Marktsteft

Beim Fernwasser werden die Marktstefter misstrauisch

Das Wasserrechtsverfahren der FWF für die Trinkwasserbrunnen in Marktsteft bereitet den Räten Sorgen. Foto: Robert Haaß

Wenn sie die Worte Fernwasserversorgung Franken (FWF) hören, stellen sich in Marktsteft immer die Ohren, da fühlen sich die Marktstefter als gebrannte Kinder, da steigen Aufmerksamkeit und Misstrauen gleichzeitig an. Erst recht, wenn scheinbare Veränderungen anstehen - so wie jetzt, da die Fernwasser ein neues Wasserrechtsverfahren durchführt.

Es liegt 13 Jahre zurück und das Verfahren dauerte damals schon rund ein Jahrzehnt an, als die Schutzzone des Trinkwasserbrunnens in Marktsteft erweitert wurde. Der gesamte Stadtbereich bis weit in die Flur über die Umgehungsstraße hinaus fiel damals in die Schutzzone 3 der Wassergewinnungsanlage Sulzfeld/Marktsteft. Mit gravierenden Folgen für jeden einzelnen Marktstefter. Denn die Auflagen in so einer Schutzzone sind durchaus spürbar. So muss die Dichtigkeit der Kanäle weit öfter geprüft werden, Ausweisungen von Bau- oder Gewerbegebiete sind erschwert, Auflagen höher.

Ende 2020 läuft die wasserrechtliche Bewilligung für die Anlagen in Sulzfeld und Marktsteft aus. Soll dort weiter Wasser gewonnen werden, muss eine neue Bewilligung genehmigt werden – das Verfahren dazu läuft derzeit.

FWF rückte mit drei Mann an, um auf Sorgen und Nöte zu reagieren

Natürlich wissen die Verantwortlichen der FWF um die Marktstefter Befindlichkeiten und reagieren auch. Gleich mit drei Mann waren sie am Montagabend in der Stadtratssitzung angerückt, um aufzuklären und auf Sorgen und Nöte zu reagieren. Denn unter anderem aus Marktsteft stammt das Wasser für den Versorgungsbereich von sechs Landkreisen in Nordbayern durch die FWF. Die ist für die Verteilung des Wassers an die Kommunen weiter Teile Unter- und Mittelfrankens zuständig.

Die Krux dabei bringt Werksleiter Hermann Löhner auf den Punkt: "Den Franken geht das Wasser bis zum Knie, der Südbayer ersäuft darin." Soll heißen: Die Regenmengen im Freistaat sind sehr ungleich verteilt. Während im Süden durchschnittlich rund zwei Meter Regen auf den Quaddratmeter fallen, sind es in Franken gerade mal 60 Zentimeter. Um das auszugleichen, gibt es das Nordbayerische Ausgleichs- und Verbundsystem, nachdem etwa die Hälfte des Trinkwassers der FWF aus dem Lech-Mündungsgebiet kommt.

Die öffentliche Wasserversorgung soll vorrangig aus ortsnahen Wasservorkommen gedeckt werden

Gesetzlich sollte die FWF aber den Grundsatz einhalten, die öffentliche Wasserversorgung "vorrangig aus ortsnahen Wasservorkommen zu decken". Und da sind die Brunnen Sulzfeld/Marktsteft dringend nötig, denn sie sind mit die ergiebigsten im gesamten Versorgungsgebiet. Und darum ist auch das Wasserrechtsverfahren mit einer Fortsetzung der Wasserförderung wichtig.

Das wissen auch die Stefter Räte, was die Lage nicht vereinfacht. Denn ein neues Wasserrechtsverfahren macht sie misstrauisch, was auch in der Sitzung deutlich wurde. Denn sie befürchten weitere Nachteile für ihre Stadt – sei es durch eine Ausweitung oder gar Verschärfung der Auflagen in der Schutzzone. Das ist zwar nicht Teil des Verfahrens, dass es hier irgendwann aber Veränderungen gibt, kann wohl niemand ausschließen.

Marktstefter hätten gern einen finanziellen Ausgleich

Für die Nachteile der Lage in der Schutzzone hätten sie zudem gerne einen finanziellen Ausgleich, denn die häufigere Prüfung der Kanäle etwa ist alleine von den Marktsteftern zu zahlen. Ein Umstand, den Hermann Löhner durchaus erkannt hat und an dem gearbeitet werde, so seine Aussage. Zudem Marktsteft nicht alleine ist, insgesamt sind im Versorgungsgebiet rund 15 Gemeinden in einer ähnlichen Lage. Ob es aber hier Geld gibt, blieb am Montag offen.

Ganz  konkret wurde Ratsmitglied Dieter Haag, der Bürgermeister Thomas Reichert aufforderte, sich mit den anderen betroffenen Gemeinden in Verbindung zu setzen, um hier eine gemeinsame Linie zu finden. Einen Blick in die Zukunft warf der Werksleiter dann noch über weitere Maßnahmen im Sulzfelder Wasserwerk. Wenn die wasserrechtliche Genehmigung erteilt wird, soll hier eine Anlage entstehen, die zum einen Spurenstoffe, etwa aus der Landwirtschaft oder Arzneimittelrückstände filtern soll, und zudem die Härte des Wassers reduziert.

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