Sailershausen

„Windenergie ist die verträglichste Energie“

Projektingenieur Markus Eichhorn (rechts) informierte die Mitglieder des Bürgerwindparks, hier vor dem Windrad 1.
Foto: Günther Geiling | Projektingenieur Markus Eichhorn (rechts) informierte die Mitglieder des Bürgerwindparks, hier vor dem Windrad 1.

Rund zwei Jahre gibt es nun die „BürgerEnergieGenossenschaft Haßberge“, der mittlerweile rund 450 Mitglieder angehören. Sie zeichneten Anteile in Höhe von 3,2 Millionen Euro und unterstrichen damit eindrucksvoll ihre aktive Beteiligung an der Energiewende. In den vergangenen Wochen und Monaten strich ihr Blick sicherlich öfter über den Sailershäuser Wald auf die Rotoren der zehn Windräder, die ihren Betrieb inzwischen aufgenommen haben. Und nun waren die Mitglieder auch zu einer Besichtigung ihres Bürgerwindparks eingeladen und erhielten dabei neueste Informationen über den Betrieb und zu ihren Fragen.

Das Interesse an der Besichtigung und am Betrieb der zehn Windräder war dabei so groß, dass der erste Termin sehr schnell ausgebucht war und nun für Donnerstag, 28. April, ein weiterer Termin angesetzt werden musste. Heike Appel von der BEG hieß die Teilnehmer herzlich willkommen, die dann von Projektingenieur Markus Eichhorn (Stadtwerk Haßfurt) sowie Ingenieur Gunther Häckner (GUT) in zwei Gruppen an den Windrädern 1 und 2 ausgiebig über das Projekt „Sailershäuser Windpark“ informiert wurden.

„Umfangreiche Untersuchungen“

Dabei wurde noch einmal daran erinnert, dass der Landkreis „umfangreiche Untersuchungen“ vorgeschaltet hatte, wo der größte zusammenhängende Standort für einen Windpark ist. Windmessungen bis auf eine Höhe von 200 Metern, auch unterstützt durch Lasertechnologie und drei unabhängige Gutachten, hätten hier eine entsprechende Grundlage geboten, auf die man habe aufbauen können.

Anschließend seien dann die zehn Standorte festgelegt worden, die sich alle auf öffentlichem Grund befänden. Als da seien: sechs Anlagen auf Flächen der Universität Würzburg, drei Anlagen auf Flächen der Gemeinde Riedbach und eine Anlage auf dem Gebiet der Stadt Königsberg. Natürlich habe es bei der Festlegung auch Konflikte mit naturschutzrechtlichen Belangen gegeben. So habe man den Standort des zweiten Windrades insgesamt viermal verschoben, und nur der „7er“ sei auf dem Ursprungsort geblieben.

Ingenieur Markus Eichhorn betonte, dass alle Biotop-Räume kartiert und als Ausgleich andere Stellen oder auch Bäume unter dauerhaften Schutz gestellt worden seien. Selbst Biotopbäume oder Höhlen für Spechte oder andere Lebewesen hätten dabei Berücksichtigung gefunden. Natürlich habe man für Biotope auch Flächenausgleich schaffen müssen, wie die circa sieben Hektar Waldausgleichsfläche, einen 14 Meter breiten Randbereich um den Wald, Heuflächen und Eichelansaaten. Zusätzlich habe man eine Fläche von einem Hektar ohne Bewirtschaftung herausgenommen. Der Flächenverbrauch für die zehn Windanlagen betrage 7,8 Hektar, während man für den Wegebau zwei Hektar für alle Anlagen oder 2000 Quadratmeter pro Anlage benötigt habe.

Großes Interesse zeigten die Mitglieder an der Bauphase der einzelnen Windräder. Die Gewichte der einzelnen Bauteile brachten die Besucher immer wieder zum Staunen. Das Gewicht der Rotornabe betrage 27 Tonnen, das der Hauptwelle zehn Tonnen und das des Getriebes 23 Tonnen. „Obwohl die drei Rotorblätter aus Glasfaser bestehen, wiegt ein Blatt allein 11,5 Tonnen, und alle drei zusammen wiegen somit 35 Tonnen. Die Blattwurzel hat einen Durchmesser von 2,50 Meter, leicht können sich dort drei Personen bewegen.“

Anlagen für Schwachwindgebiete

Der Anlagentyp „Nordex“ sei speziell für Schwachwindgebiete auf Binnenstandorten entwickelt worden. Die Nabenhöhe von 140 Metern sowie der große Rotordurchmesser mit 117 Metern und mehr als 10 000 Quadratmeter „überstrichener Rotorfläche“ in Kombination mit einem relativ kleinen Generator mit 2400 Kilowatt gewährleisteten eine hohe Auslastung.

