Kitzingen

Aus dem Gericht: "Rotzbesoffen" und außer Kontrolle

Ob er die Kurve kriegt, liegt an ihm allein. Fest steht: Wenn der 37-Jährige nicht mit dem Alkohol aufhört, dann war das wohl nicht sein letzter Auftritt vor Gericht.
Symbolbild Gericht
Symbolbild Gericht Foto: liveostockimages

Der Mann hat schlechte Jahre mit viel Alkohol hinter sich. Er stand mehrfach vor Gericht. Bei seinem letzten Auftritt wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Diebstahl zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt – auf Bewährung. Bei allen Straftaten war er "rotzbesoffen", wie es sein Verteidiger ausdrückte. Es soll das letzte Mal gewesen sein. Der 37-Jährige will die Kurve kriegen.

Im Herbst 2017 und Sommer 2018 war er davon weit entfernt. Im Oktober 2017 war er mit zwei Bekannten im Kitzinger Stadtgebiet unterwegs. Mehrere Flaschen Wodka hat er getrunken. Ein Filmriss war die Folge. "Ich weiß nur, dass wir auf einem Spielplatz getrunken haben, dann bin ich mit ein paar Flaschen Schnaps auf einem Feld aufgewacht", sagte er. Dazwischen soll er – vermutlich mit seinen Saufkumpanen – in ein Ferienhaus eingebrochen sein und mehrere Diebstähle begangen haben. Von einem Schaden von 400 Euro ging die Anklage aus. Eine Zeugin sprach in der Verhandlung von "Verwüstungen" und 1600 Euro. Was genau passiert ist, blieb im Alkoholnebel stecken. Klar war wegen einer  DNA-Spur an einer Weinflasche, dass der Mann auf dem Grundstück gewesen sein muss. Das reichte für Hausfriedensbruch und Diebstahl.

Nach dem Schlag blutet das Opfer am Kopf

Dazu kam die Geschichte vom Juni 2018 in einer Wohnung im Kitzinger Notwohngebiet. Alle Beteiligten hatten getrunken. "Die Bierchen haben geschmeckt", sagte ein Zeuge. Gegen 22.10 Uhr passierte es. Der Angeklagte schlug "kommentarlos und schweigend" einem Rentner eine Porzellanfigur auf den Kopf. Die gefährliche Körperverletzung endete mit stark blutenden Wunden am Ohr und Kopf, ohne bleibende Folgen. Warum? "Ich weiß nichts mehr." Wie sein Verteidiger erklärte, könnte der Angeklagte provoziert worden sein. Der Rentner soll von der damaligen Freundin des Angeklagten behauptet haben, die würde sich für 25 Euro jedem anbieten.

Egal wie, der Vorfall scheint die Wende eingeleitet haben. "Ich hätte fast jemand umgebracht", sagte der Angeklagte dem Gericht. Er habe sich gleich entschuldigt. Die Entschuldigung nahm der Rentner an. Nach dem Schlag hat der 37-Jährige nach eigenen Angaben seinen Alkoholkonsum auf "Feierabendbier und Schnaps nur an Feiertagen" reduziert. Offenbar mit positiven Auswirkungen. Seit gut eineinhalb Jahren ist nichts mehr vorgekommen. Der Mann arbeitet, hat ein regelmäßiges Einkommen und eine neue Beziehung. Die Hochzeit ist geplant.

Gutachterin attestiert verminderte Schuldfähigkeit

Eine Entwicklung, die Strafrichterin Patricia Finkenberger würdigte. Sie blieb unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten 14 Monaten und in der Nähe der vom Verteidiger beantragten "Strafe im unteren Bereich".  Es gab neun Monate, Bewährung, eine Auflage von 600 Euro und einen Bewährungshelfer. "Das ist ein Angebot", sagte die Richterin. Auf ein Alkoholverbot oder die Anordnung einer Therapie verzichtete sie. Eine Gutachterin hatte dem Mann zuvor eine Alkoholabhängigkeit und für beide Taten verminderte Schuldfähigkeit attestiert.

Die Chancen einer verordneten Therapie hielt sie für gering. Diese müsse auf Freiwilligkeit beruhen. Ein Kernproblem sei: "In der Gegend wird es nicht möglich sein, trocken zu leben." Der einzige Weg: "Er muss sein Leben ändern und versuchen, da rauszukommen." Nun ist der 37-Jährige am Zug. "Jetzt liegt vieles in Ihrer Hand, und da lasse ich es auch liegen", sagte Finkenberger.

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