Kitzingen

40 Jahre Grüne im Landkreis: Das Ziel ist ein grüner Landrat

Der Kreisverband der Grünen in Kitzingen feiert in diesen Tagen sein 40-jähriges Bestehen. Wir haben deshalb ein erfahrenes Mitglied und einen Politik-Neuling interviewt.
Anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Kreisverbands Kitzingen der Grünen haben Moritz Hornung (rechts) und Peter Laumer diese Redaktion besucht, um über unterschiedliche Motivationen, eine bewegte Vergangenheit und kommende Ziele zu sprechen. Foto: Adrian Schuppert

Peter Laumer aus Schwarzach und Moritz Hornung aus Volkach trennen knapp 37 Jahre Altersunterschied. Was den 22-jährigen dualen Studenten und den 59-jährigen Ingenieur und Informatiker allerdings eint, ist ihr gemeinsames Engagement im Kreisverband Kitzingen der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Was waren die Gründe für Laumer, sich vor Jahrzehnten den Grünen anzuschließen? Welche Ziele stehen für Hornung heute im Vordergrund? Die beiden sprechen bei einem Kaffee über ihre unterschiedlichen Motivationen, die Geschichte der Kreis-Grünen und kommende Ziele.

Frage: Herr Laumer, Herr Hornung, was war Ihre jeweilige Motivation, ausgerechnet den Grünen beizutreten?

Peter Laumer: Bei mir war es die Orientierung am Tier- und Naturschutz, also aus der Ökoecke. Ich war damals 23 oder 24 Jahre alt und hatte große Fragen wie "Wohin geht es mit der Menschheit?" Da waren es die Grünen, die mir darauf eine Antwort gegeben haben.
Moritz Hornung: Bei mir kommt noch der kommunalpolitische Hintergrund dazu. Ein einschneidendes Erlebnis war für mich die Entscheidung für das Stelzenhotel in Volkach. Da war ich von Anfang an dagegen. Das hat mich schockiert, dass das mit 20:0 Stimmen im Stadtrat entschieden wurde. Wir haben das dann zusammen mit dem Verein Landschaftsschutz Mainschleife und dem Bund Naturschutz in einem Bürgerentscheid gekippt. Dadurch wurde ich wachgerüttelt, dass man auf kommunaler Ebene einen Kurswechsel herbeiführen muss.

Herr Laumer, Sie sind seit über 20 Jahren Mitglied bei den Grünen: Wie hat sich der Kreisverband Kitzingen hinsichtlich seiner Agenda und Arbeitsweise verändert?

Laumer: Veränderungen gab es in jedem Fall. Ganz in den Anfängen waren wir auch auf kommunaler Ebene vollständig außerparlamentarische Opposition. Das heißt, wir waren eine Bewegung mit Aktivitäten, wie spontanen Versammlungen, Demos und dergleichen. Die wurde dann oftmals noch von den jeweiligen Verwaltungen im Kreis blockiert. Außerdem gab es letztlich keinen Zugriff auf politische Institutionen. Man war also nicht im Gemeinderat oder Kreistag.

Damals waren unsere Ausdrucksformen radikaler und demonstrativer. Später haben wir lange Zeit damit gekämpft, diese Form und die parlamentarische Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Da war die Frage: Ist die Arbeit in solchen Parlamenten schon Verrat an der Idee? Das ist mittlerweile längst vorbei. Trotzdem sind Bewegungen wie Fridays for Future noch immer ein Motor für uns. Es zeigt sich also, dass beides gebraucht wird.

Moritz Hornung (links) und Peter Laumer. Foto: Adrian Schuppert
Die Grünen befinden sich bundesweit in einem Höhenflug. Sieht man das auch im Kreisverband Kitzingen? Haben Sie beispielsweise steigende Mitgliedszahlen?

Laumer: Definitiv. Wir haben mittlerweile Verbände in Orten, von denen wir früher nicht einmal träumen konnten.
Hornung: Man sieht ja auch: Unsere Themen bewegen die Menschen. Wir hatten in Volkach in diesem Jahr zwei Infoveranstaltungen zum Thema "Insektenfreundlicher Garten" und "Elektromobilität" mit Fachleuten zum Beispiel vom Fraunhofer-Institut, und der Saal war beide Male brechend voll. Dadurch erkennt man deutlich, dass die grünen Themen gut ankommen.

Warum ist es wichtig, sich auf kommunaler Ebene politisch zu engagieren?

Laumer: Zwei Antworten, und da bin ich ausnahmsweise mal ganz bei der CSU (lacht). Erstens braucht man den Kontakt mit den Leuten im Dorf. Man muss wissen, was die Beweggründe, die Motivation und die Schmerzen der Leute vor Ort sind. Zweitens wird man erst ernst genommen in den entscheidenderen Schaltstellen, wie im Bund oder auf europäischer Ebene, wenn man darauf verweisen kann: Da stehen noch einige Leute hinter uns und unseren Ideen.
Hornung: Ich kann nur jedem Bürger empfehlen, mal einer Sitzung im Stadtrat beizuwohnen. Denn ich bin schockiert, wie sich manch einer, teilweise ohne mit der Wimper zu zucken, über deutschlandweit geltende Vorschriften hinwegsetzt. Und noch viel alarmierender: Man wird als Bürger von manchen Kommunalpolitikern regelrecht verachtet, wenn man sich traut, auf gewisse Missstände hinzuweisen. Das muss sich ändern, wir brauchen mehr Offenheit und Transparenz.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Kreisverbandes?

Hornung: Ich persönlich fände es klasse, wenn wir in Zukunft in allen größeren Städten und Dörfern flächendeckende Ortsverbände hätten. Von daher müssen wir auch langsam, aber sicher auf Kreisverbandsebene unser Engagement weiter ausbauen.
Laumer: In zehn Jahren im Landkreis Kitzingen ein grüner Landrat. Das wäre dann der Punkt, an dem ich sagen würde, dass sich die Arbeit gelohnt hat.

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