KITZINGEN

Deko-Kamin als Brandauslöser

Es sollte ein entspannter Winterabend im Februar dieses Jahres werden. Der 63-jährige Rentner hatte sich das so schön vorgestellt: In einem Baumarkt leistete er sich einen Deko-Kamin, der die langen Abende gemütlicher machen sollte.

Voller Vorfreude auf die neue Errungenschaft, vergaß der Rentner, einen Blick in die Gebrauchsanleitung zu werfen. Dort standen einige Warnungen: Dass der Kamin mit dem leicht entflammbaren Bioethanol betrieben wird. Ein „Achtung: Verbrennungsgefahr“ fand sich im Kleingedruckten ebenso wie der Hinweis, dass der Kamin, einmal angezündet, nicht bewegt werden darf, da verschütteter Brennstoff zu „schweren Brandschäden“ führen könne.

Als der 63-Jährige die Warnungen las, lag er schon im Krankenhaus und seine Wohnung in dem Kitzinger Mehrfamilienhaus war komplett abgefackelt.

„Im falschen Moment die falsche Entscheidung getroffen.“

Der Verteidiger über seinen Mandanten

Der Spaß am Deko-Kamin hatte sich im Minutenbereich bewegt: Sofort nach dem Anzünden begann es komisch zu riechen. Der Hausherr wollte das Ding nur noch aus dem Wohnzimmer haben. Dabei hatte er eine fatale Idee: Er schnappte den Kamin und bugsierte ihn in die Badewanne. „In der Hitze des Gefechts“, wie der Mann treffend betont. Und in dem Glauben, die Wanne sei aus Gusseisen und das Feuer würde gleich ausgehen.

Doch das Gegenteil passierte: Das Ethanol lief in die Wanne, die tatsächlich aus Acryl bestand und sofort lichterloh brannte. Dann ging alles rasend schnell, die Situation geriet außer Kontrolle. Die Waschmaschine stand als nächstes in Flammen, als der 62-Jährige losrannte und die Nachbarn warnte.

Der Brand war verheerend: 92 000 Euro Schaden und drei Personen, die mit Rauchgasvergiftung eine Nacht im Krankenhaus verbringen mussten. Als der Rentner aus dem Krankenhaus zurückkam, blickte er ins blanke Nichts: Sein Hab und Gut war fast vollständig in Flammen aufgegangen, die Wohnung, in der er 20 Jahre gelebt hatte, ein Sanierungsfall.

Vor dem Kitzinger Strafrichter muss sich der Mann nun wegen fahrlässiger Brandstiftung samt Körperverletzung verantworten. Sein Verteidiger spricht davon, dass es „keine Fahrlässigkeit im üblichen Sinne“ gewesen sei und sein Mandant schlichtweg „im falschen Moment die falsche Entscheidung getroffen“ habe – was jedem anderen auch hätte passieren können.

Was Strafrichter Marc Betz ebenso sah und eine moderate Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu 30 Euro verhängte. Wobei der Rentner, der das Urteil annahm, schon ankündigte, die Strafe im sozialen Bereich abarbeiten zu wollen – vielleicht ja bei der Feuerwehr.

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