KITZINGEN/THÜRINGEN.

Die Stadt der Pfadfinder

Daumen hoch: Justin Ehrlich zeigt es an, die Kitzinger Fahne weht über dem Bundescamp der Royal Rangers in Thüringen.
Daumen hoch: Justin Ehrlich zeigt es an, die Kitzinger Fahne weht über dem Bundescamp der Royal Rangers in Thüringen. Foto: ROYAL RANGERS

Schon die Dimensionen sind beeindruckend: 15 000 Pfadfinder auf einem Fleck. Und das neun Tage lang. 15 000 Menschen, die versorgt sein wollen, die schlafen, essen und trinken. Und gemeinsam feiern. Annabelle Dietz aus Kitzingen ist heute noch begeistert von der Atmosphäre beim Bundescamp der Royal Rangers. Die 20-Jährige war vom 8. bis 16. August als Stammleiterin mit dabei in Neu- frankenroda in Thüringen. Und vorher schon beim Aufbau.

Seit 15 Jahren gibt es die Royal Rangers in Kitzingen. Klaus Tietz ist Gründungsmitglied. Der Mann mit dem markanten weißen Bart kann sich noch gut an die Anfangszeit erinnern. 40 bis 50 Kinder waren damals bei der Freien Christengemeinde in Kitzingen mit dabei. Kinder, die sinnvoll beschäftigt sein wollten. Der damalige Priester Joe Bedford gab den Ausschlag und den entscheidenden Hinweis: Pfadfinder. „In Würzburg gab es schon einen Stamm der Royal Rangers, also haben wir auch einen gegründet“, erinnert sich Tietz. Und ihn gleich mit Leben gefüllt.

Höhepunkte im Leben der Royal Rangers sind die gemeinsamen Camps. Bundesweit finden sie nur alle acht Jahre statt. Kein Wunder bei dieser Anzahl an Teilnehmern. „Es ist eine logistische Herausforderung“, bestätigt Klaus Tietz. Aber die ist wieder gut bewältigt worden.

Bereits am 3. August hat sich eine Vorhut von 3000 Royal Rangern auf den Weg nach Neufrankenroda in der Nähe von Gotha gemacht. Annabelle Dietz war mittendrin. Innerhalb von vier Tagen bauten sie die nötige Infrastruktur auf: Großbereiche für die Verpflegung und die Wasserversorgung oder die Gerüstkonstruktion für den Mittelpunkt des Camps: die große Burg. „Das war körperlich ganz schön anstrengend“, erinnert sich Annabelle. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt.

Unter dem Motto „Aufbruch“ stießen am 8. August immer mehr Rangers aus dem gesamten Bundesgebiet dazu und begannen überall auf dem 63 Hektar großen Areal ihre Schlafzelte, Kochstellen und Essplätze aufzubauen. Die kommenden Tage waren gefüllt mit vielen Aktivitäten: Auf etwa drei Kilometer Marktstraße konnten sich die Pfadfinder in mittelalterlichen Handwerkskünsten üben, beispielsweise eine Pfeilspitze im Feuer schmieden oder mit Federkiel schreiben. Jeder der 380 Stämme hatte etwas vorbereitet. Die Kitzinger öffneten ihre Taverne, boten alkoholfreie Cocktails und Süßigkeiten an. „Die Zeit verging wie im Flug“, berichtet Annabelle Dietz, der die gemeinsamen Abende an der Burg am meisten imponierten. Mit einem Stahlgerüst hatten die Helfer die Burg in U-Form errichtet, mit riesigen Leinen behängt und bemalt. „Man hatte wirklich den Eindruck, dass dort eine echte Burg steht“, erzählt die 20-Jährige. Theaterstücke, Musik und kleine Predigten fanden dort an manchen Abenden statt. Und alle kamen. „Wenn 15 000 Menschen die La-Ola-Welle machen, dann ist das einfach unbeschreiblich“, sagt Annabelle.

Am letzten Abend erhellten 15 000 Kerzenlichter das Dunkel der Burg. Spätabends ging es noch einmal kurz in die Tavernen, um einen letzten Schlummertrunk zu nehmen und sich dann müde und voller Eindrücke ein letztes Mal in den Schlafsack zu rollen. „Das werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, ist sich Annabelle sicher. Und in dieser Dimension wird das Camp womöglich auch nie mehr stattfinden. „Das Lager war proppenvoll“, berichtet die Kitzingerin. Weshalb das nächste Bundescamp zweigeteilt stattfinden könnte. Eines im Norden und eines im Süden. Wie und wo auch immer: Der Kitzinger Stamm wird sicher wieder vertreten sein.

Mit Spaß dabei: Tabea Gessner und Hadel Babel haben den „Feuertisch“ mit Hilfe von Lehm vorbereitet. Die Pfadfinder kochten auf dem Bundescamp nicht auf dem Boden, um keine Schäden zu hinterlassen.
Mit Spaß dabei: Tabea Gessner und Hadel Babel haben den „Feuertisch“ mit Hilfe von Lehm vorbereitet. Die Pfadfinder kochten auf dem Bundescamp nicht auf dem Boden, um keine Schäden zu hinterlassen. Foto: ROYAL RANGERS

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Kitzingen
  • Ralf Dieter
  • Burgen
  • Pfadfinder
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte vorher an.

Anmelden

Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich hier registrieren.