Fröhstockheim

Betriebsbesichtigung und Lärmmessung bei Knettenbrech

Immer wieder gibt es Beschwerden aus Fröhstockheim, auf dem Firmengelände des Entsorgungsunternehmens sei es zu laut. Nun klärten die Verantwortlichen vor Ort auf.
Die Verladung von Schrott auf den Betriebsgelände von Knettenbrech und Gurdulic in Fröhstockheim schauten sich die Bürger genau an. Foto: Gerhard Krämer

Immer wieder erreichten die Gemeindeverwaltung Rödelsee von Fröhstockheimern Beschwerden, dass vom Betriebsgelände der Firma Knettenbrech und Gurdulic zu viel Lärm ins Wohngebiet dringe. Den vielen Behauptungen und Gerüchten wollte die Gemeinde daher durch eine Ortsbegehung, einen Testversuch bei der Containerbefüllung mit Metall und durch eine Informationsveranstaltung im Vereinsheim begegnen. Es kam, wie es kommen musste: Da Lärm wie Kälte oftmals subjektiv empfunden wird, prallten Empfindungen auf wissenschaftlich fundierte Ergebnisse. Und ein Nebenaspekt sorgte für besondere Emotionen.

Schneeregen hatte rund 30 Leute nicht abgehalten, auf das Betriebsgelände von Knettenbrech und Gurdulic im Gewerbegebiet Am Gries zu kommen; im Vereinsheim später sollten es dann über 40 sein. Geschäftsführer und Betriebsleiter Pasqual Wack führte die Gruppe, der auch Bürgermeister Burkhard Klein und einige Gemeinderäte angehörten, über das Gelände.

Wie und wo sortiert die Firma ihr Material?

In der Halle, die mit Toren ausgestattet ist, werden laut Wack gelbe Säcke, Folien oder Papier gelagert. Abfallbehandlung finde immer in der Halle statt. Außerhalb, in Boxen, werden Stoffe wie Erdreich, Mineralstoffe oder Sperrmüll gelagert. Auch sogenannte gefährliche Stoffe gibt es: Asbest und Mineralwolle nämlich. Die würden regelmäßig weggefahren, zuvor natürlich im geschlossenen Container eingehaust gelagert.

Stein des Anstoßes bei den Bürgern dürfte wohl die Containerbeladung mit Schwerschrott sein. Während die eine Hälfte der Gruppe der Verladung beiwohnte, fuhr eine weitere Gruppe zusammen mit dem Bürgermeister und den Lärmschutzgutachter Richard Möbus nach Fröhstockheim an den Messpunkt in der Siedlung, um zu sehen, welcher Lärm dort ankommt.

Dieser Versuch war bei der Versammlung dann nur noch Randthema. Die Messung von Richard Möbus am 11. Juli habe sieben Stunden gedauert. Nach physikalischen Berechnungen sollten im Wohngebiet etwa 49 dB (A) ankommen; 55 dB (A) dürften es sein. Nach den Worten von Möbus sind etwa 20 Minuten lang Werte von 53 dB (A) erreicht worden, alles noch unter dem Grenzwert. Die Richtigkeit der Messung zweifelten Bürger nicht an, allerdings kritisierten sie, dass man an einem Tag mit Westwind hätte messen sollen.

Müllentsorger will den Standort ausbauen

Der Betriebsleiter von Knettenbrech und Gurdulic am Standort Rödelsee, Pasqual Wack, führte interessierte Bürger über das Betriebsgelände. Foto: Gerhard Krämer

Ein Bürger meinte, dass es bei der früheren Kompostanlage auch nicht jeden Tag gestunken habe, so sei es nun auch beim Lärm. Ein anderer Bürger spielte eine Tonaufnahme ab, auf der neben Vogelgezwitscher ein eher rhythmisches Stampfen oder Stanzen zu hören ist. Geräusche, die sich Wack auf der Anlage nicht erklären kann. Wack bot an, dass Bürger jederzeit kommen könnten. Auf Grund des Betriebstagebuches lasse sich jederzeit nachvollziehen, was zu welchem Zeitpunkt auf der Anlage geschehen ist. Auch wenn es teuer sei, sei er bereit zu einer weiteren Messung. Ihm wie dem Unternehmen liege viel an einem guten Miteinander.

Für die Anlage gibt es seit November 2017 eine Betriebsgenehmigung. Da diese über 300 Meter von der Wohnbebauung entfernt angesiedelt sei, gebe es keine zusätzlichen Auflagen. Die seien auch nach dem Hinzukommen der Metallbearbeitung nicht notwendig geworden.

Nichtsdestotrotz sei viel investiert worden. Wack zählte neue, leisere Fahrzeuge, Tore an der Halle oder die Brandmeldeanlage auf. Zudem stünden die Lastwagen in Kitzingen. Am Standort selbst wolle man festhalten und investieren. Auch eine Erweiterung sei eine Idee. Nicht Richtung Fröhstockheim, sondern in die vom Wald umgebene freie Fläche Richtung Kitzingen. Es werde kein Industriepark entstehen. Auch bis 22 Uhr sei bislang nicht gearbeitet worden, und das sei auch nicht geplant. Schon gar nicht werde es einen Dreischichtbetrieb geben, wies Wack Gerüchte zurück.

Bürgermeister Klein erklärte, dass, wenn es eine Erweiterung gebe, diese Ausweisung wohl als Industriegebiet erfolgen müsse. "Wenn so etwas kommt, dann im offenen Verfahren", kündigte Klein an. So könne jeder Bürger Einwände erheben. "Es darf zu keiner Mehrbelastung kommen", informierte Klein über den Beschluss des Gemeinderats.

In Boxen werden die verschiedenen Stoffe zwischengelagert. Foto: Gerhard Krämer

Investition soll Lärm reduzieren

"Ich möchte keine Erweiterung vor meiner Haustür", äußerte sich ein Bürger klar und deutlich mit dem Verweis auf Flächen in Kitzingen oder anderswo. "Vorher zu sagen: Alles ist blöd; das machen wird nicht", sei unfair, sagte Pasqual Wack. Fair sei, sich anzuhören, was der andere überhaupt vorhabe. Fakt sei, man will an diesem Standort bleiben und man will es zusammen gestalten.

Dazu passt auch das Angebot der Firma, das Bürgermeister Klein bei der Power Point-Präsentation mit "Frohe Botschaft" überschrieben hatte. Die Boxen hinter der Halle werden 100 Meter weiter nach außen an die Grenzen des Firmengeländes gerückt und die Metallverladung kommt auch nach hinten, hinter die Halle. Anfang nächsten Jahres sollen die Pläne dazu dem Landratsamt vorgelegt werden.

Die wird die Firma wohl 80 000 Euro kosten. Dies sei ein Entgegenkommen, obwohl die Firma dies laut Landratsamt nicht müsse, betonte Wack. Von Bürgerseite wurde noch vorgeschlagen, die Containerabsetzstellen mit Gummimatten auszulegen, die Boxen noch zu verkleiden und den Piepser beim Bagger leiser zu stellen. An Matten sei gedacht, der Piepser müsse wegen der Arbeitssicherheit sein und für die Boxen gebe es versicherungsrechtliche Vorschriften, auch den Brandschutz betreffend, erklärte der Betriebsleiter.

Der Betriebsleiter von Knettenbrech und Gurdulic am Standort Rödelsee, Pasqual Wack, stellte anhand des Luftbildes des Betriebsgeländes den künftigen Standort der Metalllagerung und -verladung vor. Foto: Gerhard Krämer

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