Iphofen

Das Zittern um die Iphöfer Mittelschule

Immer weniger Schüler, immer mehr Sorgen: Wie viel Schwund verträgt die Dr.-Karlheinz-Spielmann-Schule noch? So dramatisch wie derzeit war die Lage an der Schule nie.
Im März 2019 besuchte Sternekoch Bernhard Reiser die Neunt- und Zehntklässler in Iphofen. Können solche Aktionen die Begeisterung für die Mittelschule stärken?  Foto: Caroline Münch

Wer sich durch die Homepage der Grund- und Mittelschule Iphofen klickt, findet jede Menge bunter Fotos und anregender Geschichten. Sie alle ergeben das Bild einer echten Erfolgsstory. Die Schule bietet erstklassige Betreuungsangebote, eine moderne Ausstattung, und bei einem bayernweiten Schwimmwettbewerb hat sie gerade den ersten Platz belegt. Es fehlt ihr an nichts – nur am Wesentlichsten, was eine Schule haben kann: an Kindern. „Ich hoffe“, sagt Iphofens Bürgermeister Josef Mend, „dass wir die nächsten Jahre durchkommen werden.“ Hoffnung also.

Seit 1972 gibt es die Volksschule in Iphofen an dieser Stelle, seit 1990 ist Mend Bürgermeister, aber so dramatisch war die Situation noch nie. Mehr als 500 Kinder und Jugendliche gingen hier nach seinen Angaben zur Schule, als er vor drei Jahrzehnten ins Amt kam, heute ist es die Hälfte – und das trotz eines Verbunds der Mittelschule mit Scheinfeld (seit 2010) und Marktbreit (seit 2017). Als zum Start des Schuljahres 2017/18 ein dritter Partner hinzukam, ging es für den erfahrenen Kitzinger Schulrat Kurt Krause darum, „über eine Durststrecke zu kommen“. Doch das war wohl etwas zu optimistisch gesprochen. Denn auf eine Durststrecke folgt in der Regel Erholung. In Iphofen ist Erholung nicht in Sicht.

Als  Problem hat Mend die Mittelschule identifiziert

Der Schwund kam in Etappen: 2018 waren es 278 Schüler, 2019 noch 270, und 2020 sind es gerade noch 254. Im Stadtrat hat Mend am Montagabend die seit Längerem im Raum stehenden Zahlen zu deuten versucht: „Wir gehen davon aus, dass die Talsohle erreicht ist“, sagte er. Sicher sein darf man sich da aber nicht. Was sich einigermaßen gesichert sagen lässt: Die Grundschule ist nicht das Problem, da Iphofen als Wohnstandort wächst. Die hohe Zahl an Zuzügen sichert zumindest der Elementarstufe ausreichend Nachwuchs. Als Problem hat Mend die Mittelschule identifiziert. „Durch die hohen Übertrittsquoten an weiterführende Schulen bekommen wir an der Mittelschule nur noch begrenzt Kinder.“

Die frühere Hauptschule hat zwar vor einigen Jahren den Namen geändert, aber ihr Image als „Restschule“ ist sie bis heute nicht losgeworden. Es gilt zwar als Konsens, dass diese Gesellschaft in Zukunft mehr denn je Praktiker und Handwerker braucht, eine Berufsgruppe, die einst in Scharen aus der Hauptschule hervorging. Aber im Zweifel schicken Eltern ihren Nachwuchs halt doch wieder auf Realschule oder Gymnasium. Mit sichtbaren Folgen für den Arbeitsmarkt: Die Abiturientenquote hierzulande liegt inzwischen bei weit über 40 Prozent eines Jahrgangs, große Teile studieren und fehlen als Auszubildende, die Schieflage wächst. An dieser Entwicklung kommt auch Iphofen nicht vorbei.

Den Eltern noch mehr abverlangen will Mend nicht

Immer noch ist Iphofen stärkster Partner des Schulverbandes mit Mainbernheim, Rödelsee, Willanzheim und Markt Einersheim. Die Stadt ist auch größte Geldgeberin: mit zuletzt 628 000 Euro (nach 476 000 Euro zwei Jahre zuvor). Aber auch hier gibt es laut Mend wenig erbauliche Nachrichten. Die Elternbeiträge decken die Kosten der Schülerbetreuung nur zu 66 Prozent; an der Gebührenschraube wolle man dennoch nicht drehen. Das Geld der Stadt sieht Mend sinnvoll angelegt. „Hier wird Vorbildliches geleistet, und wir brauchen qualifiziertes Personal.“ Problematisch werde es nur dann, wenn eine Kraft wegbreche und die Stadt Ersatz finden müsse. Der Arbeitsmarkt sei weitgehend leergefegt.

Wie es weitergeht mit der Schule? Mend ist zu lange im Geschäft, um eine verlässliche Prognose zu wagen, aber selbst für vermeintlich sichere Standorte wie Iphofen wird es nicht einfach werden, wenn an der Mittelschule keine Trendwende gelingt. „Ganz ohne Fragezeichen ist die Sache nicht“, sagt Mend. „Insgeheim zittern wir hier immer ein bisschen.“

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