Ditterswind

Zeit des Leerstands geht vorüber

Auf der Terrasse des Schlosses Ditterswind: (von links) Besitzer Thomas Fischer, seine Lebensgefährtin Anja Herrmann, Mutter Lore Fischer und Bürgermeister Wolfram Thein.
Foto: Beate Dahinten/Michael Mößlein | Auf der Terrasse des Schlosses Ditterswind: (von links) Besitzer Thomas Fischer, seine Lebensgefährtin Anja Herrmann, Mutter Lore Fischer und Bürgermeister Wolfram Thein.

Thomas Fischer hat schon etliche Immobilien gekauft, saniert, vermietet. Doch ein Schloss hat dem Geschäftsmann aus Lichtenfels noch gefehlt. Am 23. Juni hat sich das geändert. An diesem Tag hat er die Schlüssel für den früheren Adelssitz mitten in Ditterswind erhalten. Bis der neue Besitzer mit seiner Familie dort einzieht, wird es allerdings noch einige Zeit vergehen. Vorher muss das Schloss, das eineinhalb Jahre leer stand, saniert werden.

Fischer, der sein Alter selbst mit „40 plus“ angibt, ist in der Region kein Unbekannter. Er ist in den vergangenen Jahren mehrfach als Investor aufgetreten, hat das alte Pfarrhaus in Bundorf saniert sowie ein weiteres Haus in der Nachbarschaft.

Freizeitpark – und jetzt ein Schloss

Erst vor einem Monat wurden Pläne für einen sieben Hektar großen Freizeitpark bekannt, den Fischer zwischen Bundorf und Neuses eröffnen möchte, mit einer Parcours-Strecke für Pistenraupen.

Und jetzt das knapp 300 Jahre alte Schloss: 35 Zimmer, über 2300 Quadratmeter Wohnfläche, auf einem 32 000 Quadratmeter großen Areal samt Park und Nebengebäuden. Anzeichen für einsetzenden Größenwahn?

Keineswegs, findet der neue Schlossherr. Der Kauf sei keine Kurzschlusshandlung gewesen. Seit zwei Jahren habe er den Kauf verfolgt, also noch zu einem Zeitpunkt, als die letzten Bewohner der Rummelsberger Diakonie dort lebten. Die Einrichtung für behinderte Menschen im Schloss wurde im Dezember 2015 endgültig geschlossen.

In fünf bis zehn Jahren, so Fischers Zeitplan, möchte er das historische Gebäude sanieren. In „einem kleinen Teil“, sagt er, wird er künftig mit seiner Großfamilie (Fischer: „35 Köpfe, die weltweit verstreut sind“) leben. Den Rest der Räume plant er an Start-Up-Unternehmer zu vermieten. Er möchte „junge, kluge Köpfe in jeglicher Hinsicht unterstützen“, kündigt er an, auch mit Ideen. Nur etwas müssten sie mitbringen: ein fundiertes Geschäftskonzept. Darauf legt Fischer Wert, wie er betont. Diesen Maßstab legt er auch bei seinen eigenen Investitionen an.

An die Grenze seiner Auskunftsbereitschaft stößt, wer nach dem Preis fragt, den er für Schloss Ditterswind gezahlt hat.

Kaufpreis bleibt geheim

Hierüber sei mit dem Verkäufer, dem Verein Rummelsberger Diakonie, Stillschweigen vereinbart worden. Doch realistisch dürfte ein Kaufpreis von annähernd einer Million Euro sein. Auf einem Internet-Portal für Immobilien-Verkäufe war das Schloss Ende Juni in einer mittlerweile gelöschten Anzeige für 1,15 Millionen Euro angeboten worden. Vor rund einem Jahr hatte der von einem Makler angegebene Kaufpreis noch bei 1,75 Million Euro gelegen.

Dies deutet darauf hin, dass es die Rummelsberger Diakonie ernst gemeint hat mit ihrer Ansage, das Schloss in gute Hände abgeben zu wollen – und nicht an denjenigen, der den höchsten Preis zu zahlen bereit war. Der Preis sei nicht „das Entscheidende, sondern eine sinnvolle Nutzung“, hatte Matthias Grundmann, der bei den Rummelsbergern mit dem Schlossverkauf beauftragte Projektmanager, etwa vor einem Jahr gegenüber dieser Redaktion gesagt.

