Iphofen

Am Schwanberg könnten bald Wölfe stehen

Rund 100 aus Rest- oder Abfallholz gefertigte Objekte will der Ochsenfurter Kunsthändler Markus Schönrock (hier auf einem Archivbild von 2013) am Schwanberg ausstellen.  Foto: Uschi Merten

Pferde und Hirsche, Schafe und Schweine, alles gut. "Aber den Wolf wollen wir nicht." Der Appell war natürlich als Scherz gemeint, und Markus Schönrock konnte herzhaft darüber lachen. Der Mann mit der sonoren Stimme handelt in Ochsenfurt mit Kunst und hat sich auf Objekte mit Treibholz spezialisiert. Dem Iphöfer Stadtrat hat er am Montagabend ein ungewöhnliches Projekt präsentiert. Er möchte am Schwanberg Tierskulpturen aus Treibholz aufstellen, und zwar auf einer etwa 6000 Quadratmeter großen Wiesenfläche oberhalb des großen Parkplatzes. Ein Testlauf von sechs Monaten soll im Frühjahr kommenden Jahres zeigen, ob das Projekt eine Zukunft hat. Denn ganz so einfach ist die Sache nicht.

Das Gelände muss eingezäunt werden

Es sind hochwertige Skulpturen aus Rest- oder Abfallhölzern, die der Galerist zum Großteil aus Indonesien bezieht und ausstellt, "herausragende Objekte, die man sonst nirgendwo sieht", wie er im Stadtrat sagte. Aber das Terrain, das sich der Künstler nun als Ausstellungsfläche vorstellt – 110 Meter lang und 60 Meter breit – muss eingezäunt werden: zum einen, um die Objekte vor Vandalismus und Diebstahl zu schützen, zum anderen, weil Besucher dafür Eintritt bezahlen sollen. "Ich werde davon nicht reich", sagte er, "aber es muss sich irgendwie rechnen." Die bis zu 100 Skulpturen, die zum Teil eigens für die Ausstellung geschaffen würden, seien ausdrücklich nicht zum Verkauf bestimmt.

Auf der Ostseeinsel Rügen hat der Ochsenfurter schon einmal etwa 75 seiner Werke gezeigt. Das Gelände war für acht Wochen mit einem Bauzaun abgegrenzt. Schon sein Selbstverständnis als Künstler sagt ihm, dass das "hier natürlich nicht geht". Eine "Verbindung von Kunst und Natur" will er schaffen – ein Bauzaun würde diese Symbiose empfindlich stören. Deshalb soll die Einfriedung aus natürlichen Materialien bestehen: Pflanzen, Stapeln aus Holzpaletten oder Scheitholz, Insektenhotels. Seit längerem sei er auf der Suche nach einem geeigneten Standort für diese Art von Kunst, die nicht auf beengte Räume in schlecht ausgeleuchteten Hallen passe. Der Schwanberg als Hort der Ruhe und der Natur biete sich dafür ideal an. "Die Skulpturen passen hervorragend in dieses Gefühl", sagt Schönrock.

Im Frühjahr 2020 soll der Testlauf beginnen

Als Dauerausstellung über mehrere Jahre ist das Projekt geplant. Aber weil Schönrock nicht weiß, wie es von den Leuten angenommen wird, will er im Frühjahr 2020 mit einem Testlauf starten: Von Ostern bis zum Ende der Sommerferien sollen die Skulpturen – hauptsächlich Tiere, von der Hirschgruppe bis zum Wolfsrudel – zu sehen sein, danach wird Bilanz gezogen. Mancher im Stadtrat ist skeptisch, was die Akzeptanz angeht. "Die Leute hier stehen mehr auf Iphöfer Eiche und nicht so sehr auf Treibholz aus Java", sagte Dritter Bürgermeister Jörg Schanow. Hans Brummer griff den Gedanken auf und regte an, dass zumindest die Sitzbänke auf dem Gelände aus Iphöfer Eiche sein sollten.

Bis zur nächsten Stadtratssitzung im Dezember will Schönrock ein Konzept vorlegen, wie er die 6000 Quadratmeter große Fläche einzuzäunen gedenkt. Mit Verantwortlichen des Geistlichen Zentrums am Schwanberg habe er schon gesprochen – sie begrüßten sein Vorhaben. Schönrock betonte, dass für die von ihm vertriebenen Skulpturen kein Baum sterben müsse. Sie würden aus Abfall- oder Resthölzern gefertigt, weniger aus echtem Treibholz. Aufsehen erregte eine Aktion im Sommer 2018, als beim Johannisfeuer in Ochsenfurt ein hölzernes Pferd in Flammen ging. Da das Werk den Qualitätsansprüchen nicht genügte, habe er es der Feuerwehr zur Verfügung gestellt, statt es zu zersägen.

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