Knetzgau

Wort zum Wochenende: Das Leben kommt von vorn

Johannes Simon
Johannes Simon Foto: Carina Glück

So ganz anders als normal fühlt sich das Leben derzeit für mich an. "Anders normal" nannte das unlängst meine Tochter aus dem fernen Hamburg am Telefon. Sie hat Recht. Das Leben verändert sich radikal in diesen Wochen.

Anders normal: Zurzeit mit meiner Frau sieben Tage die Woche meist 24 Stunden zusammen.

Anders normal: Gottesdienst am Bildschirm. Am Karsamstagabend alleine in einer kleinen Kirche statt Osternachtfeier mit Osterfeuer in einer Pfarrei.

Anders normal: Videokonferenz, WhatsApp und Telefon neben den üblichen Mails als Kommunikationskanäle zur Absprache mit Kollegen und für das Freundschaftsnetz.

Anders normal – diesen Zustand erlebten auch Menschen, als dieser Jesus aus Nazareth, auf den sie alle Hoffnung gesetzt hatten, nach seinem Tod am Kreuz nicht mehr greifbar war. Nach dem Schock seines Todes waren sie konfrontiert mit einem leeren Grab und der Botschaft: "Er ist nicht hier. Er ist auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa." Galiläa steht hier für die Heimat, die Herkunft, die Familien, die Alltagswelt der Jüngerinnen und Jünger Jesu. Nicht im Osterglanz, sondern im Alltagsstaub werden sie dem Auferstandenen begegnen. Beim Fischen. In der Runde der Enttäuschten hinter verschlossenen Türen. Diese Erzählungen der Bibel lese ich in diesen Tagen mit anderen Augen.

Ich erlebe die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten 2020 so ganz anders als normal und beginne, wie die Jünger damals, neu zu buchstabieren: Aus den Augen ist eben nicht aus dem Sinn. Ich darf glauben, auch wenn ich es nicht sehe: Dass es den Kindern gut geht. Dass die Kollegin die Arbeit erledigt. Dass mein Beten und Denken auch in Zeiten wie diesen Gottes Ohr erreicht. Dass Freundschaft auch ohne direkte Begegnung trägt. Dass vermutlich derzeit Abstand die beste Weise ist, dem anderen nahe zu sein.

Anders normal. Und Gott ist mitten drin. Mitten in unserem Kümmern umeinander. In unserer Suche nach angemessenen Entscheidungen. In meinen trüben Gedanken. In der Zuversicht, die ich schöpfe. In der Begegnung am Wertstoffhof. Unterwegs auf dem Rad in der aufblühenden Natur. Und sagt: "Mach weiter. Das Leben kommt von vorn. Ich lebe und du sollst leben."

Autor: Johannes Simon, Pastoralreferent aus Knetzgau und Familienseelsorger im Dekanat Haßberge

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