Und auch ohne genaue Einblicke in Kosten und Finanzierung dürfte feststehen: Als Schnäppchen kann das Schloss kaum bezeichnet werden. Denn selbst wenn der mutmaßliche Kaufpreis angesichts der Größe des Objekts günstig erscheint, so ist jedem klar: Bis der Besitzer das Schloss grundlegend saniert hat, wird er ein Vielfaches des Geldes, das er für den Erwerb gezahlt hat, investieren müssen, wenngleich der bauliche Zustand des denkmalgeschützten Gebäudes nicht als marode gilt. Doch seit der letzten grundlegenden Sanierung sind 30 Jahre vergangen.

Öffentliche Zuschüsse zum Erwerb des Schlosses sind denkbar. Inwieweit er Geld aus Mitteln des Denkmalschutzes erhalten kann, möchte Fischer prüfen lassen.

Förderprogramm der Gemeinde

Die Gemeinde Maroldsweisach unterstützt auf Antrag Käufer von Immobilien oder Grundstücken, die dort wohnen möchten, mit zehn Prozent des Grundstückswerts. Dieser ermittelt sich aus dem Bodenrichtwert, der in Ditterswind laut Auskunft der Gemeinde bei fünf Euro pro Quadratmeter liegt. Doch für sehr große Anwesen, wie dem Schloss-Areal, würde der mögliche Zuschuss nach der bebauten Fläche sowie dem bebaubaren Umfeld berechnet. Hier gelten individuelle Regelungen. Und ein Anspruch auf die Förderung besteht auch nicht. Voraussetzung ist, dass im Gemeindehaushalt genügend Geld vorhanden ist.

Anfragen interessierter Käufer hatte es in den zurückliegenden Monaten immer wieder gegeben, bestätigt Maroldsweisachs Bürgermeister Wolfram Thein. Diese hätten teils auch ernst zu nehmende Konzepte vorgelegt, wie die Einrichtung einer Jugendherberge mit Greifvogelshow. Es gab allerdings auch Interessenten, die von vornherein ausschieden. So hatten sowohl die Gemeinde als auch der Verkäufer ausgeschlossen, das Schloss etwa an eine Sekte oder Vertreter rechtsradikaler Kreise zu verkaufen.

Insoweit erscheinen die Pläne des neuen Besitzers, das Schloss in mehrerer Hinsicht zu nutzen – als eigenen Wohnsitz, als Gründerzentrum, vielleicht auch zur Einrichtung von Ferienwohnungen – vielen vor Ort sehr sympathisch. „Wir sind alle erleichtert, dass das Schloss jetzt eine Zukunft hat“, berichtet beispielsweise Pfarrer Wolfgang Scheidel. Schließlich sei das Schloss schon immer das Zentrum des Dorfes.

Park nicht mehr frei zugänglich

Der Pfarrer hat Thomas Fischer und dessen Lebensgefährtin bereits kennengelernt, und er hat die Begegnung während der Feier des Sonnwendfeuers in guter Erinnerung. Diese war am Abend der Schlüsselübergabe an den neuen Hausherrn im Schlosspark – mit dessen Erlaubnis. Künftig wird der englische Landschaftsgarten des Schlosses jedoch nicht mehr frei zugänglich sein, bittet der Besitzer darum, die Einfriedung des Areals zu beachten.

Im Park hat die Rekultivierung bereits begonnen. Ein Brunnen wurde gesäubert und läuft wieder. Die riesigen Rasenflächen sind frisch gemäht und Gefahren, die von Bäumen ausgingen, wurden beseitigt. Die Arbeiten im Park werden der Schwerpunkt in diesem Sommer sein, kündigt der neue Besitzer an – bevor es im Inneren des Schlosses weitergeht.

Geschichte des Schlosses Ditterswind

Die alte Adelsfamilie der Herren von Stein zu Altenstein ließen das Schloss in Ditterswind von etwa 1711 bis 1743 erbauen. Ende des 18. Jahrhunderts war der Besitz an die Fuchs von Bimbach und Dornheim übergegangen. Von 1841 bis 1950 besaß die im Jahr 1884 geadelte Familie von Deuster das Anwesen. 1880 hatte diese begonnen, das Schloss im Stil der Neurenaissance umzubauen und zu erweitern.

Nach einer kurzen Besetzung durch amerikanische Truppen nach Ende des Zweiten Weltkriegs diente das Schloss als Flüchtlingsdurchgangslager. Im Jahr 1950 erwarb die Rummelsberger Diakonie das Schloss, die dort ein Altenheim, später ein Kindererholungsheim betrieben. Seit 1967 boten sie Wohn- und Förderplätze für Menschen mit Behinderungen an, bis die Einrichtung im Dezember 2015 geschlossen und die Bewohner auf dezentrale Einzelappartements und Wohngemeinschaften in Ebelsbach, Zeil, Ebern und Hofheim verteilt wurden.

 
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