Krautheim

"Alkoholfrei" trinken gegen das Coronavirus

Beim Brauen von alkoholfreiem Bier fällt Alkohol als Abfallprodukt an. Die Brauerei Düll gibt diesen an Kliniken und Apotheken ab, um daraus Desinfektionsmittel herzustellen.
Bierfahrer Sebastian Wüst von der Brauerei Düll in  Krautheim hat eine wichtige Ladung an Bord seines Lasters: Alkohol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln.
Bierfahrer Sebastian Wüst von der Brauerei Düll in Krautheim hat eine wichtige Ladung an Bord seines Lasters: Alkohol zur Herstellung von Desinfektionsmitteln. Foto: Caroline Düll

In Zeiten der Coronavirus-Krise mangelt es vielerorts im Land an Desinfektionsmitteln. In Kliniken, Apotheken und beim Blutspendedienst sind diese mittlerweile Mangelware. Die Brauerei Düll in Krautheim hat nun fast 3000 Liter Alkohol zur Produktion von Desinfizierungsmitteln zur Verfügung gestellt. Der Alkohol ist bei der Herstellung von alkoholfreiem Bier angefallen.

Brauereichef Friedrich Düll appelliert an die Bevölkerung: "Trinken Sie regionales alkoholfreies Bier oder Radler, damit weiterer Alkohol für die dringend benötigten Desinfektionsmittel bereitsteht." Überhaupt rät er den Verbrauchern, die regionalen Betriebe wie Bäcker, Metzger und Lebensmittelbetriebe zu bevorzugen. Die Gaststätten könne man durch Essen-zum-Mitnehmen unterstützen. Nur so könnten die lokalen Kleinunternehmen möglichst schadlos die Krise überstehen. "Existenzen stehen auf der Kippe", befürchtet er.

Schwerer Schicksalsschlag

Friedrich Düll gehört selbst zum Kreis der Corona-Risikopatienten. Das Jahr 2020 hat für ihn und seine Familie nicht gut begonnen. Am 19. Januar erlitt der Brauereiinhaber eine Gehirnblutung. Nach kritischen Wochen in der Klinik und in der Reha hat er sich mittlerweile einigermaßen erholt. Sein Körper macht aber noch nicht ganz das, was er gerne will. Aber er kann schon wieder lachen.

Drei Monate nach einer Gehirnblutung lässt sich Brauereichef Friedrich Düll von seiner Tochter Caroline das erste alkoholfreie Weizen einschenken. 
Drei Monate nach einer Gehirnblutung lässt sich Brauereichef Friedrich Düll von seiner Tochter Caroline das erste alkoholfreie Weizen einschenken.  Foto: Peter Pfannes

Die lebensbedrohliche Erkrankung des Familienoberhaupts und jetzt auch noch die Corona-Situation bringen die Familie Düll an die Grenzen der Belastbarkeit. Nach der Ausgangsbeschränkung und der vom Staat verordneten Schließung von Gaststätten und Vereinsheimen in Bayern ist der Umsatz der Brauerei um fast 80 Prozent zurückgegangen. Wie lange die Traditionsbrauerei aus Krautheim mit ihren derzeit 17 Mitarbeitern diese Stresssituation durchhält, steht in den Sternen.

Ohne seine Familie mit Ehefrau Martina, den Kindern Michael, Caroline und Andrea hätte Friedrich Düll wahrscheinlich schon aufgeben müssen. Ärmel hochkrempeln und gemeinsam anpacken - so lautet die Devise in der Krautheimer Brauerei. Und alle hoffen, dass sich die Lage wieder bessert.

Für Klinik und Blutbank

Während aktuell nur wenig Bier verkauft wird, ist die Nachfrage nach dem Alkohol riesig. Die Schweinfurter Klinik St. Josef brachte den Stein ins Rollen: Das Krankenhaus fragte in der Krautheimer Brauerei nach, ob nicht Restbestände an Alkohol vorhanden seien. Auch der BRK-Blutspendedienst in Wiesentheid und ein Wiesentheider Apotheker zeigten Interesse an dem Alkohol. In wenigen Stunden waren alle Alkoholbestände der Brauerei verkauft. Bei der Auslieferung hatte Bierfahrer Sebastian Wüst keine Bierkästen, sondern große Kunststoffbehälter mit reinem Alkohol auf der Ladefläche seines Lasters geladen.

Normalerweise gibt die Brauerei das "Abfallprodukt" Alkohol regelmäßig an eine Firma ab, die Reinigungstücher herstellt, erzählt Caroline Düll. Die Abgabe des Alkohols an diese Firma und nun an Klinik, Apotheke und Blutspendedienst führt dazu, dass "wir jetzt nichts mehr auf Lager haben", so die Düll-Tochter. Auch sie hofft auf die tatkräftige "alkoholfreie" Unterstützung der Verbraucher aus der Region. Damit würden die Kunden zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: "In der Corona-Krise helfen und gleichzeitig die heimische Wirtschaft unterstützen."

Positive Seite der Krise

Caroline Düll hat festgestellt, dass die aktuelle Situation auch positive Seiten hat. Der Zusammenhalt im Ort sei seit der Krise extrem gestärkt. Es wurde eine Initiative gegründet, um Risikopersonen zu helfen. Auch die Vereine seien sehr aktiv, wenn es ums Helfen geht – "und nicht nur bei uns in Krautheim".

"Wir schaffen das gemeinsam", sagt sie zuversichtlich, während ihr Vater den ersten Schluck alkoholfreies Weizen seit seinem Zusammenbruch sichtlich genießt.

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