Kitzingen

"Bewährungsversager" schrammt haarscharf am Knast vorbei

Wie oft kann man Bewährung bekommen? Diese Frage stellte sich vor dem Kitzinger Jugendschöffengericht. Foto: Oliver Berg (dpa)

Seinem Geständnis und der schnellen Wiedergutmachung des Schadens hat ein 20-Jähriger zu verdanken, dass er nicht für 15 Monate hinter Gitter muss. Der junge Mann stand wegen Diebstahls, Trunkenheit im Verkehr, Sachbeschädigung und  der Verwendung von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen vor dem Jugendschöffengericht – alles begangen bei laufender Bewährung. Am Ende atmete der "Bewährungsversager" auf, auch wenn es die Auflagen in sich haben.

"Das Gericht will es noch einmal mit ihnen versuchen", sagte Jugendrichter Wolfgang Hülle und verkündete die Auflagen: Drei Jahre Bewährungszeit, zwei Jahre davon mit Bewährungshelfer;  zudem ein absolutes Alkohol- und Drogenverbot für zwei Jahre, das durch zwölf Kontrollen überprüft wird. 1200 Euro muss der Mann an die Caritas zahlen, plus die Kosten des Verfahrens.

Kein Alkohol, keine Drogen

Der Staatsanwalt hatte ein Jahr und drei Monate Jugendstrafe ohne Bewährung gefordert. Am Ende stimmte er dem Urteil zu. Es ist rechtskräftig. Das gilt auch für das Urteil für den Kumpel des 20-Jährigen, der mit ihm unterwegs war. Der 18-Jährige kam mit 100 Sozialstunden davon. Auf sein Konto gingen Sachbeschädigungen und ein Diebstahl. Auch er muss für ein Jahr die Hände von Alkohol und Drogen lassen.

Mit den Urteilen ist eine Reihe von Sachbeschädigungen im Umfeld des Kitzinger Weinfests 2018 aufgearbeitet. Am Rand des Festplatzes haben sie die zwei getroffen und mitgebrachten Alkohol getrunken. Ob auch Drogen im Spiel waren, blieb am Ende offen. Sie sind in die angrenzende Tiefgarage gezogen und haben Spiegel, Kabinenwände, Wasserhähne und Bewegungsmelder in der Toilette mit weißer Farbe verunziert. Schaden: rund 1500 Euro. Dass der 20-Jährige ein Hakenkreuz hinterließ, brachte ihm neben der Sachbeschädigung die Anklage wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole ein.

Motiv vergeblich gesucht

Später suchten sie einen Autohändler auf. Der 18-Jährige riss einen Mercedesstern ab und nahm ihn mit. Dann öffneten sie zwei unverschlossene Autos. Zunächst hörten sie Musik, dann rissen sie – warum auch immer - die Deckenverkleidung aus der Verankerung. Schaden hier: rund 3000 Euro.

Dann war der Auftritt vorbei. Eine Nachbarin hatte die Polizei informiert. Für den 20-Jährigen hatte der Staatsanwalt noch zwei Anklagen dabei. Einmal hat er ein Rad mitgehen lassen. Auf dem ist er drei Monate später mit Alkohol erwischt worden. Macht: Diebstahl und fahrlässige Trunkenheit im Verkehr. Beide räumten alle Vorwürfe ein, wenn sie sich auch mit der Erklärung der Motive schwer taten. Was neben dem Geständnis für sie sprach, ist die schnelle Regulierung des Schadens.

Vor dem Schöffengericht saßen zwei Männer, die sich in ihrem bisherigen Leben schwer taten.  Dennoch sind beide nach vielen Schwierigkeiten in Schule und Ausbildung jetzt auf "einem guten Weg", sagte die Jugendgerichtshilfe. Der 20-Jährige hat einen festen Arbeitsplatz. Der 18-Jährige hat eine Lehre abgeschlossen und tritt eine Arbeitsstelle an.

Immer wieder Straftaten

Dennoch, für den Älteren hätte der "gute Weg" schnell zu Ende sein können. Sieben Einträge in Bundeszentralregister, darunter 2017 eine Jugendstrafe auf Bewährung und, während die noch lief, sechs neue Straftaten. Das Schöffengericht brauchte Zeit, um sich zu der  "allerletzten Chance"  durchzuringen. Die gab es dann aber doch und den Hinweis von Wolfgang Hülle: "Wenn noch die kleinste Kleinigkeit passiert, rücken sie ein." Das gilt für weitere Straftaten aber auch für einen Verstoß gegen die Auflagen.

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