdichters Edmund Stubenrauch, Stadtrat Gerhard Hölzer (OHL), Kreisheimatpfleger Wolfgang Jäger.
Die Organisatoren und Unterstützer der Feier "Hellingen 100 Jahre bei Bayern" von links: Charly Buld, Stadtrat Frank Slawik (OHL), Hannerlore Rectanus, eine Nachfahrin des Hellinger Heimatdichters Edmund Stubenrauch, Stadtrat Gerhard Hölzer (OHL), Kreisheimatpfleger Wolfgang Jäger. Foto: Gerold Snater

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