Wiesentheid

Corona-Zwangspause bringt kleinen Zirkus in große Not

Seit zwei Wochen gastiert Zirkus Solero in Wiesentheid. Ihm fehlen Zuschauer, Geld und Futter für Kamele, Ponys, Pferde und Ziegen. Wer kann dem Familienbetrieb helfen?
Nicht nur die Kamele vom Zirkus Solero haben Hunger. Gabriela und Alfredo Renz sitzen mit ihren Tieren derzeit in Wiesentheid fest. Foto: Andreas Stöckinger

Ali Baba, Suleika und Shakira haben Hunger. Alfredo Renz sticht mit seiner Gabel in den Ballen mit Heu und gibt seinen drei Großkamelen ihre Portion. Daneben besitzt der Zirkus Solero zehn Ponys und zwei Großpferde, etwas weiter entfernt tummeln sich sieben Ziegen. Alle haben Hunger, sagt der Zirkuschef. Noch hat er Futter für die Tiere, aber nicht mehr allzu viel. "Das reicht gerade so für die kommenden Tage, dann müssen wir sehen. Es wäre schön und wichtig, wenn uns Landwirte vielleicht etwas Heu geben könnten", blicken er und seine Frau Gabriela besorgt auf die zu Ende gehenden Vorräte.

Dem kleinen Zirkus, den Familie Renz mittlerweile in der siebten Generation betreibt, macht das Coronavirus und seine Auswirkungen gehörig zu schaffen. Die Familie hat mit drei Kindern sowie der Schwiegermutter ihr Quartier in Wiesentheid aufgeschlagen. Seit gut zwei Wochen stehen sie auf dem Rouillac-Platz vor der Steigerwaldhalle, wo sie auf unbestimmte Zeit auch bleiben müssen. Aktuell hat die Familie keine Einnahmen, aber laufende Kosten, wie für ihre Lastwagen. Diese könne er nicht einfach abmelden, sagt Alfredo Renz.

Hoffnung ruht auf Förderprogrammen

Zuschüsse von Bund und Ländern bekomme sein Betrieb bislang nicht, die werde man nun beantragen. Wer wisse schon, wie lange es dauere, bis die jetzt aufgelegten Förderprogramme auch tatsächlich greifen, meint Alfredo Renz. "Den Tieren ist das egal, sie fressen weiter und brauchen Futter." Das gehe aber so langsam zur Neige.

Noch ist Futter für die Zwergponys da beim Zirkus Solereo, der momentan in Wiesentheid bleiben muss. Gabriela und Alfredo Renz macht die Situation einige Sorgen. Foto: Andreas Stöckinger

Pro Tag benötigen die Tiere etwa 250 Kilo Heu, dazu kommt noch etwas Kraftfutter und Müsli, das verfüttert werden muss. Ausgerechnet jetzt, wo der Zirkus gerade aus seinem Winterquartier in Kitzingen aufgebrochen war und nach vier Monaten endlich wieder auf Tour gehen wollte, erwischte auch sie die Krise. Bevor die strikten Maßnahmen angeordnet wurden, hatte der Zirkus Solero gerade mal eine Vorstellung geben können. Fünf Personen seien gekommen, das war's, sagt Gabriela Renz.

Ihnen macht die Ungewissheit zu schaffen. Der Zirkus darf vorerst bis Ende April wegen des Auftrittverbots keine Vorstellungen geben, doch wer sagt, ob das Verbot dann auch aufgehoben werde. Und ob dann gleich wieder Zuschauer kämen, oder ob die aus Vorsicht erst einmal wegblieben, das sei die nächsten Fragen.

Auf Corona war man nicht vorbereitet

Schwierige Zeiten kenne man im Zirkusgeschäft, die habe es immer gegeben. Der Winter etwa, auf den bereite man sich vor, dieser sei jedes Jahr eingeplant. Aber schon da müsse man kämpfen, um über die Runden zu kommen, stellt Alfredo Renz fest. Auf Corona sei man nicht vorbereitet, das sei nicht eingeplant gewesen.

Während der Saison schlägt die Familie jährlich in 35 bis 40 Orten ihr Zirkuszelt auf, um dort Vorstellungen zu geben. Kreuz und quer durch Deutschland sei man normalerweise unterwegs. Alle zwei Jahre komme man auch in den Raum Kitzingen-Würzburg, um auch dort den Menschen Freude zu bringen, wie es Gabriela Renz ausdrückt.

Die Pandemie gefährdet den Zirkus. "Dass Corona uns zum Aufgeben zwingt, soweit wollen wir nicht denken. Meine Familie hat noch nie aufgegeben, auch in Kriegszeiten nicht. Es ging immer irgendwie weiter", zeigt sich Alfredo Renz kämpferisch. Seine Familie hofft auf Hilfe durch Futter für die Tiere. Wer dem Zirkus etwas abgeben wolle, der solle sich bitte melden unter Tel.: (01577) 3393265 . "Wir holen es auch ab."

Nicht gerade zuversichtlich blicken Gabriela und Alfredo Renz derzeit drein. Die Zirkus-Familie steht derzeit in Wiesentheid und fragt sich, wie es weiter geht. Foto: Andreas Stöckinger

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