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Betriebshelfer für Winzer sind gefragt und werden gebraucht

Mit Herzblut bei der Arbeit: Winzermeister und Betriebshelfer Wolfgang Borst beim Niederbiegen der Fruchtruten.
Mit Herzblut bei der Arbeit: Winzermeister und Betriebshelfer Wolfgang Borst beim Niederbiegen der Fruchtruten. Foto: Veronika Fick-Haas

Wolfgang Borst ist hauptberuflicher Betriebshelfer für den Weinbau. Vermittelt wird er über den Maschinenring (MR) Gerolzhofen. Er hilft Betrieben in Notlagen. Die Unterstützung bei Unfall, Krankheit oder Tod ist wichtig, die Arbeit vielfältig und abwechslungsreich. Weitere Helfer werden gesucht. Das schreibt der Maschinen- und Betriebshilfsring (MR) Gerolzhofen in einer Pressemitteilung.

„Ich bin gern Betriebshelfer. Man wird gebraucht, und die Leute sind in der Regel dankbar für die geleistete Arbeit“, sagt Wolfgang Borst aus Fahr bei Volkach. Als Winzermeister verfügt er über fachliches Knowhow und darüber hinaus über Jahrzehnte lange Erfahrung im Weinbau.

„Wir haben 1,5 Hektar eigene Rebfläche. Somit war unser Betrieb immer schon recht klein, so dass ein Zuverdienst notwendig war“, erinnert er sich. Eine Zeit lang arbeitete Borst bei Winzerkollegen. Dann aber fand er vor gut zehn Jahren in der Betriebshilfe seine Profession. Seit vier Jahren ist er beim Ländlichen Betriebs- und Haushaltsdienst – GmbH (LBHD) fest angestellt.

Fachleute unter sich: (von links) Wolfgang Borst, hauptberuflicher Betriebshelfer für Weinbau, Winzer Florian Loos aus Dingolshausen und MR-Geschäftsführer Michael Mikus.
Fachleute unter sich: (von links) Wolfgang Borst, hauptberuflicher Betriebshelfer für Weinbau, Winzer Florian Loos aus Dingolshausen und MR-Geschäftsführer Michael Mikus. Foto: Veronika Fick-Haas

Der heute 64-Jährige hat unterschiedliche Formen in der Betriebshilfe durchlaufen. „Man kann klassisch nebenberuflich, angestellt oder selbstständig sein – je nach eigenen Gegebenheiten und Neigungen. Auch mit Wolfgang haben wir lange die verschiedenen Möglichkeiten diskutiert“, erzählt Steffi Röder, Einsatzleiterin im MR Gerolzhofen. Berufliche Möglichkeiten für ausgebildete Kräfte gibt es viele. Und Helfer werden nachgefragt – gleichfalls im MR Gerolzhofen.

Arbeit am Weinberg und in der Kellerei

Hier liegt der Fokus beim überbetrieblichen Arbeiten neben landwirtschaftlichen Tätigkeiten auf dem Weinbau. „Rund 2200 Hektar und damit mehr als ein Drittel der Rebflächen in Franken befinden sich in unserem Ringgebiet. Über die Hälfte der MR-Mitglieder betreibt Weinbau. Deshalb ist eine Fachkraft bei uns so wichtig“, betont Michael Mikus.

Dem kann Florian Loos aus Dingolshausen nur zustimmen. Er bewirtschaftet zusammen mit seinen Eltern ein Weingut. „Wir hatten früher halb Landwirtschaft, halb Weinbau. Mittlerweile konzentrieren wir uns als Familienbetrieb voll auf den Wein. Wenn bei uns einer ausfällt, dann wird es schwierig, um die Runden zu kommen“, schildert er. Als seine Mutter nach den Folgen einer Wirbelsäulen-Operation im Frühjahr auf Reha musste, war er deshalb sehr froh, dass der Maschinenring ihm eine Kraft vermitteln konnte, die sich im Metier auskennt.

