LANDKREIS KITZINGEN

Der Kürbis: Eine Frucht für alle Fälle

Carola Pauly auf ihrem Kürbishof in Düllstadt vor einem Berg Zierkürbisse. Foto: Svenja Kloos

Gelb, orange und grün leuchten sie am Straßenrand, sind nicht nur ein Hingucker auf dem Feld, sondern auch ein Genuss auf dem Teller – die Kürbisse.

Ursprünglich kommen sie aus Amerika, sind mittlerweile in aller Welt zuhause und werden auch im Landkreis Kitzingen angebaut.

Auch Zierkürbisse sind essbar

Etwa auf dem Kürbishof der Familie Pauly in Düllstadt. Knapp 25 Speisekürbissorten gibt es hier, hinzu kommen 30 Zierkürbisarten. Wobei „Zierkürbis“ nicht heißt, dass er nicht genießbar wäre. „Den kleinen Mandarin-Kürbis kann man zum Beispiel gut mit Hackfleisch oder Apfelmus befüllen“, sagt Carola Pauly.

Die wenigen Sorten, die tatsächlich nicht essbar sind, schmeckten aufgrund von Giftstoffen bitter, erklärt Mechthild Engert, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege des Landkreises Kitzingen. Tödlich seien sie aber nicht.

Hokkaido liegt im Trend

Am liebsten wird, Carola Pauly zufolge, nach wie vor der Hokkaidokürbis gekauft, weil er nicht geschält werden muss und entsprechend wenig Arbeit macht. Wegen seines mehligen Fruchtfleisches eigne er sich gut für Suppen. Aber auch der Butternut, der Spaghetti- und der Muskatkürbis seien gefragt.

Insbesondere die letzte dieser Sorten verwendet Mechthild Engert gern zum Kochen. „Die Suppe lässt sich herrlich mit Ingwer, Zimt, Curry und Vanille abschmecken“, sagt sie. Und: Kerne aufheben. Geröstet und gesalzen kann man sie abends vor dem Fernseher knabbern oder zum Salat geben.

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Kürbis-Lachs-Lasagne - Ein ganz einfaches und leckeres Rezept für eine Kürbis-Lachs-Lasagne: 1kg Kürbisfruchtfleisch 1 Zwiebel 30g Butter 30g Mehl 250 ml Schlagsahne 500ml Gemüsebrühe Salz, Pfeffer, Muskat 200g Reibekäse Lasagneplatten 200g Räucherlachs 1. Butter in einem Topf erhitzen. Eine fein gewürfelte Zwiebel darin glasig dünsten, mit Mehl bestäuben und goldgelb anschwitzen. 2. Unter Rühren Sahne und Brühe dazugießen. 3. Sauce zum Kochen bringen, mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken. 4. Reibekäse unter die Sauce rühren und schmelzen lassen. 5. In einer Auflaufform abwechselnd Sauce, Lasagneplatten, Lachs und geschälten, entkernten, fein gewürfelten Kürbis schichten. 6. Lasagne im heißen Ofen bei 200 Grad (Umluft 180 Grad) 45 Minuten backen.

Wer den Kürbis dagegen lieber einlegen möchte, dem empfiehlt Pauly den Gelben Zentner. „In letzter Zeit kommen viele junge Leute, die sich daran erinnern, wie Mutti oder Oma ihn immer eingemacht haben und das nun selbst ausprobieren wollen“, berichtet sie.

Ausprobieren ist wohl auch das Stichwort, wenn es darum geht, wie die Paulys zu den Kürbissen kamen: Vor 16 Jahren hat der Sohn ein paar Samen geschenkt bekommen und sie bei der Großmutter in den Acker gepflanzt.

Anbau ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr

Die wenigen Früchte, die daraus entstanden sind, wurden ausgehöhlt und beleuchtet auf die Treppe gestellt – so sind andere Leute darauf aufmerksam geworden. „Damals war das ja noch ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Kürbisse hatte fast keiner“, sagt Carola Pauly. Aufgrund der Nachfrage hat die Familie den Anbau also kurzerhand ausgedehnt. Mittlerweile bauen die Paulys ein Drittel weniger an als zu Spitzenzeiten – schließlich werden Kürbisse heutzutage in jedem Supermarkt angeboten.

