Kitzingen

Die Botschaft des Kitzinger Polizeichefs: Wir kümmern uns!

Seit 100 Tagen im Angst: der Kitzinger Polizeichef Markus Hack. Foto: Frank Weichhan

Polizeidirektor Markus Hack ist seit Juli der neue Kitzinger Polizeichef. Der 48-Jährige spricht im Interview über sein Selbstverständnis, wie sich die Polizeiarbeit verändert und was für ihn eines der schlimmsten Verbrechen ist.

Frage: Herr Hack, ich habe zwei Fragen der Töchter einer Kollegin mitgebracht. Leonora, sechs Jahre, möchte wissen: Wie schnell fährt ein Polizeiauto? Und: Halten Sie sich an die Verkehrsregeln?

Markus Hack: Ein Polizeiauto fährt so schnell wie jedes andere vergleichbare Auto.

Und wie sieht es mit den Verkehrsregeln aus – haben Sie schon mal ein Knöllchen bekommen?

Hack: Ja, habe ich. Das war wegen Falschparkens – ich habe einfach ein Schild übersehen.

Maria, acht Jahre alt, möchte wissen: Wann darf die Polizei schießen?

Hack: Also, es ist so: Kein Kollege schießt gerne. Es kann aber passieren. Deshalb gibt es dafür eine spezielle Ausbildung. Schießen ist aber immer das letzte Mittel.

Nachdem das geklärt wäre, kommen meine Fragen: Sie sind seit gut 100 Tagen im Amt – haben Sie sich eingelebt?

Hack: Ich bin in der Tat angekommen. Es war mir dabei besonders wichtig, zunächst einmal die Kollegen schnell kennen zu lernen.

Ihr bisher aufregendster Tag in Kitzingen?

Hack: Das war meine Amtseinführung: So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Im Gedächtnis geblieben ist auch der Einsatz im Freizeitland Geiselwind, als eine Gondel steckengeblieben war. Auch wenn wir als Polizei dabei nicht so viel zu tun hatten.

Ihr Vorgänger war nur relativ kurze Zeit da – haben Sie sich mehr vorgenommen?

Hack: Ich werde sicher eine längere Zeit bleiben. An einer Jahreszahl kann ich das aber nicht festmachen.

Wie war Ihr erster Eindruck vom Landkreis?

Hack: Sehr positiv überrascht hat mich die Offenheit, mit der ich aufgenommen wurde. Ich kam zum 1. Juli; danach hagelte es viele Einladungen. Der Landkreis Kitzingen war vorher ein weißer Fleck für mich, inzwischen habe ich das eine oder andere kennengelernt. Es ist ein lebenswerter Landkreis.

Auf welchen Erfolg der vergangenen 100 Tage sind Sie besonders stolz?

Hack: Kurz nach meiner Amtseinführung erfolgte die Festnahme eines Enkeltrickbetrügers. Diese Betrugsmasche ist für mich die niederträchtigste Kriminalität die es gibt, weil man sich gezielt ältere Personen raussucht und die um ihr jahrzehntelang Erspartes zu bringen versucht.

Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Polizisten aus?

Hack: Für mich ist ein guter Polizist jemand, der sich seiner Rolle bewusst ist, dass er für die Bürger da ist und hilft. Außerdem sollte klar sein, dass es neben den Tätern auch immer Opfer gibt – für die wir auch da sind.

Ab wann wussten Sie, dass Sie Polizist werden wollen?

Hack: Keinesfalls war es so, dass ich mit der Einschulung wusste, dass ich Polizist werden will. Das hat sich im Laufe der Jugend so entwickelt. Am Ende der Schulzeit stand fest: Polizist könnte mich interessieren. Ich habe bis heute keinen einzigen Tag bereut – das ist ein schöner Beruf.

Wie viele Jahre kamen inzwischen bei Ihnen zusammen?

Hack: Ich wurde 1989 eingestellt – also jetzt 30 Jahre.

Wie hat sich in diesen 30 Jahren die Polizeiarbeit verändert?

Hack: Natürlich hat sich viel getan. Zum Beispiel bei der Kriminalität. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da ging es viel um Autodiebstähle. Momentan steht eher das Thema Internet im Mittelpunkt, beispielsweise Hatespeach. Was ich aber auch feststelle: Die teilweise sehr kritische Haltung gegenüber der Polizei hat zugenommen. Als ich anfing, war Gewalt gegen Polizeibeamte bei weitem nicht so präsent. Wenn man jetzt mitbekommt, in welcher Weise Kollegen beleidigt und angegriffen werden, ist das erschreckend. Das gilt für alle Rettungskräfte. Wenn man irgendwo hinkommt und helfen will und dann plötzlich angegriffen wird – das sind schon massive Einschnitte.

Wie erklären Sie sich das?

Hack: Ich weiß gar nicht, ob es dafür die eine Erklärung gibt. Eine konkrete Ursache sehe ich nicht. Das ist eine Entwicklung, die sich schon über Jahre hinzieht.

