ALBERTSHOFEN

40 Paare halten beim Wasentanz die Tradition hoch

Begeisterte Tänzer: Insgesamt 40 Paare fanden sich unter den Bedingungen, noch nicht verheiratet zu sein und dass einer von beiden aus Albertshofen kommt auf dem Albertshöfer Wasen zusammen. Unter den Klängen der Großlangheimer Musikanten tanzten die Paare eine ausgedehnte Polonaise und hernach einen mehr oder minder gelungenen Walzer. Foto: Fotos (2): Hartmut Hess

In der „Alwerhöifer Kerwazeitung“ schrieb Pascal Philp heuer von der „Magie am Wasen“ – konnte seine These aber nicht belegen. Auch unter den 40 jungen Paare, die am Dienstag die Tradition hoch hielten, machte sich keine Magie breit, wenngleich die Protagonisten sich ihrer Rolle bewusst waren, vor Hunderten Schaulustigen sprichwörtlich im Mittelpunkt zu stehen.

Seit mittlerweile 130 Jahren gibt es die Tradition des Wasentanzes, die einst ihren Anfang darin nahm, dass die Bürger im Jahr 1882 mit dem Wasentanz der Obrigkeit trotzten. Die Dorfoberen hatten damals den Plantanz zur Kirchweih im Ort verboten. In einem Akt des zivilen Widerstands veranstalteten die Jugendlichen in Albertshofen kurzerhand einen Tanz außerhalb des Ortes auf einer Wiese, womit der Wasentanz geboren war.

Bis 1982 ging der Wasentanz auf einer Wiese in der Kitzinger Straße über die Bühne, ehe die Kirchweihburschen den Standort an den heutigen Platz hinter der Gartenlandhalle verlegten. Dort spürte Pascal Philp im vergangenen Jahr bei seinem letzten Wasentanz als Anführer und Kirchweihprediger eine Magie, die er freilich in der Einsamkeit der Nacht nach dem Kehraus nicht mehr zu finden vermochte.

Philp kam dann die Erkenntnis, dass nicht der Wasen das Magische darstellt, sondern der Wasendienstag als solches, „tun wir doch das gleiche, was schon unsere Väter und Großväter getan haben“.

Heuer erlebten – wie Philp im vergangenen Jahr – zwei Männer ihre letzte Kerm als Aktive. Der Älteste, der normalerweise die Paare beim Wasentanz anführt, übte sich im Verzicht und deswegen übernahm der Mitausscheider Matthias Hering die Führungsrolle mit seiner Tanzpartnerin Bettina Felbinger.

Weinprinzessin Regina Ehrlich ließ sich heuer zum siebten Mal über den Wasen führen, inzwischen zum fünften Mal von ihrem Freund Michael Meier. Insgesamt 40 Paare fanden sich – unter den Bedingungen, noch nicht verheiratet zu sein und dass einer von beiden aus Albertshofen kommt – zusammen. Unter den Klängen der Großlangheimer Musikanten tanzten die Paare eine ausgedehnte Polonaise und hernach einen mehr oder minder gelungenen Walzer.

„Es ist einfach etwas Besonderes vor den vielen Leuten über den Wasen zu tanzen“, sagte Weinprinzessin Regina Ehrlich, die den Wasendienstag zum „höchsten Feiertag im Jahr“ erhebt. Sie mag noch lange nicht an den Abschied vom Wasentanz denken und drehte sich weiter und weiter mit ihrem Partner.

Derweil drängten sich die zwei jungen Barthelträger (Träger von Weinkrügen) Dominik Gernert und Kim Rudolph mit einigen Kapriolen, wie sie gegenseitig als lebendige Schubkarren über den Wasen schieben, in den Fokus. Je länger sich der Tanz hinzog, umso mehr stieg Göikerer Peter Reidelbach im Kurs der Burschen, sorgte er doch mit Weinflaschen für den Wein-Nachschub bei den Burschen.

Hernach rückten die Göikerer (ehemaligen Kirchweihburschen) mit ihrem Ober-Göikerer Dirk Reidelbach mit ihrer „Arena“ in den Mittelpunkt. Denn nach der Tradition folgt das Göikerschlagen dem Wasentanz. Dabei bekommen die Teilnehmer die Augen zugebunden, eine Holzstange in die Hand, per Zuruf Zieleinweisungen und lassen die Stange dann fallen, um Ton-Blumentöpfe zu zerdeppern.

Dabei entpuppte sich Bürgermeister Horst Reuther routiniert und Pfarrer Otto Gölkel begann rekordverdächtig mit vier Treffern in Folge.

Lebender Schubkarren: Dominik Gernert und Kim Rudolph zeigten ein „Schubkarrenrennen“ der besonderen Art beim Albertshöfer Wasentanz.

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