Geiselwind

A-3-Ausbau nach Nürnberg soll im Sommer starten

Ganz ohne Vater Staat: Ein privates Konsortium wird die Erweiterung der A 3 von Biebelried bis zum Kreuz Fürth/Erlangen übernehmen. Wie das geht und wie lange es dauert.
Der sechsstreifige Autobahnausbau bei Geiselwind wurde vorgezogen und ist seit vergangenem Herbst abgeschlossen. Damit bekam der Ort an der A 3 auch die lange ersehnte und hart erkämpfte Lärmschutzwand über 4,2 Kilometer. Foto: Frank Weichhan

Die Vorboten für den Ausbau der A 3 zwischen Biebelried und Geiselwind sind nicht zu übersehen: Über Kilometer hinweg wurde in den vergangenen Monaten entlang der Autobahn gerodet. Die gefallenen Bäume und Sträucher sind der Auftakt zu der Mammutaufgabe, die A 3 auf den knapp 80 Kilometern zwischen Biebelried und dem Kreuz Fürth/Erlangen sechsstreifig auszubauen. Während die Arbeiten zwischen Biebelried und Frankfurt seit Jahren auf Hochtouren laufen und bis Ende 2021 fertig sein sollen, steht man zwischen Biebelried und Nürnberg erst am Anfang.

Ein Anfang, der auf ungewöhnliche Füße gestellt wird: Nicht mehr die Autobahndirektion Nordbayern und damit der Staat ist Bauherr, sondern ein privates Konsortium. Möglich wird dies durch den früheren Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der Anfang 2015 verstärkt Privatinvestoren ins Spiel brachte und bereits bestehende Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP) unter neuen Vorzeichen und unter dem Titel "Neue Generation ÖPP" anschob. Die Autobahn wird bei diesem Modell nicht privatisiert und bleibt in öffentlicher Hand.

Es gibt inzwischen einige dieser ÖPP-Projekte; der A-3-Ausbau zwischen Biebelried und Fürth/Erlangen dürfte jedoch das größte werden. Das Ganze funktioniert so: Ein privates Konsortium, hinter dem im Regelfall größere Baufirmen stecken, baut zunächst auf eigene Rechnung und ist anschließend auch 30 Jahre für Erhaltungs- und Betriebsmaßnahmen zuständig. Dafür gibt es innerhalb dieses Zeitraumes eine monatliche Vergütung, die der Staat dem Konsortium zahlt. Das Modell ist nicht unumstritten, hat aber zwei Vorteile: Es wird zum einen zügig gebaut. Zum anderen lassen sich die Kosten für die öffentliche Hand – es geht um weit über eine Milliarde Euro – über Jahrzehnte strecken.

200 Hektar gerodet

Der ursprüngliche Zeitplan hatte vorgesehen, dass Anfang dieses Jahres feststehen sollte, wer den Zuschlag für den Bau bekommen würde, so dass es im Mai mit den Arbeiten hätte losgehen können. Der Plan ist inzwischen hinfällig, die Vorbereitungen dauern länger, es gibt einen neuen Starttermin: Jetzt soll es laut Autobahndirektion Nürnberg im Sommer losgehen. Für die Fertigstellung der Gesamtstrecke ist weiterhin – als sportliches Ziel – Ende 2024 ins Auge gefasst.

Die kürzlichen Rodungen fanden - als letzte öffentliche Maßnahme - noch im Auftrag der Direktion statt. Insgesamt umfasst die Abholzung entlang der 76 Kilometer langen Strecke rund 200 Hektar Fläche, wobei es sich bei dem Großteil der zu holzenden Flächen um "Streckenbegleitgehölz auf den Autobahnböschungen" handelt. Wie die Direktion auf Anfrage mitteilt, fallen Waldflächen in einer Größenordnung von 35 Hektar dem Ausbau zum Opfer. Hierfür werden – wie gesetzlich vorgeschrieben – neue Waldstücke angelegt.

Vergabeverfahren läuft noch 

Nicht festlegen will man sich in Nürnberg, wann das Vergabeverfahren beendet ist und der künftige Betreiber feststeht. Man hält sich eher bedeckt: "Der Abschluss des Verfahrens wird für die nächsten Monate angestrebt", heißt es aus der Pressestelle in Nürnberg. Und: "Bei einem zügigen Abschluss des Vergabeverfahrens könnte diesen Sommer mit dem Ausbau begonnen werden."

Für die Autobahnmeisterei Geiselwind bedeutet das die Schließung. Alle 19 Mitarbeiter hatten frühzeitig – etwa vor zwei Jahren – von dem drohenden Ende erfahren. Ihnen wurden sowohl bei benachbarten Autobahnmeistereien als auch bei Straßenmeistereien der Staatlichen Bauämter neue Stellen angeboten. Für die 30 Jahre dauernde Vertragslaufzeit des ÖPP-Projektes übernimmt der künftige Betreiber das Gehöft der Autobahnmeisterei Geiselwind, um von dort aus den eigenen Betriebsdienst zu organisieren.

Fünf Kilometer ausgebaut

Rund um die Anschlussstelle Geiselwind hat man den Ausbau bereits hinter sich: Die sechs Streifen sind fertig, ebenso die sich über 4,2 Kilometer ziehenden Lärmschutz-Wälle. Die 29 000 Quadratmeter Lärmschutzanlagen waren hart erkämpft: 2005 hatte das Autobahndorf aufbegehrt und den vorzeitigen Ausbau der A 3 samt Lärmschutz vehement gefordert. Der Verkehr auf einer der wichtigsten deutschen Hauptverkehrsachsen rollte teilweise weniger als 50 Meter entfernt an den Häusern vorbei. Am Ende trugen elf Jahre Kampf den Sieg davon. Für den Geiselwinder Abschnitt gab es 2009 Baurecht. Anfang 2016 begann der vorzeitige Bau für die knapp fünf Kilometer rund um Geiselwind. Alleine dafür lagen die Kosten bei gut 57 Millionen Euro.

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