Die immer wieder von aufmerksamen Beobachtern gestellte Frage, warum denn die Windräder öfter auch stehen, fand auf einfache Weise ihre Beantwortung. „Die Rotoren laufen bei einer Windgeschwindigkeit von drei Metern in der Sekunde bis hin zu 20 Metern Wind in der Sekunde. Davor und danach schalten sie sich ab. Bei einer Windstärke von drei bis zehn Metern pro Sekunde steigt die Rotorgeschwindigkeit, ab zehn Metern bleibt die Umdrehung konstant mit 13 Umdrehungen pro Minute.“

Das genügte aber einigen noch nicht. Die meinten: „Am letzten Wochenende war es doch so schön, und trotzdem liefen die Windräder nicht.“ Die Erklärung von Markus Eichhorn folgte prompt: „Am letzten Wochenende war das Wetter zu schön und wir hatten zu wenig Wind.“

Einem Teilnehmer war aber aufgefallen, dass ein Teil der Windräder dann doch wieder lief. Das sei doch etwas merkwürdig. Eichhorn hatte aber auch hierfür die Erklärung: „Die vorderen Anlagen stehen mehr am Berg, und da ist die Windhöffigkeit besser als in Richtung Kreuzthal, wo das Gelände etwas abfällt. Auch bietet das Windfeld für die zehn Anlagen nicht überall die gleiche Windleistung.“ Alle Anlagen würden von der Windmessfahne und einer zusätzlichen Ultraschallmessung gesteuert, Maschinenhaus und Rotorblätter würden dementsprechend ausgerichtet.

„Vergütung läuft weiter“

Dass die Vergütung aber weiter laufe, wenn die Anlage aus anderen Gründen abgeschaltet werde und sich die Windräder nicht drehten, beruhigte die Anteilseigner, die sich ja auch eine entsprechende Rendite aus ihren Einlagen erhoffen. In diesem Zusammenhang lenkte Ingenieur Markus Eichhorn den Blick auf das neue Projekt „power-to-gas“, mit dem sich die Stadtwerke in jüngster Zeit befassten, gemeinsam mit der Fachhochschule Schweinfurt, der Siemens AG, der Linde AG und anderen Dienstleistern. Ziel sei es dabei, mit Hilfe von überschüssigem Strom durch eine Elektrolyse Wasser in Wasser- und Sauerstoff zu trennen. Der gewonnene Wasserstoff könne anschließend gespeichert oder ins Erdgasnetz gespeist werden. Und mit dem gespeicherten Wasserstoff werde bei Bedarf durch ein BHKW wieder Strom erzeugt.

Zur großen Zufriedenheit der Mitglieder der Bürger-Energie-Genossenschaft teilte der Projektingenieur mit, dass die Anlage bisher ihre Sollwerte erfülle und mit ihr 52 bis 55 Millionen Kilowatt-Stunden Strom im Jahr erzeugt werden könnten. Alle zehn Windräder liefen noch im Probebetrieb und stünden kurz vor der Abnahme durch den Hersteller.

In der Diskussion kamen auch neuerliche Presseberichte und angebliche Belästigungen von Anwohnern zur Sprache. Ingenieur Eichhorn meinte hierzu, dass jeder Bürger Energie haben wolle. Die Windenergie biete auf jeden Fall im Gegensatz zu Kohlekraftwerken und anderen Anlagen die „verträglichste Sicht“. Dass Windenergie auch als zu laut empfunden werde, sei oft eine rein persönliche Wahrnehmung. „Bei starkem Wind ist der Wald bestimmt lauter als das Windrad“, bemerkte er dazu.

Man habe auch eine Schattenabschaltautomatik eingebaut. „Wenn die Sonne scheint und ein Schattenschlag auf irgendein Gebäude trifft, dann wird das Windrad abgeschaltet. Diese Abschaltung ist meist nur für acht bis zehn Minuten notwendig, dann ist der Schatten wieder weg, und dann wird automatisch wieder zugeschaltet.“ Wenn sich aber jemand auf dem Acker befinde und es hier zu einem Schattenschlag komme, dann schalte sich die Anlage natürlich nicht ab.

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