Schließlich stand draußen das Biegen und Binden der Fruchtruten an. „Jeder Rebstock ist anders. Und so benötigt man für diese Arbeit einen sicheren Blick und viel Erfahrung. Da kann ich nicht schnell jemanden anlernen. Entsprechend dankbar bin ich, dass uns Wolfgang geholfen hat“, unterstreicht der 32-jährige studierte Winzer. Auch beim Abfüllen wurde der Betriebshelfer gebraucht. Immerhin wird die gesamte produzierte Menge an Wein des neun Hektar großen Weingutes in Flaschen gefüllt und ab Hof vermarktet.

Fachliche und soziale Kompetenz nötig

Nicht jeder Betrieb ist gleich strukturiert. Einige, wie im Weingut Loos, wirtschaften biologisch und setzen auf Direktvermarktung. Andere wiederum arbeiten konventionell und/oder liefern an Genossenschaften. Doch ein Betriebshelfer muss sich überall zurecht finden. Die Bandbreite ist groß – sowohl von der Wirtschaftsweise und Organisation bis hin zur Philosophie beim Weinausbau.

Desgleichen ist der Aufgabenbereich weit gestreut und reicht von der Neuanlage eines Weinbergs bis hin zum Fertigstellen des Produkts. Im Gegensatz zu klassischen Ackerfrüchten fallen im Weinbau zu jeder Jahreszeit Arbeiten an. Da ist der Rebschnitt im Winter, dann das Binden und Biegen der Ruten, die Bodenbearbeitung, der Pflanzenschutz, Laubarbeiten und schließlich die Weinlese. Hinzu kommen die Aufgaben im Keller, wo der Wein ausgebaut, reift und abgefüllt wird. Auch die Vermarktung über die privaten Vinotheken oder die Logistik zum Versand des Weines gehören dazu, heißt es in der Pressemitteilung.

Auf der Rebfläche Fuchsranken im Steigerwald: (von links) Winzer Florian Loos aus Dingolshausen, MR-Geschäftsführer Michael Mikus undund Wolfgang Borst, hauptberuflicher Betriebshelfer für Weinbau.
Auf der Rebfläche Fuchsranken im Steigerwald: (von links) Winzer Florian Loos aus Dingolshausen, MR-Geschäftsführer Michael Mikus undund Wolfgang Borst, hauptberuflicher Betriebshelfer für Weinbau. Foto: Veronika Fick-Haas

Ein Betriebshelfer muss aber nicht nur fachlich versiert sein. Er muss ebenfalls mit dem wechselnden Umfeld und den verschiedenen Menschen auf den Betrieben zurechtkommen. „Es ist nicht überall eine heile Welt, die man antrifft“, weiß Wolfgang Borst. Belastend sind vor allem die Fälle, wo Betriebshelfer wegen einer schweren Erkrankung oder gar Tod am Hof sind.

„Gerade hier ist es aber wesentlich, dass die Arbeit gemacht wird und der Betrieb weiterläuft. Das schafft für die ganze Familie Stabilität. Unsere Helfer wirken dazu oft als seelische und moralische Unterstützer“, berichtet Steffi Röder. Wolfgang Borst ist dabei einer, der anpackt, aber auch gut zuhören kann. Schon ein paar Mal hat er solche schwierigen Einsätze übernommen. Dann folgen wieder einfachere Zeiten.

Im Jahr ist Wolfgang Borst je nach Genehmigungszeitraum des Sozialversicherungsträgers auf sieben bis zehn Einsätzen. Insgesamt werden es an die 150 Betriebe sein, auf denen er bislang seinen Dienst tat. „Ich bin aber kein Knecht, sondern helfe, damit alles weiter läuft“, stellt er klar. Das sei doch eine schöne und sehr erfüllende Aufgabe, noch dazu im erlernten Beruf.

Jungen Winzern empfiehlt er, in der Betriebshilfe praktische fachliche, aber auch menschliche Erfahrungen zu sammeln. Schließlich könne man von jedem Betrieb etwas mitnehmen. Diese Chance solle man nutzen.

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