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Der Fahndungsfuchs lauert Kriminellen auf

Fahndungserfolg: Polizeihauptkommissar Horst Spanheimer (links) durchsucht einen mit Haftbefehl gesuchten Mann, der vorläufig festgenommen wird. Bei dieser nachgestellten Situation beobachtet und sichert sein Kollege mit der Hand an der Schusswaffe.
Fahndungserfolg: Polizeihauptkommissar Horst Spanheimer (links) durchsucht einen mit Haftbefehl gesuchten Mann, der vorläufig festgenommen wird. Bei dieser nachgestellten Situation beobachtet und sichert sein Kollege mit der Hand an der Schusswaffe. Foto: Hanns Strecker

Für die Vorbeifahrenden kaum zu sehen, steht das Zivilfahrzeug neben der Autobahn. Horst Spanheimer hat den fließenden Verkehr bestens im Blick, sucht mit ausgeprägten Gespür nach Straftätern, die die Anonymität der Autobahn schätzen und zudem oft versuchen, ihre Reisewege zu verschleiern.

Spanheimer leitet die Fahndungskontrollgruppe (FKG) der Autobahnpolizei Würzburg-Biebelried, gilt als „alter Fahndungsfuchs“. Sein Streifenpartner bedient im Auto den sogenannten Car-PC, einen Dienstlaptop, auf dem sämtliche Fahndungsdateien der Polizei installiert sind.

Ein Treffer

Als er das Kennzeichen eines verdächtigen Fahrzeuges eingibt, blinkt kurz darauf der Bildschirm: Fahndungstreffer! Sekunden später gibt Spanheimer Gas und reiht sich bei diesem nachgespielten Fall (der genau so passiert ist), auf der Autobahn ein. Sein Kollege liest vom Laptop vor: „Kennzeichen zur Fahndung ausgeschrieben. Gegen den Halter besteht Haftbefehl“.

Es folgen weitere interne Hinweise, so zum Beispiel, ob die Person gewalttätig oder gar bewaffnet sein könnte. Spanheimer hat den Verdächtigen nun vor sich. Am Biebelrieder Kreuz entscheiden sich die Beamten, das Auto anzuhalten. In der Frontscheibe des zivilen Einsatzfahrzeugs blinkt in Spiegelschrift: “Stopp! Polizei!“

Hand an der Dienstwaffe

Gleichzeitig wird das Blaulicht eingeschaltet, das in der Stoßstange verbaut ist. An einer Betriebsausfahrt wird der Verdächtige herausgezogen. Spanheimer ist sofort an der Fahrerseite, sein Kollege steht seitlich versetzt und hat seine Dienstwaffe griffbereit. Genau wie im Ernstfall geht jetzt alles sehr schnell: Der Fahrer steigt aus, nimmt jedoch seine Hände nicht aus den Taschen, obwohl er dazu aufgefordert wird.

Die Beamten wollen, dass er sich an sein Fahrzeug stellt und die Hände auf das Dach legt, was er schließlich widerwillig befolgt. Es stellt sich heraus, dass es sich um die mit Haftbefehl gesuchte Person handelt. Das weitere Vorgehen ist Routine: Durchsuchung, Handschellen und Mitnahme zur Dienststelle, wo die weiteren polizeilichen Maßnahmen vorgenommen werden.

Reisende Täter

Für Polizeidirektor Klaus Böhm, Leiter der Biebelrieder Autobahnpolizei, ist diese Spezial-Einheit, auch Schleierfahndung genannt, ein wichtiges Bindeglied bei der nationalen und internationalen Kriminalitätsbekämpfung. Hauptaufgabe der Beamten sei die Fahndung nach reisenden Tätern, insbesondere im Drogenbereich. Kürzlich seien zum Beispiel in einem Lieferwagen über 50 Kilogramm Haschisch und Marihuana entdeckt worden.

Ein weiterer Schwerpunkt sind Diebstähle. Hierzu zählen insbesondere die so genannten „Planenschlitzer“, die abgestellte Lkws an Rasthöfen oder Parkplätzen öffnen und das Speditionsgut entwenden. „Die Straftäter werden immer mobiler, sind teilweise hochmotorisiert und nützen die hohen Geschwindigkeiten auf den Bundesautobahnen, um Kontrollen zu entgehen“, berichtet Böhm.