Verkauf rund um die Uhr

Dort sind Käufer allerdings an die Öffnungszeiten gebunden. Anders sieht es am offenen Stand der Familie Röll kurz vor dem Volkacher Ortseingang (von Kitzinger Richtung) aus. 60 verschiedene Kürbissorten liegen hier im Wechsel aus, einen Verkäufer sucht man jedoch vergebens. Stattdessen müssen Kunden das Geld in eine kleine Kasse schmeißen – von 80 Cent bis zu zehn Euro kosten die verschiedenen Arten. Birgit Röll schätzt, dass etwa 60 Prozent der Kunden wirklich den richtigen Betrag einwerfen. Besonders ärgerlich sei es, wenn jemand wie in diesem Jahr, den Stand ordentlich plündert, ohne einen Cent dazulassen.

„Auf der anderen Seite muss man den Zeit- und Kostenaufwand sehen, wenn einer von uns den ganzen Tag vor Ort wäre“, erklärt Röll. Ziehe man diesen Faktor mit in Betracht, würde es insgesamt schon ganz gut passen. „Außerdem bereiten wir so vielen Leuten, die vorbeifahren, eine Freude. Sie zeigen sich sehr dankbar und wissen, wie viel Arbeit dahintersteckt.“

Denn schon Mitte September haben Birgit Röll, ihr Mann und die beiden Kinder mit der Ernte begonnen – die vielen Sonnentage hätten dazu beigetragen, dass die Kürbisse in diesem Jahr besonders intensiv leuchten. Die letzten Früchte haben die Rölls diese Woche von den Feldern geholt. Auf ihrem Hof in Frankenwinheim und am offenen Stand werden sie nun noch bis Ende Oktober verkauft. Die Reife eines Kürbisses erkennt man übrigens daran, dass der Stiel holzig ist und es beim Klopfen hohl klingt.

Lange Lagerung ist möglich

Wer sich selbst an den Kürbisanbau wagen will, der sollte, so Mechthild Engert, ab April die Samen legen. „Einfacher ist es allerdings, die fertigen Pflänzchen zu kaufen und auszupflanzen, wenn kein Frost mehr zu erwarten ist.“ Sie bräuchten ein bisschen Feuchtigkeit, ansonsten funktioniere fast jeder Platz. Nach der Ernte lassen sich die Früchte gut lagern – wenn es kühl und trocken ist, halten sie im Ganzen bis zu sechs Monate. „Dadurch, dass sie wässrig sind, können sie nach dem Anschnitt aber relativ schnell anfangen zu schimmeln“, erklärt Engert. Ihr Tipp: Den Kürbis in Stücke schneiden, kurz blanchieren und anschließend einfrieren.

Oder ihn einfach als Deko verwenden. Zum Schnitzen eigne sich laut Carola Pauly der Halloweenkürbis am besten. Er sollte jedoch nicht zu dünn ausgehöhlt werden, sonst breche er schnell zusammen. Dass Haarspray und Klarlack wirklich für längere Haltbarkeit sorgen, bezweifelt Pauly. Wer eine Alternative zu den Fratzen sucht, kann den Kürbis halbieren und aushöhlen – auch hier wieder nicht zu viel Fruchtfleisch wegnehmen. Anschließend mit Wasser befüllen und Kerzen darin schwimmen lassen.

Rezept für Naschkatzen

Nicht geeignet zum Basteln jeglicher Art ist der Hokkaidokürbis, da er wegen seiner harten Schale schnell bricht. Deshalb noch ein letztes Rezept für Naschkatzen: 500 Gramm Kürbisfleisch – es muss nicht unbedingt der Hokkaido sein – mit 400 Gramm Äpfeln, 75 Gramm Zucker und etwas Wasser kochen und anschließend pürieren. Mit Zimt und Muskat aromatisieren und einen Becher süße, geschlagene Sahne unterziehen. Fertig ist ein warmes Kompott für kalte Herbsttage.

Kürbisse sind zwar ein bunter Hingucker. Aber ob sie nun Obst oder Gemüse sind, weiß niemand so recht. Sie erfüllen Kriterien für beide Kategorien: Einerseits tragen sie Früchte, die aus bestäubten Blüten bestehen (Obst), werden andererseits aber nur einjährig kultiviert (Gemüse). Der Kompromiss: „Fruchtgemüse“. Foto: Fotos (3): Svenja Kloos
Da lacht der Kürbis: Auf dem Hof der Familie Pauly in Düllstadt wird das schmackhafte Gemüse verkauft. Foto: Kloos
Carola Pauly auf ihrem Kürbishof in Düllstadt hinter den Gelben Zentnern. Foto: Svenja Kloos
Der offene Kürbisverkaufstand der Familie Röll kurz vor dem Ortseingang von Volkach. Foto: Svenja Kloos

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