Viele Menschen wünschen sich, dass die Polizei wieder sichtbarer wird, präsenter ist. Kennen Sie diesen Wunsch?

Hack: Es ist uns bekannt, dass sich viele Bürger nicht so gut aufgehoben fühlen. Gerade mit der gefühlten Sicherheit gibt es ein Problem.

Was lässt sich dagegen tun?

Hack: Früher gab es Fußstreifen. Das könnte man wieder aufgreifen. Ich persönlich habe mir vorgenommen, regelmäßig durch die Stadt zu laufen, um ins Gespräch zu kommen. Im Streifenwagen ist das schwierig.

Apropos Streifenwagen: In Kitzingen wird mittlerweile gerne wild und in zweiter Reihe geparkt, etwa in der Falter- und Luitpoldstraße. Oft fahren Polizeistreifen vorbei, ohne einzugreifen – warum ist das so?

Hack: Dahinter steckt oft eine Abwägung, was wichtiger ist. Wenn die Kollegen zu einem Einsatz fahren, werden sie unterwegs nicht anhalten. Das wirkt dann vielleicht seltsam, hat aber einen Grund.

Nicht nur beim Parken zeigt sich: Die Rücksichtslosigkeit hat zugenommen. Wie reagiert die Polizei?

Hack: Das ist nicht nur im Verkehr so. Die Bereitschaft, auf den anderen zuzugehen, hat gelitten. Oft siegt der Egoismus.

Das macht die Polizeiarbeit nicht gerade einfacher...

Hack: Nehmen wir im Sommer die Ruhestörungen an den Wochenenden. Da gibt es zig Anrufe. Wir kommen – aber es kann dauern. Der Anrufer ist dann unzufrieden. Aber es ist keine böse Absicht, wenn wir nicht gleich da sind. Wir müssen priorisieren. Das Problem ist: Es fehlt die Einsicht. Einfach mal auf den Nachbarn zuzugehen, der seinen Fehler vielleicht einsieht und nicht gleich beleidigend wird – das ist ein Stück weit verloren gegangen.

Hört sich nach immer mehr Arbeit für die Polizei an. Wie steht’s um die personelle Situation? Und wie sieht’s bei den Überstunden aus?

Hack: Wir haben natürlich auch bei uns eine gewisse Überstunden-Anzahl. Die abzubauen, schaffen wir im Moment nur teilweise. Die bayerische Polizei hat aktuell hohe Einstellungszahlen. Es kommen zusätzliche Aufgabenfelder dazu. Die personelle Lage ist schon besser geworden, kann aber gerne noch besser werden.

Die Sicherheitslage im Landkreis – welche Schulnote würden Sie dafür vergeben?

Hack: Ich tue mir mit einer Schulnote schwer. Schon, weil mir der Vergleich fehlt. Die objektive Sicherheit ist bei uns aber in der Tat gut. Es gibt allerdings einige Phänomene, sei es der angesprochene Enkeltrick oder der falsche Polizeibeamte oder falsche Gewinnversprechen.

Wie ist der aktueller Stand beim Thema Umzug der Polizeiinspektion vom Landwehrplatz in die früheren Marshall Heights?

Hack: Der Grundstückskauf ist inzwischen erfolgt. Der nächste Schritt ist dann die Planung – da kann ich zum Zeitlichen aber noch nichts sagen.

Die Polizei wandelt sich farblich von grün zu blau – wie weit ist man in Kitzingen?

Hack: Bei der Uniform gibt es nur noch blau. Wir haben aber noch Fahrzeuge, die grün-silber lackiert sind. Diese Umstellung dauert sicher noch einige Jahre.

Zum Schluss können Sie genau hier loswerden, was Ihnen am Herzen liegt...

Hack: Mir ist es wichtig, der Bevölkerung Danke zu sagen. Ob der angesprochene Enkeltrickbetrug, ob Unfallfluchten oder Sachbeschädigungen – ich bin dankbar für jede Mitteilung, die uns erreicht. Wir sind nicht überall und können nicht überall sein. Meine Botschaft ist: Wenn wir Hinweise bekommen, kümmern wir uns. Wir sind da für die Bevölkerung, brauchen aber auch die Unterstützung der Bevölkerung. Das ist mein Selbstverständnis.

Markus Hack
Markus Hack, Kitzinger Polizeichef. Foto: Frank Weichhan
Der Kitzinger Polizei-Chef begann als Polizeipraktikant. Für die Einstellung war er mit 16 Jahren noch zu jung und durfte deshalb sechs Monate lang Praktikum machen.
Seit 1989 ist Markus Hack offiziell in Diensten der Polizei. Über den mittleren und gehobenen Dienst ging es dann über verschiedene Dienststellen und Fortbildungen in den höheren Dienst.
Der 48-Jährige ist verheiratet, Vater eines Sohnes und wohnt im Landkreis Bad Kissingen.

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