Immer brutaler

Der Dienst bei der Fahndungskontrollgruppe ist mitunter ziemlich gefährlich. Straftäter aus allen Ländern können fast gefahrlos durch die offenen Grenzen in das Bundesgebiet ein- und ausreisen. Wenn kontrolliert werden soll, gehe es gerade bei osteuropäischen Tätergruppen vermehrt brutaler zu.

Horst Spanheimer hat das schon am eigenen Leib erfahren: Als er an einem Rasthof einen Straftäter festnehmen wollte, widersetzte sich dieser heftig. Plötzlich gelang es dem Verdächtigen, sich loszureißen und loszufahren, wobei Spanheimer an der Fahrertüre hängenblieb und etliche Meter mitgeschleift wurde. Der Polizeihauptkommissar hatte Glück, dass ein weiterer Streifenwagen sich querstellen und das Auto stoppen konnte.

Mit 200 Sachen Richtung Osten

„Unberechenbar und gefährlich sind auch die Straftäter, die aus dem Ausland extra zum Diebstahl hochwertiger Fahrzeuge einreisen“, erzählt Spanheimer. Das gehe oft ganz schnell: Die Autos werden trotz angeblich hochmoderner Sicherheitselektronik in kürzester Zeit geknackt, gestartet – und dann geht's mit über 200 Sachen über die Autobahn zurück in Richtung Osten.

Wolle man verdächtige Autos anhalten, würden die Fahrer oftmals versuchen, durch halsbrecherische Fahrweise zu entkommen. „Und die machen auch nicht vor einem querstehenden Polizeiauto Halt“, berichtet der Fahnder weiter.

Zwischenzeitlich hat die Bayerische Polizei auf dieses Phänomen reagiert und versucht, mit besonderen Taktiken entgegenzuwirken. Dazu hält sich Klaus Böhm äußerst bedeckt, berichtet aber von Vorfällen, wo mit Hilfe von Hubschraubern flüchtige Fahrzeuge lokalisiert und letztendlich in einer „besonders gestalteten“ Kontrollstelle zum Stoppen gebracht wurden.

Gefälschte Papiere?

Nicht immer läuft die Arbeit der Autobahnfahnder auf der Straße ab – ermittelt wird natürlich auch in der Dienststelle. Momentan steht eine ganze Kiste mit entwerteten Fahrzeugscheinen im Büro. Die Fahnder prüfen, ob bei den Papieren Fälschungen oder anderweitige Hinweise auf Straftaten vorliegen könnten.

Horst Spanheimer hat mittlerweile ein Nachschlagewerk verfasst, das viele Polizei-Dienststellen im Bundesgebiet nutzen. Darin beschrieben sind unter anderem die Vorgehensweise bei der Fahndung oder Kontrollen, Drogenverstecke in Fahrzeugen, Fälschungsmerkmale auf Fahrzeugpapieren und Vieles mehr. Spanheimer hält inzwischen sogar Vorträge an Polizeischulen, ist ein international gefragter Dozent – eben ein „alter Fahndungsfuchs“.

Einsatz auf der A 3: In Zivilfahrzeugen wird Ausschau nach Kriminellen gehalten. Verdächtige werden dann mit aufgesetztem Blaulicht und per Leuchtschrift im Rückfenster mit der Aufforderung „Polizei! Folgen!“ oder „Stopp! Polizei“ aus dem fließenden Verkehr „gefischt“.
Einsatz auf der A 3: In Zivilfahrzeugen wird Ausschau nach Kriminellen gehalten. Verdächtige werden dann mit aufgesetztem Blaulicht und per Leuchtschrift im Rückfenster mit der Aufforderung „Polizei! Folgen!“ oder „Stopp! Polizei“ aus dem fließenden Verkehr „gefischt“. Foto: Hanns Strecker
Gut 50 Kilo Marihuana und Haschisch warenim Innenraum eines Lieferwagens versteckt.
Gut 50 Kilo Marihuana und Haschisch warenim Innenraum eines Lieferwagens versteckt.

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