KITZINGEN/PRICHSENSTADT

60 Jahre Kätherle: Schoppen-Beilage in Handarbeit

60 Jahre Kitzinger Kätherle: Bäcker Harald Eichinger produziert das Gebäck bis heute in Handarbeit. Foto: Martin Nefzger

Es ist ein Verkaufsschlager aus dem Landkreis: das Kitzinger Kätherle. Das Delikatessengeschäft Dallmayr verkaufte es bereits in seinen Läden, Weingüter in ganz Deutschland bieten es bei Verkostungen an. Und auch bei der Faschingssitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ wurde das Salzgebäck schon serviert.

Erfunden hat es der Bäcker Hans Eichinger vor fast 60 Jahren. Damals, zum ersten Kitzinger Weinfest, suchte man ein Gebäck, dass zu den edlen Tropfen gereicht werden konnte. Bei der Ausschreibung beteiligten sich 36 Bäcker, den Zuschlag erhielt Eichinger. Hergestellt wird es bis heute in der Bäckerei der Familie – bereits in der dritten Generation. „Und zwar in reiner Handarbeit“, sagt Harald Eichinger, der heute das Geschäft leitet.

Fränkische Backwaren in Prichsenstadt

Die Bäckerei, früher in der Kitzinger Kaiserstraße gelegen, ist mittlerweile nach Prichsenstadt umgezogen. Dort, in dem winzigen Verkaufsraum der Bäckerei, die traditionelle fränkische Backwaren herstellt, fühlt man sich in vergangene Zeiten zurückgesetzt. Holzregale voller Backwaren schmücken die Wände. Auf dem kleinen Tresen stapeln sich gut gefüllte Tüten. Es duftet nach Gewürzen und Brot. Und auch das Kitzinger Kätherle gibt es hier zu kaufen.

Seinen Namen verdankt das Gebäck einer Figur in der Außenmauer des Kitzinger Rathauses. Das echte Kitzinger Kätherle soll die Nachbildung einer Nonne sein, die im Kloster wegen ihres exzessiven Weingenusses in Ungnade gefallen war. Von ihren Schwestern verstoßen, ließ sie sich, mit Weinreben geschmückt, in Stein verewigen und zeigte so, was sie von ihrer Verbannung hielt.

Das Kätherle, das zum Frankenwein gereicht wird, ist freilich etwas kleiner als seine steinerne Namensgeberin. Etwa so groß wie eine Nürnberger Bratwurst sind die kleinen Happen. Ihr Rezept ist streng geheim und wird in der Familie Eichinger von Generation zu Generation weitergegeben. „Daran hat sich seit 60 Jahren nichts geändert“, sagt Bäcker Eichinger.

Das Kätherle bei Deutschlands größtem Weinfest

Ein besonderer Höhepunkt war für ihn die Weinwelt München im Jahr 2005. Beim größten Weinfest Deutschlands servierte er sein Kätherle, einige Hundert Tüten hatte er dafür produziert. „Das war schon ein Erlebnis“, sagt er. Noch heute liefert er sein Gebäck an Weinfeste in ganz Deutschland.

Das Besondere am Kätherle ist für den Bäcker die Konsistenz. „Zum Wein muss es etwas Knuspriges sein“, erklärt er. „Aber knusprig ist etwas anderes als hart, das ist wichtig.“ Getestet, ob die Gebäckstücke gelungen seien, hätte immer seine Tochter. „Die hat mir die Dinger auch mal nachgeworfen, wenn es ihr nicht geschmeckt hat“, sagt er und lacht.

 
Das Kitzinger Kätherle am Rathaus ist die Namensgeberin für das Gebäck. Foto: Ralph Hartner

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