SULZFELD

Backen für das Grundwasser

Grundwasserschutz-Brot: Nadine Bäuerlein, Klaus Kohler, Günther Stephan, Regierungsdirektor Christian Guschker, Landrätin Tamara Bischof, Hermann Löhner, Marcus Will, Christian Geitz, Simon Matthäus und Wolfgang Seitz freuen sich über das neue Produkt.
Grundwasserschutz-Brot: Nadine Bäuerlein, Klaus Kohler, Günther Stephan, Regierungsdirektor Christian Guschker, Landrätin Tamara Bischof, Hermann Löhner, Marcus Will, Christian Geitz, Simon Matthäus und Wolfgang Seitz freuen sich über das neue Produkt. Foto: Gerhard Krämer

Wasser und Brot – eine allseits bekannte Kombination, die bislang meist mit eingekerkerten Leuten aus dem Mittelalter in Verbindung gebracht wird. Jetzt dürfen wir umdenken, denn durch ein Zusammenspiel verschiedener Partner ist im Rahmen der Aktion „Grundwasserschutz“ der Regierung von Unterfranken das Grundwasserschutz-Brot entstanden, das die leckere Backware mit dem immer kostbarer werdenden Nass zusammenbringt.

Ein weiterer Baustein

Grundwasser schonen hat sich die Fernwasserversorgung Franken mit Sitz im mittelfränkischen Uffenheim schon seit vielen Jahren ganz oben auf die Fahne geschrieben. Deshalb gibt es zum Beispiel viele Kooperationsverträge mit Landwirten, die das Motto „Trinkwasserschutz durch weniger Dünger“ umsetzen. Auch kauft die Fernwasser Ackerland in Wasserschutzgebieten an und wandelt es in Grünland um. Mit dem Grundwasserschutz-Brot gibt es nun einen weiteren Baustein.

Nein, mehr Wasser enthält das Brot nicht. Dafür wird aber das Grundwasser geschont. Denn normalerweise gibt es im Juni noch einmal eine dritte Düngung. Doch auf diese Stickstoff-Gabe hatte zum Beispiel der Landwirt Wolfgang Seitz aus Marktsteft verzichtet. Da dieser Backweizen, der auf vier Hektar angebaut wurde, dann aber weniger Eiweiß enthält und der Landwirt damit weniger Geld bekommt, gleicht die Fernwasserversorgung Franken (FWF) laut Werkleiter Hermann Löhner den Betrag aus.

Weniger Düngung bedeutet aber auch, dass der Nitrateintrag ins Grundwasser reduziert wird. Darauf zielt die „Aktion Grundwasserschutz – Trinkwasser für Unterfranken“ der Regierung von Unterfranken, die Projektleiter Christian Guschker vom Sachgebiet Wasserwirtschaft im FWF-Wasserwerk bei Sulzfeld vorstellte.

Grundwasservorräte begrenzt

In Unterfranken sind nach Guschkers Worten die nutzbaren Grundwasservorräte begrenzt. Auch fehlten Filterschichten für das Niederschlagswasser, die das Nitrat ausreichend zurückhalten könnten. Grund genug für die Regierung, um zu handeln.

Nach der erfolgreichen Pilotphase im Jahr 2014 wird das Projekt nun mit drei Landwirten, mit Ludwig Lippert von der Schaubmühle aus Volkach und 15 unterfränkischen Bäckern weitergeführt. Bäcker Simon Matthäus (Marktsteft), der auch für seine Kollegen Christian Geitz (Bäckerei Pröschel, Obernbreit), Marcus Will (Bäckerei Will, Kitzingen), Klaus Kohler (Bäckerei Kohler, Volkach) und Günther Stephan (Bäckerei Stephan, Frickenhausen) sprach, betonte, dass die Handwerksbäcker mit Geschick und Know-how auch mit Mehl aus Backweizen mit einem geringeren Anteil an Klebereiweiß umgehen und daraus „leckere und hochwertige Produkte“ herstellen können. Die Bäcker hoffen, dass das Grundwasserschutz-Brot beim letzten Partner, dem Verbraucher, ankommt. Denn dann könnten sie sich vorstellen, noch mehr zu machen. Wolfgang Seitz hält auf jeden Fall schon das nächste Feld mit Backweizen bereit.

„Hier wird etwas Besonderes produziert“, lobte Landrätin Tamara Bischof, die den Beteiligten für ihren Mut dankte und nun auf die Akzeptanz der Verbraucher setzt. Die erkennen das Brot schon an der Banderole. Zudem hat jeder Bäcker personalisierte Flyer, die den Kunden über das Brot informieren.

Die Wertschöpfungskette vom Landwirt bis zum Bäcker hat das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau in Frankfurt organisiert, für das Nicole Nefzger vor Ort war.

Projekt ausweiten

Für Christian Guschker zeigt das Projekt, dass Backweizenerzeugung und -verarbeitung auch mit verringertem Stickstoffeinsatz möglich ist. Deshalb könne das bisherige Bewertungssystem „hoher Eiweißgehalt – gute Backeigenschaft – hoher Marktpreis“ durchaus zu Gunsten des Grundwasserschutzes kritisch hinterfragt werden. Guschker sieht auch das Potenzial, dass das Projekt über Unterfranken hinaus ausgeweitet werden kann.

Lecker: Melina, Mia und Emilia Matthäus sowie Paul Will lassen sich das neue Grundwasserschutz-Brot schmecken. Sie durften es vor dem großen Wasserbehälter im Sulzfelder Wasserwerk probieren.
Lecker: Melina, Mia und Emilia Matthäus sowie Paul Will lassen sich das neue Grundwasserschutz-Brot schmecken. Sie durften es vor dem großen Wasserbehälter im Sulzfelder Wasserwerk probieren. Foto: Gerhard Krämer

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