MAINBERNHEIM

Der Bilder-Zauberer: Georg Buhl stellt in Neuses a. Sand aus

Spiel mit verteilten Rollen: „Bürger X II“ (Öl auf Leinwand; Ausschnitt). Foto: Krämer

Das Szenario ist bedrohlich: In New York zerbersten die Türme des World Trade Centers, zornige Freiheitsstatuen schlagen Alarm, fast scheint es, sie bliesen zum großen Finale. Szenenwechsel: Der Bürger, der Souverän, trägt die Kleidung des 19. Jahrhunderts, jener Zeit, in das Bürgertum zur politischen Macht wurde.

Dahinter, in einer Art Maskenzug, die politische Prominenz der Gegenwart. Obama und Merkel mit ernstem Gesicht, Westerwelle mit Grinsen, Putin mit Pokerface, eine Ahmadinedschad-Maske in der Hand. Es ist das große Welttheater, akribisch gemalt, mit feinen Linien detailgetreu – und doch nicht realistisch.

Ausstellung in Neuses am Sand

Dem Zauber, der von diesen Bildern ausgeht, kann sich der Betrachter nur schwer entziehen. Es ist die Welt des Malers Georg Buhl, der einen Querschnitt seines Werks zurzeit in der Galerie von Wörners Schloss in Neuses am Sand zeigt. Der 1952 geborene Maler lebt in Kassel, hat aber seine Wurzeln im Kitzinger Land: Buhl wuchs in Mainbernheim auf, später besuchte er das Armin-Knab-Gymnasium in Kitzingen.

Purer Zufall war es nicht, dass aus dem Mainbernheimer Jungen ein Maler wurde. „Ich habe schon als Kind gezeichnet, auch mein Vater hatte eine künstlerische Ader“, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Großvater war Mühlenbauer und von Berufs wegen ebenfalls zeichnerisch begabt. „Manch durchreisendem Künstler hat er ein Bild abgekauft“, erzählt Buhl über seinen Vorfahren.

Für den heute 59-Jährigen war es kein ungebrochener Weg zur Malerei. Zwar hat Buhl immer wieder gezeichnet, doch zunächst nur für sich selbst oder für die Familie – sozusagen im stillen Kämmerlein. „Ein Freund von mir hat dann mal angefangen, mit Ölfarben zu malen“, erinnert sich Buhl, der dann ebenfalls vom Zeichnen und Aquarellieren aufs Malen umstieg.

Ein Kunststudium war für ihn dennoch nie ein Thema. Buhl entschied sich für einen Beruf, der Lohn und Brot versprach, und machte eine Schriftsetzer-Lehre bei der Würzburger Druckerei Bonitas-Bauer. „Nebenher habe ich aber weiter Kunst gemacht“, sagt er. Damals hat er wohl den Grundstein für seinen heutigen Malstil gelegt. In den späten 60er Jahren entdeckte er den Surrealismus, war fasziniert von den Bildern Salvador Dalís, den Werken Max Ernsts und René Magrittes. „Das waren meine Impulsgeber“, sagt Buhl, wenn er auch heute neben seinen surrealistischen Bildern immer wieder abstrakte Werke malt.

Seit Anfang der 70er Jahre ist Buhl freischaffend tätig, verdiente sein Geld aber auch mit Grafik-Design. In seinem Kasseler Atelier stehen meist zwei bis drei Leinwände nebeneinander: „Ich male immer an mehreren Bildern gleichzeitig – am Hauptgemälde und an Auftragswerken.“

Was den Künstler umtreibt? Es sind die großen Weltthemen: Religion und Philosophie, bisweilen auch Tagespolitik. Die Gedankenwelt Buhls erschließt sich dem Betrachter trotz des figürlichen Stils nicht sofort: Andeutungen, Gleichnisse, versteckte Details sind quasi die Markenzeichen der Bilder. Denn darum geht es dem Künstler: dem Betrachter keine fertige Weltsicht zu präsentieren, sondern sein Nachdenken, auch seinen Widerspruch herauszufordern. „Ich möchte nichts Starres rüberbringen“, sagt Buhl, der sich in letzter Zeit viel mit Anthroposophie und dem Werk Rudolf Steiners beschäftigt hat.

Seine Werke hat der Künstler inzwischen auf Ausstellungen in ganz Europa gezeigt. Seine fränkischen Wurzeln hat er indes nicht vergessen. Buhl, der in jungen Jahren in der Kitzinger Band „Chicago Blues Store“ spielte, hatte schon 1998 seine Werke in der Kitzinger Sparkassen-Galerie gezeigt. Und für die Schützengesellschaft seiner Heimatstadt entstanden vier Schützenscheiben, die im Mainbernheimer Scheiben-Museum zu sehen sind.

Die Ausstellung in Wörners Schloss in Neuses am Sand ist noch bis 31. Oktober (täglich ab 9 Uhr) zu sehen.

Zornige Freiheit: „11. September“ (Ausschnitt).
Im Atelier: Maler Georg Buhl.
jjjjjj

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!